Verschönerungsverein für das Siebengebirge: Wald in schlechtem Zustand

Abschied von der Fichte im Siebengebirge : Verschönerungsverein zieht Bilanz und schaut voraus

Der Verschönerungsverein für das Siebengebirge schwankte auf seiner Mitgliederversammlung zwischen Feierlaune und Katerstimmung. Das Jubiläumsjahr rückt näher, zugleich ist der Wald in einem schlechten Zustand.

Der schlechte Zustand des Waldes war ein Hauptthema bei der Mitgliederversammlung des Verschönerungsvereins für das Siebengebirge im Arbeitnehmerzentrum. Auch standen Vorstandswahlen und das Programm für das Jubiläumsjahr an. Der VVS wird 150 Jahre alt.

Vorstandswahl: Hans Peter Lindlar wurde von den rund 80 anwesenden Mitgliedern für drei Jahre als Vorsitzender wiedergewählt. "Ich habe 2012, als ich das Amt übernommen habe, gesagt, ich mache das zehn Jahre", kündigte der ehemalige Regierungspräsident seine letzte Amtsperiode an. Bis dahin will er "Volldampf" geben. Als stellvertretender Vorsitzender wurde Gerhard Müller wiedergewählt. Als Beisitzer wurden Brigitte Kohlhaas, Helmut Stahl, Holger Willcke und Claudia Horn bestätigt. Neu als Beisitzer sind Jörg Bertram, Willi Fuchs und Thomas Deckert. Der frühere Landrat Frithjof Kühn erhielt nicht genug Stimmen.

Waldbericht: Revierförster Marc Redemann konnte über den VVS-Wald nichts Besseres berichten als seine Kollegen zurzeit an anderen Orten. Dem Verein gehören 850 Hektar im zentralen Siebengebirge. 524 Hektar sind seit dem Jahr 2010 als Wildnisgebiet ausgewiesen. "Das Totholz durch drei große Stürme und die trockenen Sommer führt zu einer Massenpopulation des Borkenkäfers", sagte Redemann. Die Fichte sei ein Auslaufmodell und werde sich aus dem Siebengebirge verabschieden. Betroffen seien rund 80 Hektar oder 40 000 Festmeter Fichtenwald, wobei ein Festmeter etwa einem Baum entspricht. Bisher wurden 6000 Festmeter entnommen und verkauft. "In unserem Wirtschaftswald können wir die Fichten leider nur noch beerdigen und den Boden vorbereiten, damit wir wieder neu pflanzen können", sagte er. Das Ziel sei die Schaffung klimastabiler Wälder durch Mischwald. "Wir können dabei die Fichten nicht stehen lassen." Gut nachzuvollziehen ist das besonders an der L 331 zwischen Ittenbach und der Margarethenhöhe, wo der Wald zum Teil komplett verschwunden ist.

Anders sieht es im Wildnisgebiet aus. "Dort lassen wir die Fichten stehen. Sie werden nur entnommen, wenn sie sich in der Nähe von Wegen befinden und dort für Gefahr sorgen", so Redemann. Doch nicht nur der Fichtenwald ist in einem katastrophalen Zustand. Bis zu 95 Prozent der Eschen werden durch den Befall durch einen Pilz mit dem Namen "Falsches Weißes Stengelbecherchen" absterben. Auch die im Siebengebirge weit verbreiteten Buchen sind zum Teil durch Pilze auf ihrer Rinde befallen. Das Buchensterben wird durch die Trockenheit der vergangenen beiden Jahre beschleunigt. "Der Zustand des Waldes ist wirklich bedenklich", sagt Redemann. Hauptsächlich verantwortlich seien unter anderem die Globalisierung mit der Ausbreitung invasiver Arten und der Klimawandel.

Jubiläum: Am 4. Dezember 1869 fand beim Kölner Regierungspräsidenten ein Vorgespräch über die Gründung eines Vereins zur Erhaltung und Erschließung des Siebengebirges statt. Am 4. Dezember 2019 möchte der VVS daher mit einer hochkarätig besetzten Diskussionsrunde im Königswinterer Hof einen ganzen Reigen von Veranstaltungen zu seinem 150-jährigen Bestehen eröffnen. Regierungspräsidentin Gisela Walsken hat die Schirmherrschaft übernommen, wie Lindlar bei der Versammlung berichtete.

Weitere Höhepunkte des Feierjahres sollen die festliche Mitgliederversammlung am 19. Juni im Bad Honnefer Kursaal, die Eröffnung des VVS-Wildnisweges am 5. September und eine Ausstellung über die VVS-Geschichte vom 20. September bis 31. Oktober im Haus Bachem werden. Auch der GA-Wandertag könnte aus Anlass des Jubiläums am 27. September im Siebengebirge stattfinden.

In seinem Festjahr möchte der Verein zudem 150 neue Mitglieder gewinnen. Zurzeit sind es 1670. Auch ist geplant, für jedes neue Mitglied einen Baum zu pflanzen. Am 26. März soll zusätzlich ein Jubiläumsbaum in der Nähe der Hirschberg-Hütte gepflanzt werden. Auf Tradition setzt der VVS auf dem Oelberg: Der Pachtvertrag mit der Familie Prinz für das Gasthaus wird bis zum 31. Dezember 2035 verlängert.