Kommentar zur Hitze: Siesta in Bonn

Kommentar zur Hitze : Siesta in Bonn

Der Sommer ist mal wieder sehr warm - doch die Deutschen sind nicht auf hohe Temperaturen während der Arbeitszeit eingestellt. GA-Redakteurin Lisa Inhoffen fragt sich, ob eine verordnete Siesta die beste Lösung ist.

Ja, es ist sehr, sehr heiß, und ja, alle sollten große Anstrengungen vermeiden, viel trinken und einen kühlen Kopf bewahren. Und die Kirche im Dorf lassen. Dass die Mitarbeiter der Agentur für Arbeit in Bonn hitzefrei bekommen haben sollen, entpuppte sich im Nachhinein zwar als Missverständnis, wie es der Sprecher ausdrückte. Aber trotzdem hat sein Haus – immerhin ein Dienstleister – am Donnerstag wegen der Hitze früher als gewöhnlich seine Schalter für den Publikumsverkehr geschlossen. Auch das Jobcenter hatte laut einer Pressemitteilung früher zu und gleich das Servicetelefon mit stillgelegt. Gearbeitet worden sei selbstredend trotzdem, heißt es. Das kann man machen, aber kundenfreundlich ist das nicht. Das sollte sich zum Beispiel das Dienstleistungszentrum des städtischen Bürgeramts einmal erlauben. Der Aufschrei unter den Bürgern wäre groß.

Aber was ist, wenn die Hitzeperioden in unseren Breitengraden künftig immer länger andauern – womit laut Klimaexperten zu rechnen ist? Dann sind in der Tat kreative Vorschläge gefragt, wie man bei Bullenhitze in Gebäuden ohne Klimaanlagen noch vernünftig arbeiten kann. Die südlichen Länder machen es vor: In vielen Regionen legen die Büros und Läden im Sommer eine längere Siesta ein und überbrücken so die heißen Mittagsstunden. Ob das Beispiel aber auch bei uns einmal Schule machen wird, ist eher fraglich, da nicht besonders familienfreundlich.

Jetzt ist erst einmal ein Ende der Hitzewelle in Sicht, der Hochsommer soll uns aber erhalten bleiben. Das ist wunderbar. Einen Sommer, der in Wirklichkeit nur ein grün angestrichener Winter ist, wie ihn einst der Dichter Heinrich Heine in seinen Reisebildern beschrieben hat, will doch sicher auch niemand.

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