Bundeskanzler-Adenauer-Haus in Rhöndorf: Vortrag über die Uni zu Köln

Vortrag in Bad Honnef : Historikerin sieht Adenauer als Vater der Uni Köln

Die Historikerin Heidrun Edelmann sieht den damaligen Kölner Oberbürgemeister Konrad Adenauer in ihrem Vortrag im Bundeskanzler-Adenauer Haus in Bad Honnef-Rhöndorf als Spiritus Rector der Universität zu Köln.

Der Mann hat Nerven im Spätherbst 1918. Deutschland liegt am Boden. Fast jede Familie beklagt mindestens einen Kriegstoten. Hunderttausende sind verletzt, Millionen hungern. Und die Stadt Köln steht angesichts französischer Forderungen nach Besitzabtretungen des linken Rheinufers vor einer ungewissen Zukunft.

In diesen Tagen des Umbruchs reist Kölns Oberbürgermeister Konrad Adenauer am 19. Dezember 1918 ins revolutionäre Berlin, um der neuen Regierung die Umwandlung der Kölner Handelshochschule in eine städtische Universität vorzuschlagen. Ohne Mehrkosten für den Staat, versteht sich. Als akademisches Bollwerk gegen separatistische Interessen.

Nach der Gründung ein hal­bes Jahr später wird derselbe Oberbürgermeister die Aussöhnung mit den Staaten Westeuropas, allen voran Frankreichs, zu einer Hauptaufgabe der Hochschule erklären und ein deutsch-französisches Institut gründen. Ohne Konrad Adenauer würde es die neue Universität zu Köln heute nicht geben, ist die freie Kölner Historikerin Heidrun Edelmann überzeugt. Engagierte Bürger hätten dabei, anders als häufig kolportiert, praktisch keine Rolle gespielt. Im Wirtschaftsbürgertum und der katholischen Zentrums-Partei gab es sogar Widerstände.

Rolle der Familie Adenauer im Mittelpunkt

In einem Buch hat Edelmann die Rolle der Familie Adenauer in der Geschichte der Universität ausführlich beleuchtet. Ihre zentralen Erkenntnisse stellte sie jetzt bei der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus in Rhöndorf vor.

Der damals erst 42 Jahre alte Adenauer habe die Gunst der revolutionären Stunde erkannt und sich - auch mit Rechentricks bei der Budgetierung - Mehrheiten gesichert.

Trotz der Geldnot entstand die Hochschule als kommunale Einrichtung zunächst ohne preußischen Zuschuss. Dafür habe Adenauer in einem Förderverein einflussreiche Sponsoren in einem exklusiven Zirkel an sich gebunden und einen blühenden Handel mit akademischen Ehrentiteln betrieben.

Kölner Politik beklagte Bedeutungsverlust

Der Ausdruck „Man kennt sich und man hilft sich“ ist von ihm überliefert. Nur bei Berufungen habe er - sehr zum Ärger der Katholiken - als Vorsitzender des Hochschul-Kuratoriums nicht “nach Gesangbuch“ entschieden, sondern nach Kompetenz. Der Erfolg der Neuen Universität übertraf rasch alle Erwartungen und riss große Lücken in den Kulturetat des Stadthaushalts. Trotz erster Versuche gelang es Adenauer nicht mehr, für Abhilfe in Form staatlicher Zuschüsse zu sorgen. Das war nach dem Krieg seinem Sohn Max vorbehalten, der 1953 Oberstadtdirektor in Köln wurde. Nachdem der Hochschulbetrieb schon zwei Jahre später ein Zehntel der Gewerbesteuereinnahmen verschlang, erwirkte er 1960 einen Staatsvertrag mit dem Land Nordrhein-Westfalen. Cousin Ludwig Adenauer war praktischerweise Staatssekretär im Kulturministerium. Die Uni wurde zur Hochschule des Landes.

Zwar beklagte die Kölner Politik ihren Bedeutungsverlust, hat sie doch seither in den Hochschulgremien nichts mehr zu sagen. Aber mit dem Vertrag sei “ein Kollaps des städtischen Kulturhaushalts“ abgewendet worden, betonte Heidrun Edelmann.

Das Buch Die Adenauers und die Universität zu Köln ist im Böhlau Verlag erschienen, 393 Seiten, 35 Euro

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