Fahrplanänderung bei der Bahn: Neuer ICE 4 bringt für Siegburg auch Nachteile

Fahrplanänderung bei der Bahn : Neuer ICE 4 bringt für Siegburg auch Nachteile

Zum Fahrplanwechsel im Dezember ist der Bahnhof Siegburg/Bonn auch vom Einsatz des neuen ICE 4 betroffen. Denn für Pendler bedeutet die Einführung des Zuges weniger Fahrten ab Siegburg.

Als wären die Nerven der Siegburger Bahnkunden nicht schon gespannt genug wegen der anhaltenden Zugausfälle nach dem ICE-Brand im Westerwald. Jetzt müssen sich die Fahrgäste dauerhaft auf Einschränkungen einstellen. Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember setzt die Deutsche Bahn (DB) den neuen ICE 4 auch auf der Strecke zwischen Köln und Frankfurt ein. Mehr Platz, mehr Komfort und mehr Verlässlichkeit verspricht die DB ihren Kunden. Für Pendler aus Siegburg bedeutet die Einführung des Zuges zunächst vor allem eines: weniger Fahrten ab dem Bahnhof Siegburg.

Die Stadt Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis rechnen mit der Streichung von drei Fahrten in Richtung Süden und vier Fahrten in Richtung Norden, bei zwei neuen Fahrten nach Süden und einer neuen in die Gegenrichtung. Unterm Strich stünden den Fahrgästen ab Siegburg somit vier Züge weniger als bisher zur Verfügung. Die Deutsche Bahn begründet diese Änderung mit „fahrplan- und fahrzeugtechnischen Gegebenheiten“.

Schwächung des ICE-Bahnhofs Siegburg/Bonn

Hintergrund ist, dass der ICE 4 mit einer Höchstgeschwindigkeit von 250 Stundenkilometern langsamer ist als sein Vorgänger. „Würden lediglich vier Halte am Tag wegfallen, dann wäre das ja nicht so schlimm“, sagt André Berbuir, Fachbereichsleiter Verkehr und Mobilität der Kreiswirtschaftsförderung, auf Anfrage des General-Anzeigers. „Das Problem ist aber, dass durch die Änderung eine Taktunterbrechung entsteht.“

Andere Verkehrsmittel des Nahverkehrs seien aber auf den jetzigen Takt der ICE-Halte am Bahnhof Siegburg abgestimmt. Hermann Tengler, Leiter der Wirtschaftsförderung des Kreises befürchtet, dass Angebotsverringerungen das Potenzial des ICE-Bahnhofs Siegburg/Bonn gefährden könnten.

Probleme für Kunden hält auch der Fahrgastverband Pro Bahn für wahrscheinlich. „Die wachsende Mischung von ICE-4- und ICE-3- Zügen mit unterschiedlichen Höchstgeschwindigkeiten auf gut getakteten Linien zerstört die Systematik“, sagt Lothar Ebbers, Sprecher von Pro Bahn NRW. Die Linie 42 von Dortmund über Siegburg nach München etwa fahre bislang durchgängig im Zwei-Stunden-Takt. Ebbers: „Unserer Ansicht nach ist die Bahn gefordert, Fahrpläne so zu erstellen, dass Haltepunkte systematisch eingehalten werden.“

Hoffen auf fertigen Bonner Hauptbahnhof

Kreis und Stadt Bonn appellierten daher an die Bahn, „mit Priorität zu verfolgen, dass nach der einjährigen Einführungsphase der Taktfahrplan wiederhergestellt werden kann“, so Bonns Stadtbaurat Helmut Wiesner in einem Schreiben. Zudem bittet er das Unternehmen zu prüfen, inwieweit Angebote im Fernverkehr nach Fertigstellung der Bauarbeiten am Bonner Hauptbahnhof erweitert werden können.

Die Bahn verweist in ihrer Antwort auf zusätzliche Sitzkapazitäten in den neuen ICE-4-Zügen, mit denen sie auf die „stetig wachsende Nachfrage“ auf der Achse Ruhrgebiet, Rheinland und Metropolregionen in Baden-Württemberg reagieren will.

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