Bonn: Umweltspur ist nicht umsetzbar

Endenicher Straße : Umweltspur in Bonn nicht umsetzbar

Die Bonner Stadtverwaltung schließt Vorrang-Fahrstreifen für Busse und Fahrräder auf der Endenicher Straße aus. Denn das würde bei den Autofahrern zu mehr Staus führen.

Seit Sommer diskutieren Rat und Verwaltung über Umweltspuren auf dem Herrmann-Wandersleb-Ring und der Endenicher Straße für Busse und Radfahrer. Doch sind die auf einer der Hauptverkehrsadern in Bonn mit bis zu 30.000 Fahrzeugen am Tag überhaupt machbar?

Die Verwaltung hatte diese Frage, wie berichtet, grundsätzlich positiv beantwortet - vorbehaltlich zusätzlicher Prüfungen. Die Ergebnisse liegen nun vor. Fazit: Während beim Hermann-Wandersleb-Ring trotz des dort höheren Verkehrsaufkommens die Gegebenheiten für Umweltspuren vorliegen, stellen sie bei der Endenicher Straße „laut Verwaltung einen starken Eingriff in das Verkehrsnetz“ der Stadt Bonn dar.

Insbesondere käme es bei der Endenicher Straße unter anderem wegen der kurzen Linksabbiegespuren zu „nicht vertretbaren“ Staus für den auf einer Spur verbleibenden Individualverkehr, befürchtet die Verwaltung. Als Beispiel führt sie die Linksabbiegespur Karlstraße an, über die ein Großteil des Verkehrs in das Gewerbegebiet nördlich der Endenicher Straße abgewickelt wird.

Nach Auffassung der Verwaltung können im vorhandenem Straßenraum der Endenicher Straße daher so ohne weiteres keine Umweltspuren markiert werden. Dies wäre nur möglich, wenn Umbauten zum Beispiel an Mittelstreifen, an der Beleuchtung, den Ampeln und Gehwegen vorgenommen würden. Ziel einer entsprechenden Umbauplanung müsse sein, auch bei Einrichtung von Sonderfahrstreifen auf der Endenicher Straße eine „leistungsfähige Zuwegung“ der angrenzenden Wohn- und Gewerbeviertel zu gewährleisten. Aufgrund des schlechten baulichen Zustands der Fahrbahndecke der Endenicher Straße wäre eine Umgestaltung aber nur in Verbindung mit einer Grundsanierung möglich. Letztere sei für die Endenicher Straße bereits für das Haushaltsjahr 2021 angemeldet. Im Vorfeld müsse allerdings ein Straßenentwurf zur Umgestaltung der Straße erarbeitet werden, der die Sonderfahrstreifen berücksichtigt.

Auch auf dem „Endenicher Ei“ sieht die Verwaltung bei der aktuellen Verkehrsbelastung keine Möglichkeit, dort Umweltspuren einzurichten. Hier müsste man im Zuge des geplanten Neubaus des Brückebauwerkes (der GA berichtete) im Austausch mit dem Landesbetrieb prüfen, ob Umweltspuren oder eine Verbreiterung der vorhandenen Radwege zusätzlich realisiert werden könnten. Aufgrund des engen Zeitfensters bei dem Ersatzneubau sei die Verwaltung bereits im Gespräch mit dem Landesbetrieb Straßen NRW. Eine Verknüpfung mit einem möglichen Sonderfahrstreifen auf dem Hermann-Wandersleb-Ring sollte in der zu erstellenden Planung berücksichtigt werden, um eine Durchgängigkeit zu erhalten.

Zudem müsse gegebenenfalls die Querschnittsaufteilung der Endenicher Straße bei einer späteren Realisierung der Westbahn (vormals Hardtbergbahn) -- je nach Variante -- erneut angepasst werden.

Die SPD begrüßt die rechtzeitige Information vor Beginn der Beratungen in den entsprechenden Ratsgremien. Sie fordert aber gleichzeitig „mehr Mut“ bei der Umsetzung. „Das heißt, wir wollen, dass für die Endenicher Straße so schnell wie möglich auch eine Umweltspur eingerichtet wird“, so Gabi Mayer, Vize-Fraktionschefin und verkehrspolitische Sprecherin. „Das Radfahren wird sicherer und die Busse pünktlicher und verlässlicher.“

Die SPD befürchtet aber, dass die Neuaufteilung des Straßenraumes, die laut Verwaltung auf der Endenicher Straße notwendig ist, nur zu weiteren unnötigen Verzögerungen führt. „Daher fordern wir, dass die Planung hier deutlich beschleunigt wird.“ Hinsichtlich der Umweltspur auf dem Hermann-Wandersleb-Ring, die die SPD ausdrücklich begrüßt, bestehe indes die Sorge, dass mehr Autos dann den parallel verlaufenden, verkehrsberuhigten Teil der Endenicher Straße als Ausweichstrecke nutzen werden.

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