Umweltspur für Busse und Radfahrer in Bonn: Stadt will einspurigen Autoverkehr in Endenich testen

Umweltspur für Busse und Radfahrer in Bonn : Stadt will einspurigen Autoverkehr in Endenich testen

Die großen Parteien des Bonner Stadtrats wollen den einspurigen Autoverkehr auf dem Hermann-Wandersleb-Ring und der Endenicher Straße testen. Eine geschützte Fahrradspur für die Sandkaule hat der Rat bereits beschlossen.

Jahrelang vollzog sich der Umbau Bonns zur angepeilten „Fahrradhauptstadt 2020“ allenfalls mit angezogenen Handbremsen. Auch der jüngste 16. Sachstandsbericht der Stadtverwaltung zum Thema listet für das zweite Halbjahr 2018 außer der Vergabe für das Mietfahrrad-System wenig Konkretes auf. Lediglich die Ennemoserstraße wurde zur Fahrradstraße deklariert. Wer die nicht kennt, muss sich nicht wundern. Es ist eine wenig frequentierte kurze Querstraße zum Propsthof.

Jetzt aber wagen sich die Parteien offenbar ans Eingemachte. Die Stadtverwaltung hält es für denkbar, den Autoverkehr auf der Endenicher Straße und dem Hermann-Wandersleb-Ring – derzeit mehr als 30.000 Fahrzeuge täglich – auf beiden Seiten des Endenicher Eis einspurig laufen zu lassen und dafür eine Umweltspur einzurichten. Das Endenicher Ei selbst müsse wegen der komplexen Verkehrsbeziehungen zweispurig bleiben. Grundsätzlich komme „ein Radfahrstreifen (3,25 Meter breit) mit Freigabe für den Linienverkehr gegebenenfalls auch für E-Fahrzeuge und Taxen als Verkehrsversuch“ infrage, heißt es in einer Verwaltungsvorlage.

Die Lösung habe den Charme, dass Linienbusse Radfahrer auch auf der normalen Spur überholen dürften. Bei einer für Radfahrer freigegebenen Busspur ist das nämlich nicht erlaubt. Bussen und Radfahrern könnte sich damit ein staufreier Korridor von Südwesten über die Viktoriabrücke in die Innenstadt öffnen. Die Strecke wird nach Zählungen der Stadt täglich von 520 Linienbussen auf neun Linien genutzt – mit durchschnittlich 16.500 Gästen an Bord.

Unmut der Autofahrer auf Endenicher Straße sei absehbar

„Nachdem wir den Prüfauftrag vergeben haben, sollten wir auch den Versuch wagen“, sagt Ratsfrau Henriette Rheinsberg für die CDU-Mehrheitsfraktion. Die jetzt schon überlastete Autobahn 565 werde beim Neubau des Tausendfüßlers noch mehr zum Nadelöhr werden. Der Unmut der Autofahrer auf Wandersleb-Ring und Endenicher Straße sei damit absehbar. „Wir müssen deshalb mehr Menschen zum Umstieg in Bus und Bahn bewegen“, sagt Rheinsberg. Das gehe nur mit zuverlässigeren Fahrplänen. Langfristig geht Rheinsberg persönlich davon aus, dass Umweltspuren auf allen geeigneten mehrspurigen Straßen in der Stadt eingerichtet werden.

Auch die SPD, die die Idee zusammen mit den Grünen propagiert hat, denkt in diese Richtung. „Wenn wir nicht damit anfangen, wird sich bei den Verspätungen im Busverkehr nichts ändern“, glaubt SPD-Ratsfrau Gabi Mayer. Für Einpendler müssten zunehmend andere Wege in die Stadt gefunden werden als das Auto – etwa Pendlerparkplätze mit Anschluss an Bus oder Bahn. Es sei kurz vor der Kommunalwahl Zeit für mutige Schritte.

Kampf um knappen Verkehrsraum

Die Verwaltung will nun ermitteln, ob die Zahl der Radfahrer auf dem Wandersleb-Ring die Einrichtung einer Fahrradspur rechtfertigt. Dazu wurde an zwei Tagen im Juli der Verkehr gezählt. Zur Sitzung des Planungsausschusses im Oktober oder November würden die Ergebnisse vorliegen, erklärt Kristina Buchmiller aus dem Presseamt. In der Sandkaule will der Rat bereits Fakten schaffen. Auch hier soll der Individualverkehr bis zur Beethovenhalle Platz abgeben. In Richtung stadtauswärts hat der Stadtrat die Ausweisung einer geschützten Fahrradspur beschlossen, die auch Busse nützen dürfen.

Beide Maßnahmen sind weitere Beispiele dafür, dass es zur Verhinderung von Diesel-Fahrverboten und zur Klimaanpassung der Innenstadt einen Kampf um knappen Verkehrsraum geben wird. Jüngst erst war ein heftiger Konflikt um die künftige Verkehrsführung in der Kaiserstraße entbrannt. Der Wunsch der Grünen nach einer Fahrradspur in der Rathausgasse hatte vor allem Geschäftsleute in der City und die CDU Sturm laufen lassen.

Demnächst könnte ein weiteres Thema in der Stadtgesellschaft für hitzige Kontroversen sorgen. Der Rat hat der Verwaltung einen Prüfauftrag erteilt, wie Radfahrer am Bertha-von-Suttner-Platz künftig besser geschützt werden können. Aus dem Stadthaus war dazu bereits zu hören, dies könnte die Einrichtung einer Tempo-30-Zone auf der wichtigen Durchfahrtsstraße bedeuten.

Mehr von GA BONN