Europäischer Tag der Restaurierung: So arbeiten die Restauratoren im Landesmuseum Bonn

Europäischer Tag der Restaurierung : So arbeiten die Restauratoren im Landesmuseum Bonn

Das Rheinische Landesmuseum Bonn des Landschaftsverbandes Rheinland öffnete am Europäischen Tag der Restaurierung die Tore zu seinen Werkstätten. Einblick bekamen Besucher unter anderem in die Arbeit von Restauratoren und Volontären.

In einem großen Museum ein berühmtes Gemälde restaurieren, wie es derzeit in Amsterdam mit Rembrandts "Nachtwache" passiert - wäre das nicht der Traum eines jeden Restaurators? Katharina Liebetrau winkte ab. "Ich möchte nicht über Monate von Kameras beobachtet restaurieren müssen", meinte sie. Sie gehe lieber in ihrer Werkstatt im LVR-Museum ihrer Arbeit nach: Dort restauriert oder konserviert sie Gemälde und Holzskulpturen. An Tagen wie dem Sonntag führe sie gerne mal Besuchergruppen durch die Bereiche des Museums, die man sonst nicht zu sehen bekommt, aber mehr Öffentlichkeit müsse nicht sein.

Die im Umbau befindliche Einrichtung ermöglichte den Zugang zu diesen heiligen Hallen im Rahmen des Europäischen Tages der Restaurierung. Angeboten wurden Führungen in die Archäologie, wo Susanne Domke die Arbeit an Knochen aus einem jungsteinzeitlichen Grabfund vorstellte, sowie ins Labor, wo Studentin Marina Gebhard ihre Untersuchung einer römischen Glasflasche mit Emaille-Bemalung erläuterte, sowie in die Gemäldewerkstatt. Dort ist auch Mariana Zell tätig, die nach abgeschlossenem Masterstudiengang in München ein zweijähriges Volontariat im LVR-Museum absolviert.

Sie arbeitet an der Wiederherstellung eines Gemäldes von Barthel Bruyn, "Die Versuchung Christi" aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, wozu auch die Firnisabnahme gehört. Firnis ist eine Schutzschicht aus Naturharz, die damals gängige Praxis bei Malern war. Sie könne altern und bräunen, erklärte Liebetrau. Deshalb müsse eine solche Schicht vorsichtig entfernt werden, bevor man weitere Beschädigungen beseitigen und das Bild wiederherstellen kann.

Das Wichtigste sei nachhaltige Arbeit, so Liebetrau, durch präventive Konservierung, also dem Schutz des Werkes vor Licht, Feuchtigkeit und anderen Einflüssen, und die praktische Konservierung, also den Erhalt eines Objekts mit allen Alterungszeichen. Die Restaurierung sei der Eingriff ins Werk. "Das Objekt gibt uns vor, was gemacht werden soll", sagte Zell. Für diese Arbeit muss man umfassend ausgebildet sein, in Kunstgeschichte und handwerklichen Fähigkeiten genauso wie in Chemie, Werkstoffkunde und Fotografie. "Das ist klassisch ein Beruf für die, die sich nicht zwischen Theorie und Praxis entscheiden konnten", so Liebetrau. Auch im Keller, in der Röntgenabteilung, machte die Führung Halt. Dort erläuterte Holger Becker, Restaurator für Metallobjekte und Strahlenschutzbeauftragter des Museums, die zwei Anwendungen der Röntgenstrahlen. Zum einen dienen sie zum Durchleuchten von Objekten, die eingepackt und von Erde und Korrosionsschichten umgeben geliefert werden. Wie beim Arzt kann Becker so erkennen, was sich in dem Paket befindet und wo man beim Bearbeiten vorsichtig sein muss. Dieser Schritt diene, um beim Vergleich mit der medizinischen Nutzung zu bleiben, der Diagnose, die interessant für Archäologen und Restauratoren ist.

Die zweite Anwendung wird in der mobilen Röntgen-Fluoreszenz-Anlage (RFA) erledigt. Die Bestrahlung rege die Elemente in einer Matrix an. "Die Anregungsenergie ist für jedes Element definiert." So kann Becker qualitative und quantitative Aussagen über ein Material machen - Hightech, die man in einem Museum nicht unbedingt vermutet, die aber heute für diese Arbeit unerlässlich ist.

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