Am Wochenende: Ein Tag in der Bonner Innenstadt nach der Hitze

Am Wochenende : Ein Tag in der Bonner Innenstadt nach der Hitze

Das Wetter zeigte sich am Wochenende abwechslungsreich in Bonn. Eisverkäufer freuen sich über die derzeitige Abkühlung. Händler denken über Einführung einer Siesta im Hochsommer nach. So erleben Bonner den Sommer bisher.

Nahezu im Stundentakt meldeten die Meteorologen in den vergangenen Tagen neue Hitzerekorde. Mit 40,9 Grad landete Bonn-Roleber an fünfter Stelle der bundesweit heißesten Orte der Hitzewoche. Die Folgen bekamen unter anderem die Einzelhändler zu spüren, denn die Kauflust der Bonner hielt sich angesichts der tropischen Temperaturen in Grenzen. Dafür profitierten die Rheinschiffer vom sonnigen Wetter. Ihre Ausflugsboote waren stets gut besetzt. Am Samstag brachten Regenschauer endlich etwas Abkühlung. Und wieder mehr Kunden in die City. Der GA hat sich an dem Tag in Bonn umgeschaut.

Samstag, 10 Uhr:Auch wenn es nicht mehr ganz so heiß ist, sind in der Innenstadt nur wenige Menschen unterwegs. Mehr Passanten sieht man am Rheinufer, von denen einige auf das bereits gut gefüllte KD-Schiff gehen. In wenigen Minuten wird das Boot in Richtung Linz ablegen. „In den vergangenen Tagen waren unsere Ausflugsangebote sehr gut besucht, trotz der Hitze“, sagt Matrose Philipp Wagner. Wer eine Schiffstour geplant hatte, ließ sich von den heißen Temperaturen nicht abschrecken: „Obwohl es drinnen kühler ist, gab es doch genügend Gäste, die trotz der Hitze aufs Sommerdeck wollten. Gerade bei älteren Menschen macht man sich da schon etwas Sorgen“, sagt Wagner.

10.30 Uhr:Etwa ein Dutzend Personen strömt in den Biergarten am Alten Zoll. Sie gehören einer Reisegruppe an, die einen Tagesausflug nach Bonn unternommen hat. „Wir kommen aus Nordhorn, das liegt ganz in der Nähe von Lingen, dem bundesweit heißesten Ort der Hitzewoche“, sagt Dieter Wolf. An den heißen Tagen seien sie höchstens mal in den Garten gegangen, „jetzt kann man endlich wieder draußen sitzen“. Auch Didar Singh vom Biergarten Am Alten Zoll ist froh, dass die Hitzewelle erst einmal vorbei ist. „An den ganz heißen Tagen waren weniger Besucher hier. Die haben aber dafür statt einer Schorle drei oder vier getrunken“, berichtet Singh.

12 Uhr: Gabriele Müller steht auf dem Münsterplatz und lauscht mit anderen Passanten der Musik des Bläserquartetts „Neva Brass“. Die Musiker kommen zweimal im Jahr aus ihrer Heimatstadt St. Petersburg nach Deutschland und sind in der Bonner Fußgängerzone bereits bestens bekannt. „Wir sind gestern angekommen. Von der Hitzewelle hatten wir schon gehört, bei 40 Grad hätten wir nicht spielen können“, sagt Viacheslav Minnikov. Die Musiker ziehen den ganzen Tag durch die Innenstadt. Fragmente aus verschiedenen Opern, auch Filmmusik und Jazz zählen zu ihrem Repertoire.

13 Uhr: Vor dem Eiscafé La Dolce Vita am Marktplatz bildet sich eine Schlange. Auch hier ist man froh, dass die Temperaturen gepurzelt sind: „Bei 40 Grad kommen auch weniger Kunden ins Eiscafé“, sagt Mitarbeiter Daniel Ottmann. Für sein Team bedeutet dies nicht weniger Arbeit, denn bei 40 Grad muss das Eis aufwendiger geschützt werden: „Dann kommt ein spezielles Glas auf die Eistruhe, um das Eis vor der Wärme zu schützen“, erklärt Ottmann.

15 Uhr: Es ist nicht mehr so schwül wie am Vormittag. Madita Rundmann ist mit einigen Freunden auf dem E-Scooter unterwegs zur Bierbörse. „Wir feiern meinen Geburtstag nach“, sagt Rundmann und freut sich, dass sogar Freunde aus Brasilien zum Feiern nach Bonn gekommen sind. Auf der Bierbörse besucht die Gruppe einige der 85 Stände, an denen sie mit über 700 Biersorten die Qual der Wahl haben. „Im Moment haben wir gerade sehr gutes Bierbörsen-Wetter. Es ist trocken und nicht zu heiß“, sagt Saskia Külzer von der Firma Nolden. Mit Blick gen Himmel ergänzt sie: „Wir hoffen, dass wir auch heute vom Unwetter verschont bleiben.“ Am Freitag sei man von Hitze geplagt gewesen. „Aber angesichts der Wetterumstände waren wir mit den Besucherzahlen sehr zufrieden“, sagt Külzer. Zudem sei man bestens vorbereitet gewesen: „Wir haben einen wesentlich größeren Wasservorrat als sonst für die Festbesucher.“

16 Uhr: Der Deutsche Wetterdienst warnt vor schweren Gewittern und Starkregen in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis. Erste Blitze sind bereits in der Ferne zu sehen. Das Gewitter zieht an Bonn vorbei.

18 Uhr: Das Haus der Geschichte schließt, Barbara Galonska hat Feierabend. Auf die vergangenen Tage zurückblickend meint sie: „An den Hitzetagen hatten wir noch mehr Besucher als an anderen Ferientagen. Rund 2 000 Besucher sind in der Hitzewoche pro Tag gekommen. Viele hätten vorher angerufen und gefragt, ob das Haus klimatisiert sei, was sie bestätigen konnten, berichtet die Empfangsdame im Haus der Geschichte.

20 Uhr: In der Bonner City schließen die letzten Geschäfte. Nach den vorangegangenen Hundstagen war die City wieder stärker belebt. „Die Leute haben wieder Lust zum Bummeln“, sagt Claudia Justen von dem Laden Wunderbar. „Wir Einzelhändler in der Friedrichstraße haben schon überlegt, ob man an so heißen Tagen wie zuletzt eine Siesta einlegen sollte. Man könnte beispielsweise von 10 bis 14 Uhr öffnen, dann für einige Stunden schließen und abends wieder öffnen“, sagt Justen.

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