Rheinbach schließt Partnerschaft des Friedens in Verdun

Entzünden der Flamme : Rheinbach schließt „Partnerschaft des Friedens“ in Verdun

Bei den Gedenkfeiern in Verdun hat Stefan Raetz die Flamme des Erinnerns entzündet. Der Bürgermeister von Rheinbach ist erst der zweite Deutsche, dem diese Ehre zuteil wurde.

Die Dunkelheit bricht herein über einen ohnehin eher düsteren Ort. Rund 500 Menschen sind gekommen, um am Gebeinhaus von Douaumont dem Ende des Ersten Weltkriegs vor 101 Jahren zu gedenken. Einen Krieg, den die Franzosen nur „Grande Guerre“ nennen, weil Leid und Zerstörung so massiv waren. In der monumentalen Gedenkstätte in der Nähe von Verdun ruhen die Knochen und Schädel von 130.000 Soldaten, die rund um Verdun den Tod fanden.

Eine besondere Geste ist, dass eine Delegation aus Rheinbach bei einer für die Franzosen besonders wichtigen Handlung dabei sein durfte: dem Entzünden der Flamme vom Grab des unbekannten Soldaten vom Pariser Arc de Triomphe. Bundeskanzlerin Angela Merkel war die erste Deutsche, der diese Ehre zuteil wurde, Stefan Raetz, Bürgermeister von Rheinbach, ist der zweite.

Nach Douaumont war die 14-köpfige Delegation gekommen, um mit der Gemeinde Douaumont-Vaux eine „Partnerschaft für den Frieden“ einzugehen. Die französischen Gastgeber legten großen Wert darauf, dass die Gäste an dem Wochenende, das vollgepackt war mit Gedenkfeiern, nicht nur Staffage waren, sondern zentraler Bestandteil der Feierlichkeiten. Ein Trommelwirbel ertönt, als Raetz mit Armand Falque, Bürgermeister der französischen Ortschaft Douaumont-Vaux und weiteren Honoratioren die Flamme entzündet, die alljährlich von Paris aus ihren Weg in viele Orte Frankreichs findet.

Am 29. Mai 2016, dem 100. Jahrestag der Schlacht von Verdun, hatten Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande gemeinsam diese Flamme zum Leuchten gebracht. Mindestens 300000 Soldaten starben 1916 in der 300 Tage dauernden Schlacht zwischen Deutschen und Franzosen, die bis heute als Symbol für einen sinnlosen Stellungskrieg gilt. Ein Trompetensolo erklingt und obgleich das Thermometer nah an den Gefrierpunkt sinkt, sind die Gäste aus Rheinbach ergriffen von der Symbolik des Augenblicks. Die deutsche Nationalhymne erklingt zum Abschluss der Gedenkfeier über den Gräbern von Verdun - noch vor der französischen. „Ich hatte kurz gezögert, ob ich mitsingen kann. Habe es dann aber doch getan“, sagt Tamara Vogt, die für die FDP-Fraktion Teil der Rheinbacher Delegation ist. „Es war sehr bewegend. Eine ganz besondere Stimmung“, schildert Vogt.

Am Vortag gewährt Olivier Gèrard, Bürgermeister von Douaumont und Direktor des monumentalen Gebeinhauses von Douaumont, den Besuchern einen Blick in die Gewölbe der Gedenkstätte, wo die auf dem Schlachtfeld gefundenen Knochen der Soldaten aufgebahrt sind.In der Kammer, in die Gèrard seine Gäste aus Rheinbach führt, die nicht größer ist als ein Kellerraum, liegen die Schädel und Knochen von 40 000 Menschen unterschiedlichster Nation auf einem großen, bedrückenden Berg. „Ich fand toll, dass wir ins Beinhaus durften, aber der Anblick war sehr traurig“, sagt Friederike Krancke (13), Schülerin vom Städtischen Gymnasium Rheinbach. „Es ist nicht zu glauben, dass das mal alles Menschen waren.“

Sehr bewegt ist auch Mitschülerin Paula Dörflinger (13), die mit ihrer Lehrerin Stephanie Ewald nach Verdun gereist ist, um ein Friedenskunstwerk von Rheinbacher Schülern an die französischen Gastgeber zu überreichen. „Ich habe an die ganzen Angehörigen denken müssen, die um einen Menschen trauern.“

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