Rheinbacher Literaturpreis: Glasdolch geht an Wolfgang Schorlau

Rheinbacher Literaturpreis : Glasdolch geht an Wolfgang Schorlau

Aller guten Dinge sind drei: So oft wurde der Rheinbacher Glasdolch nämlich inzwischen verliehen. Der Dritte im Bunde ist nun Krimiautor Wolfgang Schorlau, der den Preis am Dienstagabend entgegennahm.

Ein bisschen angeschlagen ist Wolfgang Schorlau schon. Doch die Verleihung des Rheinbacher Glasdolchs wollte der Krimi-Autor auf keinen Fall verpassen.  Nach Val McDermid, der ihn im vergangenen Jahr bekommen hatte, ist Schorlau der dritte Träger dieses noch recht jungen Preises. Das wird schon irgendwie gehen, den Antibiotika sei Dank.

Und so betritt der 68-Jährige an diesem Dienstagabend krank die Bühne der Aula des Erzbischöflichen Gymnasiums St. Joseph, im Geiste begleitet von der Hauptfigur seiner Bücher, dem Ermittler Georg Dengler. Er wird die Auszeichnung der Jury der Rheinbacher Krimiautoren und -verkäufer entgegennehmen – und dem neugierigen Publikum ein paar Wahrheiten über die Griechenland-Krise offenbaren. Denn Schorlau will nicht nur unterhalten, sondern stets auch informieren, aufklären und sensibilisieren für so manche schmutzigen Geschäfte in der deutschen und der internationalen Politik.

Wolfgang Schorlau neuster Roman: „Der große Plan“

In Rheinbach liest Schorlau, dessen Bücher zum Teil bereits verfilmt wurden und im ZDF zu sehen waren, aus seinem aktuellen Roman „Der große Plan“, in dem unter anderem die vermeintliche Griechenland-Rettung im Fokus steht. „Ich versuche, im Rahmen eines Kriminalromans nicht so einfach zu durchschauende politische oder gesellschaftliche Zusammenhänge zu erklären, so dass jeder sie versteht“, betont Schorlau.

Angesichts der Komplexität des Themas kommt die Handlung allerdings zumindest in den dargebotenen Passagen etwas kurz und der Autor ins Dozieren: Er erläutert die schier unvorstellbare Marktmacht von Derivaten, berichtet von einem Treffen von 14 Finanzmagnaten, die auf eine Abwertung des Euros wetten und kritisiert die zum Teil unmenschlichen Maßnahmen der Troika.

Warum er letzteres allerdings aus dritter Hand vermittelt, von einer sich in Details verlierenden Nebenfigur berichtend, statt seine Haupt- und Identifikationsfigur unmittelbar mit dem Leid der griechischen Bevölkerung zu konfrontieren, erschließt sich nicht so ganz. An anderer Stelle beschreibt er dagegen ausgiebig die genitalen Bräunungsversuche eines Solariumsbesuchers und baldigen Mordopfers. Das Publikum ist dennoch begeistert von den Ausführungen Schorlaus und scheut sich auch nicht, ihm dies in der Pause mitzuteilen.

Schorlau sucht den „Spagat zwischen Wahrhaftigkeit und Glaubwürdigkeit“

Unzweifelhaft ist, dass Schorlau zu recherchieren versteht. Daran lässt auch der GA-Journalist und Romanautor Wolfgang Kaes im Podiumsgespräch mit dem Preisträger keinen Zweifel. Die Hintergrund-Informationen stimmen – darauf legt Schorlau selbst den größten Wert. „Manchmal reicht es schon, die richtigen Fakten darzulegen“, sagt er, während er zugleich den „Spagat zwischen Wahrhaftigkeit und Glaubwürdigkeit“ (so Wolfgang Kaes) zu meistern versucht.

„Wenn ich das, was ich über den NSU herausgefunden habe, als Fiktion schreibe, halten das alle für übertrieben“, erklärt er mit Blick auf seinen nicht unumstrittenen achten Dengler-Roman, „selbst wenn ich dabei aus den realen Akten zitiere“. Doch irgendwie gelingt es ihm immer, das schriftstellerische Dilemma zu lösen, „und das mit stetig steigender Qualität und großem Erfolg“, betont der Verleger Winrich C.-W. Clasen in seiner Laudatio. Clasen ist einer der Initiatoren des Preises. Gemeinsam mit dem Buchhändler Christoph Ahrweiler überreicht er schließlich den von den Lehrkräften der Glasfachschule gefertigten Dolch, der Schorlau und Dengler auch in Zukunft dazu ermutigt, weiter zu ermitteln.

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