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In der Corona-Krise: Beueler Einzelhändler sind auf Förderung angewiesen

In der Corona-Krise : Beueler Einzelhändler sind auf Förderung angewiesen

Ein Großteil benötigt Fördergelder, die Umsätze sind teils existenzbedrohend. Das zeigt eine Umfrage unter den Einzelhändlern in Beuel. Auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheint da der Weg von Manuel Albaida.

86 Prozent der Beueler Geschäfte sind auf Fördergelder von Bund, Land oder Stadt angewiesen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die die Gewerbe-Gemeinschaft Beuel (GGB) in den vergangenen Tagen im rechtsrheinischen Stadtbezirk durchgeführt hat.

An der Umfrage der GGB zu den Auswirkungen der Corona-Krise auf die Beueler Geschäftswelt haben sich viele der mehr als 200 GGB-Mitglieder beteiligt. Teilgenommen haben sowohl Dienstleister als auch Einzelhändler. „Aufgrund dieser diversiven Beteiligung haben wir ein Abbild der Grundgesamtheit der Mitglieder beziehungsweise der Beueler Geschäfte und können so durchaus von einem repräsentativen Umfrageergebnis mit entsprechenden Anhaltspunkten und Größenordnungen sprechen“, sagt der Vorsitzende der Gewerbe-Gemeinschaft, Werner Koch, bei der Vorstellung der Ergebnisse.

Demnach haben 27 Prozent der an der Umfrage beteiligten Unternehmen in der Krise bislang kurzfristig neue Geschäftsmodelle – wie zum Beispiel einen Abhol- und Lieferservice – eingerichtet.

32 Prozent waren komplett geschlossen

32 Prozent der Geschäfte waren wegen der Corona-Auflagen bis vorletzte Woche allerdings komplett geschlossen. Die Betriebe insgesamt gehen teilweise von existenzbedrohenden Umsatzeinbußen aus. „Es ist wichtig, dass jetzt zumindest im Einzelhandel erste Lockerungen vorgenommen worden sind“, erklärt Volker Schicht, stellvertretender Vorsitzender der GGB.

86 Prozent der Unternehmen haben gemäß der Umfrage bislang Fördergelder bei Bund, Land NRW oder Stadt Bonn beantragt oder werden dies in Kürze tun. Erfreulicherweise haben hiervon immerhin 41 Prozent ihre Unterstützung bereits zügig erhalten. Nur insgesamt 14 Prozent gehen derzeit davon aus, ohne staatliche Unterstützung auskommen zu können.

67 Prozent der an der Umfrage beteiligten Unternehmen haben laut GGB-Vorstand Kurzarbeit angemeldet (48 Prozent) oder werden diese noch in Kürze beantragen (19 Prozent). 33 Prozent der Beteiligten gehen davon aus, diese wirtschaftliche Unterstützung nicht zu benötigen.

Große Sorgen machen sich die Geschäftsleute allerdings auch um die „Zeit danach“. Auf die Frage, ob Kunden, die jetzt online einkaufen, wieder zurückkehren, reagieren die Geschäftsleute in Beuel sehr skeptisch.

Geschäftsleute haben geringe Eigenkapitaldecke

Nur 47 Prozent gehen davon aus, dass die Kunden in die Geschäfte zurückkommen, während ebenfalls 47 Prozent dies für sehr fraglich halten. Sechs Prozent gehen sogar davon aus, dass viele der Kunden ganz fernbleiben werden.

Auch die GGB macht sich Gedanken zu den anstehenden Lockerungen und dem kommenden Neustart. „Ohne weitere staatliche Maßnahmen wird es kaum gehen, da nicht zuletzt auch eine gewisse Kaufzurückhaltung bei den Kunden zu erwarten sein wird“, sagen Koch und Schicht. Dies begründen die beiden mit einer Schrumpfung der Eigenkapitaldecke auf der Seite der Gewerbetreibenden und möglichen Einkommens- und Vermögensverlusten auf der Seite der Verbraucher.

Vermieter kommen meist nicht entgegen

Lediglich 37 Prozent der Vermieter haben sich laut GGB bislang bereit erklärt, in Sachen Mietzahlung den Gewerbetreibenden entgegenzukommen. „Dies könnten mehr sein. Doch nicht alle Vermieter können ohne Weiteres über mehrere Monate auf Mieteinnahmen verzichten“, sagen Koch und Schicht.

Weitere Umfrageergebnisse sind positiv hervorzuheben: Jeweils weit mehr als 90 Prozent der befragten Geschäftsleute begrüßen das bisher von der GGB an den Tag gelegte Engagement in Sachen Information und Unterstützung und sind von der großen Solidarität in Beuel angetan. Erfreulicherweise gehen 95 Prozent der befragten Unternehmen davon aus, dass sie die Krise ohne Insolvenz überstehen werden.

„Damit sich dieser Wert nicht negativ verändert, ist die Solidarität in Beuel vielleicht der wichtigste Ansatz überhaupt. Wir alle sollten den Beueler Einzelhandel und die Dienstleister – soweit es eben möglich ist – gerade in der jetzigen Phase unterstützen. Diese Solidarität kann am Ende den Unterschied zwischen Fortbestand und Insolvenz ausmachen“, so Werner Koch im Gespräch mit dem GA.

Spanier eröffnet trotz Krise ein neues Geschäft

Als ungewöhnliches, aber umso mehr erfreulicheres Erlebnis bezeichnete der GGB-Chef, dass es in Beuel Menschen gibt, die sich während der Corona-Pandemie selbstständig machen. Zum Beispiel Manuel Albaida, der in Beuel-Ost in der Siegburger Straße 40 ein spanisches Spezialitätengeschäft eröffnet hat.

Der 52-jährige Spanier, der seit mehr als 40 Jahren in Beuel lebt, wollte seinen Laden eigentlich schon am 1. April eröffnen, aber da­raus wurde aus bekannten Gründen nichts. „Ich habe direkt am Montag die Ladentür aufgeschlossen und seitdem nur positive Reaktionen erfahren. Die Menschen freuen sich über das neue Angebot im Beueler Osten“, sagte Albaida, der in Cordoba geboren wurde – weshalb sein Geschäft auch „El Cordobés“ heißt.

„Jede Krise endet irgendwann und deshalb habe ich mit der Geschäftseröffnung ein Zeichen setzen wollen, dass es jetzt wieder bergauf geht“, sagte Manuel Albaida und stellt vors Ladenlokal eine Werbetafel mit der Aufschrift „Abierto – Geöffnet“ auf.

Wenige Meter in Richtung Süden und zwar in der Paulusstraße 28 ist der spanische Elternverein untergebracht, dessen Vorsitzender Manuel Albaida seit vielen Jahren ist. „Dort verkaufen wir von freitags bis sonntags Speisen außer Haus“, so der Spanier.