Ausstellung im Siebengebirgsmuseum: Was seit 1969 in Königswinter und der Welt geschah

Ausstellung im Siebengebirgsmuseum : Was seit 1969 in Königswinter und der Welt geschah

Was seit 1969 in Königswinter und der Welt geschah zeigt die neue Fotoschau „50 Jahre - 50 Bilder“ im Siebengebirgsmuseum in Königswinter. Bei vielen Besuchern weckt die aktuelle Ausstellung persönliche Erinnerungen.

Fotos erzählen Geschichten: vom Hochwasser 1970 in Niederdollendorf, von der Überreichung des "Europa-Diploms" für das Siebengebirge, von einem Udo-Lindenberg-Konzert 1988 im Peter-Breuer-Stadion, von Bürgerprotesten gegen den Bau der ICE-Strecke 1989. Die aktuelle Ausstellung im Siebengebirgsmuseum weckt bei vielen Besuchern auch persönliche Erinnerungen. Unter dem Titel "50 Jahre - 50 Bilder" lässt sie die Entwicklung der Stadt Königswinter seit ihrer Entstehung 1969 in herausragenden und alltäglichen Momentaufnahmen Revue passieren.

Ausstellungskurator Ansgar Klein und Museumsleiterin Sigrid Lange haben die Fotografien aus einem reichen Fundus ausgewählt. "Es waren unzählige Bilder, die uns zur Ansicht überlassen wurden oder die wir in verschiedenen Archiven gefunden haben", berichtete Lange über die Vorbereitungsarbeit zu der Ausstellung. Das wichtigste Kriterium sei die Darstellung des Facettenreichtums der Stadt in allen Ortsteilen gewesen. Dabei habe sich eine enorme motivische Vielfalt ergeben - und die fächert sich wie ein großes Erinnerungsalbum auf.

Zur Einstimmung auf die Schau gibt eine Tafel im Eingangsbereich einen bunten Querschnitt über die Weltereignisse 1969: Richard Nixon wird in jenem Jahr US-Präsident, in der Bundesrepublik wird Gustav Heinemann Bundespräsident und Willy Brandt Bundeskanzler. In Berlin wird der Fernsehturm eröffnet, in Bonn der Lange Eugen, im Fernsehen flimmert erstmals "Der Kommissar" über den Bildschirm. In den USA findet das Woodstock-Festival statt und es gibt Massendemonstrationen gegen den Vietnamkrieg. Das Spaghettieis wird erfunden, der erste Boeing 747 Jumbo-Jet hebt ab.

Viele Bewohner fühlten sich um ihre Eigenständigkeit gebracht

Und was passiert in Königswinter? Das "Gesetz zur kommunalen Neuregelung des Bonner Raumes" führt in Königswinter kleine Ortsgemeinden zu einer Stadt zusammen. Die Anliegen der Bürger sollten dadurch besser wahrgenommen werden können, hieß es damals. Indes fühlten sich viele Bewohner der mehr als 80 Orte und Ortsteile, die sich auf die Gemeinden Ittenbach, Königswinter-Altstadt, Oberdollendorf, Niederdollendorf, Heisterbacherrott, Oberpleis und Stieldorf verteilten, um ihre Eigenständigkeit gebracht. Die neue Gesetzgebung samt ihren Folgen war ihnen suspekt. Das Bild, das bei der Sitzung des neuen Stadtrates 1969 entstand, spiegelt die Stimmung: Erwartungsvolle, fragende und nachdenkliche Gesichter blicken in die Runde.

Und doch - das belegt die Ausstellung auf einfühlsame Weise - ist gelungen, was vor 50 Jahren nicht unbedingt möglich schien: Königswinter ist zusammengewachsen. Die Menschen haben sich angenähert, die Stadt stiftet Identität in vielen liebgewonnenen Details. Fotos zeigen die Situation beim Hochwasser 1970 in Niederdollendorf, dokumentieren die Überreichung des "Europa-Diploms" für das Siebengebirge und den Bau und Betrieb einer Kläranlage. Der Kampf der Bürger gegen die geplante ICE-Trasse 1989 ist ebenso wiederzufinden wie das markante "Gesicht" eines Trafo-Häuschens am Rhein, das heute jeder Spaziergänger kennt. Ein Ölunfall auf dem Rhein wird in Erinnerung gerufen auch die Afghanistan-Konferenz auf dem Petersberg 2001.

Ein Aprilscherz in Königswinter

Und Humor hat seinen Platz, wie der große Steinbrocken, der als Meteorit in Königswinter eingeschlagen sein soll - ein Aprilscherz. Die Reproduktion eines Werbeplakats zu einem Konzert, das Udo Lindenberg 1988 im mäßig besuchten Peter-Breuer-Stadion gegeben hat, zieht die Besucher in den Bann. Und jeder kann unter dem Motto "Was sonst noch geschah zwischen 1969 und 2919" in einem Gästebuch eigene Erinnerungen niederschreiben.

Die Ausstellung im Siebengebirgsmuseum, Kellerstraße 16 in der Königswinterer Altstadt, ist bis zum 17. November zu sehen. Mehr auf www.siebengebirgsmuseum.de

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