Hohe Temperaturen: Wie gehen Bonner Arbeitgeber mit der Hitze um?

Hohe Temperaturen : Wie gehen Bonner Arbeitgeber mit der Hitze um?

An der nicht amtlichen Messstation der Uni Bonn kletterte das Thermometer am Donnerstag auf 41,9 Grad. Wegen der andauernden Hitze erwarten die Krankenhäuser zum Wochenende einen Anstieg von Patienten.

Das Thermometer ist in Bonn deutlich über die 40-Grad-Marke geklettert, doch noch geht es in den Bonner Krankenhäusern recht ruhig zu. Verstärkt mit Hitzegeschädigten rechnen die Ärzte aber am Wochenende. Wer an diesen Hundstagen nicht zur Arbeit muss, kann sich glücklich schätzen und ins Freibad gehen. Dafür steht auch das Melbbad wieder zur Verfügung, das nach der erfolgreichen Reparatur an der Stromversorgung der Wasseraufbereitungsanlage seit Donnerstag wieder geöffnet hat.

Für alle anderen, die arbeiten müssen, entwickelt sich der Job dagegen mehr und mehr zur echten Herausforderung. Obwohl Unternehmen und Behörden viele Angebote vorhalten, um das Arbeiten bei der Hitze einigermaßen erträglich zu gestalten. Dass die Mitarbeiter des Arbeitsamtes Bonn am Donnerstag ab 14 Uhr sogar Hitzefrei hatten, wie Pressesprecher Lars Normann noch am Mittwoch dem GA auf Nachfrage erklärt hatte, sei nicht der der Fall gewesen.

Korrektur: Kein Hitzefrei fürs Arbeitsamt

„Natürlich haben unsere Mitarbeiter kein Hitzefrei in dem Sinne, wie es an Schulen gehandhabt wird“, korrigierte sich Normann am Donnerstag. „Das war wohl ein Missverständnis“, ruderte der Sprecher der Bonner Agentur für Arbeit an der Villemombler Straße zurück. Korrekt sei, dass die Agentur für Arbeit, wegen großer Hitze bereits ab 14 Uhr geschlossen hatte. Das habe aber lediglich Auswirkungen auf den Publikumsverkehr gehabt. Man habe den Kunden nicht zumuten wollen, in den aufgeheizten Räumen sitzen zu müssen. Es gebe keine Klimaanlage in dem Bürohaus. Die Mitarbeiter seien nicht nach Hause, sondern ihrer Arbeit nachgegangen, versicherte Normann. Lediglich angemeldete Beratungsgespräche seien durchgeführt worden.

Im Bundesumweltministerium können laut Pressesprecherin Svenja Kleinschmidt an Tagen wie diesen die Vorgesetzten das Ende der Kernarbeitszeit im Einzelfall durchaus auf 13 Uhr vorverlegen. „Das gilt für einzelne Beschäftigte, insbesondere wenn sie wegen Schwerbehinderung, Schwangerschaft oder sonstigen Gründen gesundheitlich besonders unter Hitze leiden.“ Allerdings müssten die Stunden an anderen Tagen nachgearbeitet beziehungsweise ausgeglichen werden. Zudem gebe es bei großer Hitze auch die Möglichkeit des mobilen Arbeitens.

Klimatisierte Einzelbüros und luftige Kleidung

Bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) an der B 9 können die Mitarbeiter bei großer Hitze die frühen Morgen- oder späteren Abendstunden zur Arbeit nutzen. Sprecherin Josefine Fehr weist darauf hin, dass die Kollegen bei Bedarf auch in klimatisierte Einzelbüros und Gemeinschaftsräume umziehen könnten. Und wem es immer noch zu heiß ist, der springt einfach schnell zwischendurch unter einer der Duschen in den GIZ-Gebäuden.

Bei der Telekom, wo die Büros in aller Regel klimatisiert sind, liegt das Augenmerk vor allem auf dem Wohl der Mitarbeiter der Servicedienste und in den Shops. „Die Shop- und Servicemitarbeiter müssen ja zu den gewohnten Zeiten für die Kunden da sein, also bei jedem Wetter“, erklärte Telekom-Sprecher Peter Kespohl. Ihnen stelle man luftigere Dienstkleidung zur Verfügung, zudem werde darauf geachtet, dass die Autos der Außenmitarbeiter Klimaanlagen hätten.

Dank einer ausgeklügelten Klimatechnik herrschen im Post Tower das ganze Jahr über angenehme Temperaturen, sagte Pressesprecherin Hannah Braselmann. Die Mitarbeiter geraten also höchsten auf dem Weg zur Arbeit oder nach Hause ins Schwitzen. „Die Technik sorgt zudem dafür, dass der Tower keine aufwendige Klimaanlage mit hohem Energieverbrauch benötigt“, erklärte Sprecherin Hannah Braselmann. Für die Kühlung des Hochhauses sorge eine doppelte Hülle aus Glas. Der Wind, der stetig um den Turm herum wehe, drücke einen Frischluftstrom durch steuerbare Lüftungsklappen in die doppelte Fassade. Der Luftaustausch erfolge durch die kleinen Belüftungsklappen in der doppelwandigen Außenfassade und werde je nach Außentemperatur angepasst.

Lage im Krankenhaus: Noch entspannt

Noch recht entspannt ist die Lage in den Krankenhäusern, wie eine Umfrage ergab. „Aktuell haben wir pro Tag in der Notaufnahme fünf bis zehn Patienten mehr, deren Symptome auf die Hitze zurückzuführen sind“, sagte Tim Flasbeck, Chefarzt der Notfallmedizin im Malteserkrankenhaus in Hardtberg. Die meisten dieser Patienten aus allen Altersklassen litten unter Wassermangel, Übelkeit, Herz-Kreislauf-Problemen und Verwirrtheit.

Keine Zunahme bei der Zahl der Patienten mit Hitzefolgen verzeichnen auch die GFO-Kliniken. „Weder in Beuel noch in Bad Honnef gibt es eine Zunahme“, sagte Sprecherin Dorothea Adams. In beiden Krankenhäuser werde aber mit mehr Patienten am Freitag und am Wochenende. „Bei starker Hitze schafft es der Körper in den ersten Tagen noch, sich gegen die extremen Bedingungen zu stemmen. Anschließend bemerken die Patienten häufig Probleme“, sagte Adams. Unauffällig verhält sich die Patientenzahl auch im Gemeinschaftskrankenhaus Bonn, berichtete dessen Krankenhausoberer Christoph Bremekamp. In der Abteilung für Innere Medizin im Haus Sankt Elisabeth kämen zwar immer wieder Patienten, die dehydriert seien, doch häufig seien diese Menschen schon gesundheitlich geschwächt.

Im Schnitt 80 bis 90 Patienten täglich verzeichnet das Interdisziplinäre Notfallzentrum (INZ) am Universitätsklinikum Bonn (UKB). Im Neurologischen Notfallzentrum (NNZ) sind es 25 bis 30 Patienten im Schnitt, sagt Monika Kogej, Oberärztin im INZ, NNZ und der Interdisziplinären Notaufnahmestation. Jedoch sei eine Zunahme der Fallschwere zu registrieren, da knapp 90 Prozent der Patienten stationär aufgenommen werden müssten.

Mehr von GA BONN