Weniger Halte an ICE-Bahnhof: Politik kritisiert Bahn für Fahrplanwechsel in Siegburg

Weniger Halte an ICE-Bahnhof : Politik kritisiert Bahn für Fahrplanwechsel in Siegburg

Am ICE-Bahnhof in Siegburg/Bonn halten weniger Züge. Nun trafen sich Politiker aus Bonn und der Region mit der Deutschen Bahn, um über den ungewünschten Fahrplanwechsel zu sprechen.

Die Deutsche Bahn hat auf Wunsch der Politik ihren Generalbevollmächtigen für NRW ins Bonner Stadthaus zur gemeinsamen Sitzung der Verkehrsausschüsse von Bonn und Rhein-Sieg-Kreis entsandt. Schon im Vorfeld sorgte das für eine gewisse Aufregung. Weil die Politiker von Werner Lübberink, der mit fünf DB-Mitarbeitern anreiste, unter anderem konkrete Antworten zu Änderungen zum letzten Fahrplanwechsel am ICE-Bahnhof Siegburg/Bonn erwarteten.

Wie berichtet, gibt es unterm Strich vier Halte weniger täglich in Siegburg. Die Deutsche Bahn setzt nämlich auf der Schnellfahrstrecke zwischen Köln und Rhein/Main testweise auch ihr neues Flaggschiff ein, den neuen ICE 4, der zwar mehr Fahrgästen Platz bietet, aber leider mit 250 Stundenkilometer Geschwindigkeit 50 Stundenkilometer langsamer ist als das Vorgängermodell ICE 3. Um das auf der Strecke nach Frankfurt beziehungsweise in umgekehrter Richtung wieder aufzuholen, rauschen diese Züge ohne Halt durch Siegburg (und drei weitere Haltestellen auf der Strecke).

Die Verkehrspolitiker zeigten mehr als deutlich, dass sie diese Einschränkungen für „nicht akzeptabel“ halten, wie es Oliver Krauß von der Kreis-CDU formulierte. In einer Wachstumsregion, die weiteren Zuzug erwartet, sei im Gegenteil ein „bedarfsgerechter Ausbau“ dringend notwendig. Rolf Beu von den Bonner Grünen wollte von der DB wissen, wo die schnelleren ICE 3 nun eingesetzt würden und erinnerte daran, dass die ICE-Strecke über Siegburg eben genau für eine Höchstgeschwindigkeit von 300 Stundenkilometer ausgebaut worden sei, „und zwar für Milliarden“.

Karlheinz Breitenbach von der DB Fernverkehr AG sagte dazu, dass die schnelleren ICE 3 unter anderem nach Stuttgart, Hamburg und zwischen München und Berlin führen. Der Bahnhof Siegburg/Bonn bleibe für die DB aber ein „wichtiger Halt“. Lübberink dazu: „Wir wären ja wahnsinnig, uns vom Bahnhof Bonn/Siegburg abzuwenden.“ Zwar würden sich durch den veränderten Fahrplan zweimal am Tag zeitliche Lücken von anderthalb Stunden auftun, in denen kein ICE in Siegburg halte. Doch in der Hauptpendlerzeit würden die ICE weiterhin häufiger als einmal in der Stunde den Bahnhof anfahren.

Die Deutsche Bahn will die ICE 4 offenbar auf verschiedenen Strecken testen, auch um zu eruieren, wie sie am besten eingesetzt werden können. Die Befürchtung in der Kommunalpolitik einer schleichenden Abkehr vom Bahnhof Siegburg ist insofern verständlich, als dass die DB nach eigenen Angaben am Mittwochabend 120 Züge dieser Art für sechs Milliarden Euro gekauft hat, von denen 20 auf der Schiene sind. Ob zu den 76 Zügen des Typs ICE 3 weitere hinzukommen, dazu äußerte sich die Mitarbeiterriege der DB nicht. Die Bestellungen seien Angelegenheit der Aufsichtsräte innerhalb des Konzerns.

Gabriel Kunze von der Bonner SPD wollte wissen, warum die DB eigentlich seinerzeit die langsameren Fahrzeuge überhaupt bestellt habe. Das war der Punkt, an dem Lübberink den Ball zurückspielte an die Politik. „Wir freuen uns, dass die Politik erkannt hat, dass die Bahn wichtig ist und die Schiene von großer Bedeutung ist, um die Klimaziele zu erreichen.“ Diese Sichtweise sei vor einiger Jahren in den Reihen von Kommunal-, Landes- und Bundespolitik noch nicht so ausgeprägt gewesen wie gegenwärtig. „Damals hätten wir das Geld für die teureren Züge einfach nicht bekommen.“ Die Bahn habe nun einen riesigen Bedarf an Fahrzeugen und greife nach jedem Strohhalm. Auch in Österreich plane man den Ankauf von Bahnen, um den Bedarf zu decken.

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