Kramp-Karrenbauer bei Bundeswehr: Bund will Rheinbach mit 23 Millionen Euro fördern

Kramp-Karrenbauer bei Bundeswehr : Bund will Rheinbach mit 23 Millionen Euro fördern

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer war am Montag zu Gast im Cyber- und Informationsraum der Bundeswehr in Rheinbach. Ihr kurzfristig angekündigter Besuch soll Aktivität der Bundeswehr demonstrieren.

Drei Dutzend Monitore sind wie in einem Hörsaal auf Furnierholztischen platziert. An der Stirnwand vier Uhren verschiedener Zeitzonen. Auf den großen Bildschirmen darunter hat jemand grüne und blaue Graphen eingeblendet und ein rundes Logo mit einer Weltkugel und der Aufschrift „Cyber- und Informationsraum“. Es sind Elemente, die auf einem Pressefoto modern und nach ständiger Aktivität aussehen. Bilder, die zeigen sollen, dass die Bundeswehr gegen Online-Kriminelle, Terroristen und verdeckt operierende fremde Staaten alles im Griff hat. „Machen Sie schöne Bilder“, sagt Oberst Christian Pawlik, Kommandeur des Zentrums Cyber-Operationen. Auf der Fensterbank grünen derweil ein paar Zimmerpflanzen.

„Ich befinde mich heute – wenn Sie so wollen – bei der Zukunft der Bundeswehr“, sagt Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) am Montagmittag, nachdem sie das „Network Operations Center Basis Inland“ in der Tomburg-Kaserne in Rheinbach wieder verlassen hat. Hier am Standort sind seit rund 18 Monaten die Fähigkeiten der Bundeswehr zur Umsetzung militärischer Operationen im Internet und in fremden Netzen im Zentrum Cyber-Operationen gebündelt. Es ist Teil der neuen Teilstreitkraft Cyber- und Informationsraum.

Im Jahr 2017 hatte sich die Bundesregierung entschieden, der Sicherheit der Bundeswehrnetze mit der Bündelung von Kompetenzen mehr Aufmerksamkeit zu schenken und gleichzeitig die Truppe auch zu eigenen Störaktionen in fremden Netzen in die Lage zu versetzen. Dafür gibt es einen handfesten Grund: Nach Angaben der Bundeswehr gab es allein 2017 rund 200 000 Angriffe auf Bundeswehr-Server. In 8000 Fällen sei nur mit aktivem Gegensteuern ein Eindringen verhindert worden.

23 Millionen Euro für Rheinbach

„Die Gesellschaft verändert sich mit der Digitalisierung und damit auch die Art und Weise, wie unser Staat angegriffen wird und wie wir darauf als Bundeswehr reagieren müssen“, sagt die Ministerin  in die Fernsehkameras. Auch ihr kurzfristig angekündigter Besuch soll – wie die Graphen auf den Bildschirmen – Aktivität demonstrieren. Kramp-Karrenbauer gratuliert ihrer Vorgängerin Ursula von der Leyen zu deren Entscheidung. Und will natürlich selbst etwas beitragen: 23 Millionen Euro werde der Bund im kommenden Jahrfünft am Standort Rheinbach in neue Infrastruktur investieren, kündigt die Ministerin an.

Die wohl größte Herausforderung ist indessen eine drängende Personalfrage. Rar sind die Spitzenkräfte, die den neuesten Tricks professioneller staatlicher Hacker etwas entgegensetzen können. Der Staat ist für viele der Umworbenen nicht die erste Wahl, auch wenn die Bundeswehr im Internet „das innovative und attraktive Arbeitsumfeld“ des Kommandos bewirbt.

Die meisten derzeit eingesetzten Experten wie Oberstabsfeldwebel Stefan – Nachnamen wollen die Presseoffiziere nicht in der Zeitung lesen – haben ihr Handwerkszeug bei der Truppe selbst gelernt und wurden aus verschiedenen anderen Abteilungen zusammengezogen. „Von 30 Dienstjahren waren sicher 15 ständige Fortbildung“, erzählt er. Mit diesem Wissen warten er und seine Kameraden beispielsweise gepanzerte Fahrzeuge, die in Mali oder Afghanistan Bundeswehr-Konvois vor der Detonation funkgesteuerter Sprengsätze schützen sollen.

Mit neuen Laufbahngruppen und besserer Besoldung für IT-Kräfte wolle die Bundeswehrführung künftig als Arbeitgeber attraktiver werden, verspricht die Ministerin. Mit diesem Engagement stehe Deutschland nach den üblichen „Kinderkrankheiten“ inzwischen im europäischen Vergleich „an der Spitze der Bewegung“, sagt Kramp-Karrenbauer.

Was sie konkret im „Network Operations Center“ tun, bleibt am Montag ein Geheimnis der Ministerin. Die Journalisten müssen bei der Erklärung draußen warten. Und interessieren sich eigentlich auch nur das Groko-Streittehma Nummer eins, die Grundrente. Es gebe noch eine Reihe offener Fragen, deren Lösung mehr als einer Sitzung bedürfe, sagt die CDU-Chefin wolkig.

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