Klimatag in Rheinbach: Hermann Schlagheck schützt das Klima im Linksrheinischen

Klimatag in Rheinbach : Hermann Schlagheck schützt das Klima im Linksrheinischen

Seit 12 Jahren leitet Hermann Schlagheck die Projektgruppe „Klima und Energie“. Mit dem GA sprach er über Klimaschutz im Linksrheinischen, den Klimatag am Samstag in Rheinbach und warum wir unseren Social Media-Konsum einschränken müssen.

Einmal im Jahr veranstaltet die Projektgruppe „Energie und Klima“ der Region Rhein-Voreifel einen Klimatag. Mit Workshops, Vorträgen und Führungen bringt sie den Bürgern zwischen Bornheim und Wachtberg Themen wie Energiesparen und Klimaschutz näher (siehe Kasten). Die Gruppe leitet seit zwölf Jahren der Swisttaler Hermann Schlagheck. Zum diesjährigen Klimatag in Rheinbach sprach er mit dem GA über den Klimaschutz im linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis, E-Autos und Fridays for Future. Das Interview führte Katharina Weber.

Was hat sich beim Klimaschutz im Linksrheinischen getan, seit Ihre Gruppe ihre Arbeit aufnahm?

Hermann Schlagheck: Viel, aber vieles im Kleinen. Die Hauptänderung war die Gewinnung eines Klimaschutzmanagers – wobei das nicht der Verdienst der Gruppe war. Die Kommunen haben ihn 2015 angestellt, um interkommunal die Vernetzung und Zusammenarbeit beim Klimaschutz zu verbessern. Unsere Aktivitäten sind zu viele, um sie hier alle aufzuzählen. Sie stehen aber in unserer Broschüre „Erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Klimaschutz“, die wir im Mai veröffentlicht haben.

Haben Sie bei Ihrer Beratung festgestellt, ob sich an der Denkweise der Menschen etwas geändert hat?

Schlagheck: Früher haben wir uns vor allem der Frage gewidmet „Was sind eigentlich erneuerbare Energien?“ und haben versucht, das den Bürgern zu erklären, damit sie versuchen, privat Dinge zu ändern und eine Photovoltaikanlage, Solarthermie oder Biomasse zu nutzen. Heute ist daraus ein viel größerer Komplex geworden, nämlich Klimawandel und Klimaschutz. Nun geht es um E-Mobile, um die Frage, ob Wasserstoff das Element der Zukunft ist. Die Fragen der Bürger an uns sind viel spezieller geworden.

Dieses Jahr steht der Klimatag unter dem Motto „Was kann jeder einzelne für den Klimaschutz tun“. Was wäre das denn?

Schlagheck: Für uns ist wichtig, den Leuten zu vermitteln, dass sie eine Fülle von Möglichkeiten haben, einen Beitrag zu leisten und Energie zu sparen. Vom Konsum der Lebensmittel und ihrer Verpackung über Heizung und Dämmung des Hauses bis hin zu Mobilität und der Reduzierung von CO2 und Methan.

Beim Klimatag gibt es zum ersten Mal eine Schülerkonferenz. Was sind die Themen?

Schlagheck: Die Schüler sollen sich auf drei Themen konzentrieren: Mobilität – Müssen wir jeden Morgen zur Schule gebracht werden? Konsum – Ist es heute mit Markenklamotten noch wie vor zehn Jahren? Energieeffizienz bei der Nutzung sozialer Medien – Wie steht es darum?

Wie steht es denn darum?

Schlagheck: Die intensive Nutzung sozialer Medien ist nicht zum energetischen Nulltarif zu haben. In den vergangenen zehn Jahren ist der Energieverbrauch weltweit um rund zehn Prozent gestiegen. Natürlich können die Schüler sagen: „Mit dem Thema möchte ich mich gar nicht beschäftigen, weil das doch mein Lieblingsding ist, und da will ich mich nicht einschränken.“ Wir müssen es aber. Wenn ich Fridays for Future als Bewegung ernst nehme – was ich tue –, muss ich die jungen Leute auch fragen, wo sie ihren Beitrag leisten. Ein Mitglied unserer Gruppe hat das in einem offenen Brief an die jungen Aktivisten formuliert.

Was motiviert Sie, sich seit zwölf Jahren ehrenamtlich als Gruppenleiter zu engagieren?

Schlagheck: Ich möchte von meinen Enkelkindern nicht eines Tages gefragt werden: „Opa, wo warst du eigentlich, als es noch möglich gewesen wäre, uns die Folgen des Klimawandels einigermaßen erträglich zu gestalten?“ Denn wir werden die Auswirkungen des Klimawandels nicht mehr wegbekommen, wir werden sie nur erträglich gestalten können. Dann will ich wenigstens sagen: „Ich hab’s versucht.“

Die Bürgermeister der linksrheinischen Kommunen haben den Klimanotstand mit der Begründung abgelehnt, es werde schon viel getan. Sehen Sie das auch so?

Schlagheck: Ich hätte das politisch anders gehandhabt. Der Klimanotstand ist ein Begriff, den ich nicht teile. Man hätte auch sagen können, was sollen wir uns über den Begriff Klimanotstand streiten – unsere Aufgabe ist es zukünftig, jede Investition, die für den Klimaschutz bedeutsam ist, besonders herauszuarbeiten und Maßnahmen, die klimaschädlich sind, zu vermeiden. Dann hätte man den Begriff Klimanotstand nicht gebraucht.

Ich muss noch mal genauer nachfragen. Die Begründung war, dass schon viel getan wurde...

Schlagheck: Das stimmt, es ist viel getan worden. Aber es ist von Kommune zu Kommune unterschiedlich. Ich hätte mir gewünscht, dass die vielen Einzelmaßnahmen zu einem Gesamtkonzept zusammengefasst worden wären wie in einem Bauchladen.

Sind Elektroautos wirklich die Lösung für unser Mobilitätsproblem?

Schlagheck: Ich meine nicht. In der Projektgruppe haben wir zwei Standpunkte dazu: Es wird verdammt schwer, die Infrastruktur, Ladesäulen, für Millionen von E-Autos zu schaffen. Auf der anderen Seite: Wenn wir denn so viele E-Autos haben wie politisch gewünscht, wo kommt dann der Strom her? Aus erneuerbaren Energien? E-Autos mit Kohlestrom zu fahren, wäre gar nicht vertretbar. Deswegen geht die Entwicklung auch in Richtung Brennstoffzellen mit Wasserstoff.

Plastik ist der neue Feind beim Einkaufen. Ist der Umwelt damit geholfen, stur sämtliches Plastik durch andere Materialien zu ersetzen?

Schlagheck: Nein, wir müssen ohne Verpackungsmaterialien auskommen. Im Bereich der Verpackung haben wir gerade eine allgemeine Aufbruchstimmung: Es muss anders werden, aber wie das im Einzelnen, vor allem bei sensiblen Produkten wie Fleisch passiert, ist derzeit in vielen Forschungsvorhaben in der Untersuchung.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Region beim Klimaschutz?

Schlagheck: Eine noch intensivere Zusammenarbeit der Kommunen. Bei den großen Themen wie Investitionen und Ausweisung von Bau- und Gewerbegebieten sollte der Klimaschutz gleich am Anfang stehen. Das bedeutet eine Absprache der Kommunen – auch mit der Stadt Bonn , damit nicht der einzelne Investor von einer Kommune zur anderen läuft und guckt, wo er das Grundstück am günstigsten kriegt. Der zweite Wunsch ist der an die Mitbürger, mehr zu tun und nicht auf andere zu warten.