Brückenhofmuseum in Oberdollendorf: Bürger feiern beim jüdischen Laubhüttenfest mit mulmigem Gefühl

Brückenhofmuseum in Oberdollendorf : Bürger feiern beim jüdischen Laubhüttenfest mit mulmigem Gefühl

Nach dem Anschlag von Halle bleiben manche dem jüdischen Laubhüttenfest in Oberdollendorf fern.

Wir schreiben das Jahr 2019 und im Brückenhofmuseum in Oberdollendorf fällt folgender Satz: "Es war tatsächlich einigen Bürgern zu mulmig zu Mute, um heute hier unser jüdisches Laubhüttenfest zu besuchen." Gabriele Wasser, Mitgründerin des kleinen jüdischen Museums im Brückenhofmuseum, begrüßte mit diesem Satz die Besucher des traditionellen jüdischen Festes.

Einige Bekannte hätten ihr von der Angst erzählt, die sie nun wenige Tage nach dem rechtsextremistischen Anschlag auf die Synagoge in Halle/Saale an jüdischen Feiertagen beschleiche. Der Anschlag wurde am höchsten und heiligsten jüdischen Feiertag, dem Jom Kippur, verübt. "Viele Menschen jüdischen Glaubens fühlten sich nun an solchen Tagen zu Hause sicherer", sagte Wasser. Jom Kippur ist das Versöhnungsfest der Juden. Der ernste Charakter, der diesen Tag prägt, hat sich bis heute erhalten. Der Feiertag fiel in diesem Jahr auf den 9. Oktober.

Das nachfolgende Laubhüttenfest, eine Art Erntedankfeier, sei allerdings ein ausdrücklich fröhliches Fest, erklärte Wasser. "Das lassen wir uns auch nicht nehmen", waren sich viele Besucher einig. Gemeinsam mit ihrem Mann Eli Harnik hatte die Initiatorin des kleinen jüdischen Museums das "Sukkot", wie das Laubhüttenfest auf Hebräisch heißt, vorbereitet. Im Innenhof des Brückenhofmuseums waren Pavillons aufgebaut, die mit bunten Blättern ausgeschmückt waren. Darin konnten die Gäste sitzen.

Am Eingang war ein Buffet mit jüdischen Speisen und Getränken aufgebaut. Leckereien wie Datteln, Falafel, Tomaten-Burekas, Bulgur-Taler oder Honigkuchen standen für den gemeinsamen Festschmaus bereit. "Das Laubhüttenfest soll uns bewusst machen, wie schnell Wohlstand vorbei sein kann. Das kann von einer auf die andere Minute passieren, wie wir täglich in der Welt erleben", sagte Wasser.

Bei dem Fest durfte auch der Festtagsstrauß nicht fehlen. Er wurde aus Palmen-, Myrte- und Bachweidenzweigen sowie dem Etrog, einer zitronenartigen Frucht, gebunden. Harnik erläuterte, die vier unterschiedlichen Pflanzen stünden auch für die unterschiedlichen Menschentypen. Es sei wichtig, den Strauß "der vier Arten" in alle Himmelsrichtungen zu schwenken, erklärte er das Ritual.

Zum Höhepunkt des Festes spielten Epstein's Klezmer Tov fröhliche Musik. "Sie sollen mitschwingen, mittoben und mittanzen", forderte der Geiger und Gründer des Ensembles, Igor Epstein, die Besucher auf. Das ließen sich diese nicht zweimal sagen, und weil zur guten Stimmung auch der Sonnenschein beitrug, wurde es noch ein fröhliches Fest.

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