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Einzelhandel nach Corona-Pause: Das ändert sich in der Bonner Innenstadt

Einzelhandel nach Corona-Pause : Das ändert sich in der Bonner Innenstadt

H&M in der Remigiusstraße war bereits vor der Corona-Krise geschlossen, die Löwenapotheke an der Sternstraße wird aktuell renoviert. Andere Geschäfte haben wieder geöffnet oder bereiten sich auf die Freigabe ihrer gesamten Verkaufsfläche vor. Trotz der Corona-Lockerungen zieht der Einzelhandelsverband eine kritische Bilanz.

Langsam erwacht auch die Bonner Innenstadt wieder zum Leben. Viele Geschäfte haben geöffnet und auch die großen Kaufhäuser bereiten sich darauf vor, neben den bereits zur Verfügung stehenden 800 Quadratmetern Verkaufsfläche wieder alle Etagen für die Kundschaft freigeben zu dürfen.

Welcher Ladeninhaber am Ende wegen der Corona-Krise aufgeben muss, wird man sehen. In der Remigiusstraße hat sich jedenfalls eine Filiale von H&M für immer verabschiedet und ihre Schotten dicht gemacht. Allerdings hat diese Schließung nichts mit Corona zu tun, sie war bereits im vorigen Jahr angekündigt und auch schon vor Beginn der Corona-Krise umgesetzt worden.

Viele Menschen waren jedoch länger nicht mehr in der City unterwegs, weshalb die Schließung der Filiale, die dort immerhin gut zehn Jahre ansässig war, dem einen oder anderen wohl jetzt erst auffällt. Rückläufige Umsätze hätten zu diesem Schritt geführt, hatte eine Sprecherin der schwedischen Modekette dem GA erklärt. "Die Filiale in der Poststraße ist allerdings geöffnet."

Nachfolger noch nicht klar

Wer in das Ladenlokal, in dem einst die älteste Gaststätte Bonns  „Zum Bären“ zu Hause war, einziehen wird, war nicht zu erfahren. Die traditionsreiche Gaststätte  – besonders beliebt als Treffpunkt für Studenten und Professoren – hatte 2003 nach mehr als 300 Jahren ihren Betrieb für immer eingestellt.

Getan hat sich auch etwas im einstigen Reformhaus Hörsch an der Ecke Sternstraße/Vivatsgasse. Dort waren die Türen seit Jahren verschlossen, dabei waren die Regale und Schaufensterauslagen lange noch gut gefüllt – als würde der Geschäftsbetrieb irgendwann doch fortgeführt. Dort hat Anfang März die Modeboutique La Strada nach einem Umbau die neuen Verkaufsräume feierlich eröffnet  – um gleich anschließend wieder schließen zu müssen. Mit den zunehmenden Lockerungen seit dem Shutdown durfte aber auch La Strada seine Türe wieder öffnen und bietet schicke italienische Mode an.

In einem Geschäftslokal am anderen Ende der Sternstraße waren ebenfalls viele Monate lang die Handwerker zugange. Dort ist die Löwenapotheke beheimatet, eine der ältesten Apotheken Bonns. Sie will demnächst in komplett renovierten und modernisierten Räumen, die nun auch barrierefrei zu erreichen sind, wieder öffnen, sagte eine Mitarbeiterin auf Nachfrage. Der genaue Termin stehe noch nicht fest.

Ein ähnliches Schicksal wie die Boutique La Strada teilt das Warenhaus Manufaktum, das in die früheren Räume des Textilers Gerry Weber am Markt gezogen ist und hochwertige Dinge für das alltägliche Leben feilbietet, wie Küchenutensilien oder Heimtextilien. Kaum hatte das Geschäft eröffnet, musste es Corona-bedingt wieder schließen. Inzwischen gehen die Kunden dort wieder ein und aus.

Natürlich gelten dort wie in allen Geschäften strenge Hygieneregeln: Kunden dürfen die Läden nur mit Mund- und Nasenschutz betreten, an den meisten Eingängen steht zudem ein Spender für die Händedesinfektion bereit. Außerdem ist die Anzahl der Kunden, die gleichzeitig in den Sortimenten der Läden stöbern wollen, je nach Größe der Geschäftsräume auf eine bestimmte Anzahl beschränkt.

Einzelhandelsverband: Erhoffter Zuspruch bleibt bisher aus

Der Einzelhandelsverband Bonn Rhein-Sieg Euskirchen (EHV) zieht derzeit mit Blick auf die Situation vieler Geschäftsbetriebe trotz der Lockerungen eine eher kritische Bilanz. Trotz zunehmender Zahl der Passanten in den Innenstädten werde wenig gekauft, der erhoffte Zuspruch sei bisher ausgeblieben, so Jannis Vassiliou, Geschäftsführer des EHV.

„Der Einzelhandel ist akut bedroht – nicht nur in der Region, sondern in ganz Deutschland. Mit ihm stehen Tausende Arbeitsplätze und Existenzen auf dem Spiel“, betonte Vassiliou.  „Wir begrüßen die Wiedereröffnung von Museen und Spielplätzen. Doch was wir jetzt brauchen, ist eine Wiederbelebung der Innenstädte und das geht nur durch die Öffnung der Gastronomie.“

In einem Schreiben an Joachim Stamp, stellvertretender Ministerpräsident des Landes, und NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart hatte der EHV deshalb eine umgehende Öffnung der Gastronomie unter Einhaltung von strengen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen gefordert. Ab Montag dürfen Restaurants auch wieder öffnen. Es sei umso wichtiger, den Handel vor Ort zu unterstützen, so Vassiliou. „Im Namen aller Einzelhändler möchten wir Sie aufrufen, vor Ort zu kaufen, statt bei großen Internetanbietern zu bestellen.“