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Kinderbetreuung und Beruf: Viele Eltern aus Bonn fühlen sich in der Corona-Krise psychisch belastet

Kinderbetreuung und Beruf : Viele Eltern aus Bonn fühlen sich in der Corona-Krise psychisch belastet

Das Netzwerk "Frühe Hilfen Bonn" stellt die Ergebnisse seiner Umfrage zur Kinderbetreuung in der Corona-Krise vor. Der Ausnahmezustand hatte bei den Eltern auch psychische Auswirkungen.

Kinderbetreuung und Beruf lassen sich während eines Lockdowns, wie es ihn im Frühjahr gegeben hat, nicht miteinander vereinbaren. Sollte es zu einem zweiten kommen, ist es zwingend notwendig, die Betreuung von Kindern anders zu regeln. Zu diesem Ergebnis kommt das Netzwerk Frühe Hilfen Bonn nach Auswertung seiner Online-Umfrage „Elternschaft in Corona-Zeiten“.

Das Netzwerk wollte von den Eltern wissen, wie belastend der Lockdown für sie gewesen ist. 4335 Eltern aus Bonn und Umgebung haben mitgemacht. „Die hohe Teilnehmerzahl zeigt uns, wie groß das Bedürfnis der Eltern ist, sich zu äußern und ihre Anliegen zu formulieren“, sagt Jean-Pierre Schneider, Direktor des Caritasverbandes für die Stadt Bonn. Die Vereinbarung von Kinderbetreuung und Beruf bereitet den Eltern die größte Sorge, insbesondere bei Alleinerziehenden: „Viele Mütter oder Väter sind da an der Grenze ihrer Belastbarkeit“, sagt Ute Schwarz, Mitarbeiterin im Jobcenter Bonn und Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt.

Aber auch die Sorge, dass ihre Kinder den Kontakt zu den Großeltern oder Freunden verlieren sowie Unsicherheiten bei der eigenen ganztägigen Betreuung hat eine große Zahl der Umfrageteilnehmer beschäftigt. Die Verlagerung des Lernorts von der Schule nach Hause stellt Eltern ebenfalls vor große Herausforderungen: „Viele Eltern haben nicht die IT-Ausrüstung, die Kinder benötigen, um von zu Hause aus digital lernen zu können. So wächst bei den betroffenen Eltern die Angst, dass ihre Kinder im Unterricht den Anschluss verlieren“, sagt Schwarz. Dieses Problem bereitet auch dem Verein Familienkreis große Sorgen: „Dies ist eine Zielgruppe, die auch wir schwer erreichen können“, sagt Anja Henkel.

"Jeder Sechste fühlt sich psychisch belastet“

Die Umfrage ergab, dass der Ausnahmezustand bei den Eltern auch psychische Auswirkungen hatte: „Jeder Sechste fühlt sich psychisch belastet“, so Susanne Absalon (Caritas). Wichtig ist es, in solch einer Situation die eigenen Ansprüche zu überdenken und runterzuschrauben: „Viele Eltern machen sich Sorgen, für ihre Kinder tolle Freizeitangebote schaffen zu müssen. Diese Sorge würde ich eher gering halten“, sagt Kindheitspädagogin Stefanie Greubel von der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft. Viele Eltern bereitet bereits jetzt die Frage Kopfschmerzen, wie sie bei einer möglichen zweiten Welle die Herausforderung, Kinderbetreuung und Beruf unter einen Hut zu bekommen, erneut bewältigen sollen.

„Homeoffice und die gleichzeitige Betreuung der Kinder: Das geht nicht“, betont Greubel. Nicht außer Acht lassen dürfe man, so das Netzwerk Frühe Hilfen, dass auch für die Kinder selbst ein Lockdown eine ungewohnte Situation darstellt. Daher appelliert das Netzwerk an die Politik, bei einem möglichen zweiten Lockdown stärker auf die Bedürfnisse der Kinder zu achten, und fordert eine bessere Notbetreuung und Entlastung der Eltern. „Wir wollen erreichen, dass bei einem möglichen zweiten Lockdown Eltern und Kinder stärker gehört werden“, sagt Judith Albert vom Familienkreisvorstand. Ein Mindestmaß an Betreuung müsse gewährleistet werden. „Die Erzieher müssten wenigstens ein- bis zweimal die Woche Kontakt zu den Kindern haben, sei es auch nur, dass sie während der Kontaktsperren den Kindern am Fenster zuwinken“, sagt Greubel.

Im nächsten Schritt plant das Netzwerk, die Umfrageergebnisse an das Landesministerium weiterzureichen. „Wir werden die Ergebnisse auch auf kommunaler Ebene kommunizieren und schauen, was wir gemeinsam verändern können, damit Familien und insbesondere benachteiligte Kinder und alleinerziehende Eltern nicht auf der Strecke bleiben“, sagt Schneider.