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Kommentar zum Kommando Spezialkräfte: In der Braunzone

Kommentar zum Kommando Spezialkräfte : In der Braunzone

Das Kommando Spezialkräfte, kurz KSK, ist eine eingeschworene Einheit. Eine Truppe in der Truppe, leider teilweise mit rechtsextremer Gesinnung. Annegret Kramp-Karrenbauer kehrt nun mit eisernem Besen, kommentiert unser Autor.

Eine besondere Truppe. Mit besonderen Fähigkeiten. Mit besonderer Ausbildung. In besonderen Einsätzen. Kommando Spezialkräfte, kurz: KSK. Eine eingeschworene Einheit, ein geschlossenes System. Eine Truppe in der Truppe, leider auch mit einer besonderen – jedenfalls in Teilen – rechtsextremen Gesinnung. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer kehrt nun mit eisernem Besen. Der KSK-Stall wird ausgemistet. Die Ministerin lässt eine Kompanie auflösen, der Rest der Eliteeinheit steht bis auf weiteres unter verschärfter Beobachtung. Die Ausbildung wird reformiert. Kramp-Karrenbauer und ihr Generalinspekteur Eberhard Zorn wollen das KSK aus der Braunzone holen.

In eine besondere Truppe muss ihre Ministerin, ebenso die militärische Führung, auch besonderes Vertrauen haben. Nicht nur in deren militärische Höchstleistung, die unstrittig sein dürfte, sondern auch in Geist und Gesinnung. Geburtstagsfeiern mit Hitler-Gruß, eine Nähe von Soldaten zur identitären Bewegung, zahlreiche KSK-Kämpfer unter Rechtsextremismus-Verdacht -- das geht gar nicht. Und dann noch der beunruhigende Schwund von 48 000 Schuss Munition und 62 Kilogramm Sprengstoff beim KSK. Material für ein geheimes Waffenlager, für einen sinisteren Plan? Nein, so durfte und so konnte es nicht weitergehen. Eine Truppe mit einem hoch gefährlichen Eigenleben, die dringend unter wirksame Kontrolle gestellt werden muss. Der Militärische Abschirmdienst (MAD), der extremistische Umtriebe jeder Art in der Bundeswehr rechtzeitig erkennen und Verdächtige melden soll, hatte im Falle des KSK offenbar ein Leck in den eigenen Reihen. Der ungeheuerliche Vorwurf: MAD-Mitarbeiter sollen Ermittlungsinterna an KSK-Kameraden weitergegeben haben, um diese zu warnen.

Jetzt steht und kämpft das KSK bis auf weiteres unter Bewährung. Keine Frage: Deutschland braucht Spezialkräfte. Eine Lage, in der die Bundesregierung bei Belgien anfragen muss, ob deren Fallschirmjäger – wie 1994 geschehen -- deutsche Staatsbürger aus Ruanda befreien könnten, kann und will ein Land wie Deutschland nicht noch einmal erleben. Doch überhöhter Patriotismus ohne Bekenntnis zum Grundgesetz muss ein Ausschlusskriterium für jeden physisch noch so fähigen Soldaten bleiben und früher erkannt werden. Kramp-Karrenbauer will jetzt beim KSK aufräumen. Sie muss es gründlich tun. Und die Eliteeinheit neu aufstellen.