Black Friday in Bonn:Rabattschlacht lockte Kunden in Scharen in die Innenstadt

Rabattschlacht in der Innenstadt : Black Friday lockte Kunden in Scharen nach Bonn

Der Black Friday hat Kunden in Scharen in die Bonner Innenstadt gelockt. Für das City-Marketing ist der Aktionstag wichtig, um den Handel vor Ort zu stärken. Aber nicht alle Geschäfte beteiligen sich daran.

Wenn früher im Winterschlussverkauf die Preise purzelten, standen die Kunden meistens schon am frühen Morgen vor den Geschäften Schlange. Die Schnäppchenjäger von heute sind da anscheinend gelassener. Am Black Friday war die Zahl der Kunden jedenfalls am Morgen noch überschaubar. Möglicherweise wollten viele die Demonstration von Fridays for Future abwarten, die mit mehreren Tausend Teilnehmern am frühen Vormittag zeitweise den Verkehr in der City lahmlegte. Gegen Mittag füllten sich die Straßen und Läden in der Innenstadt dann rasant. Allein in der Poststraße wurden gegen 14 Uhr rund 8000 Passanten gezählt. Die Durchschnittszahl liegt bei rund 3300 Fußgängern.

Die Zahlen stammen von der hystreet.com GmbH, die zur Aachener Grundvermögen Kapitalverwaltungsgesellschaft mbH mit Sitz in Köln gehört. Bei der Aachener Grund handelt sich um eine Gesellschaft der katholischen Kirche, der auch in Bonn in bester Innenstadtlage eine ganze Reihe Immobilien gehören, darunter das Karstadtgebäude.

Hystreet.com misst nach eigenen Angaben in verschiedenen Städten in Deutschland 365 Tage im Jahr rund um die Uhr die Anzahl der Menschen, die eine gedachte Linie auf einer Einkaufsstraße überschreiten. In Bonn sind, wie berichtet, seit Mai 2018 die an Häuserfassaden in den wichtigen Bonner Einkaufsstraßen – Poststraße, Remigiusstraße und Sternstraße – angebrachten Laserscanner in Betrieb. Sie erzeugen einen vierfachen Lichtvorhang zur sicheren Passantenfrequenzzählung.

Damit kann der Zähler nicht nur verschiedene Zonen unterscheiden, sondern auch die Laufrichtungen der Passanten bestimmen. Passanten, die die gedachte Linie innerhalb eines Messintervalls mehrfach überschreiten, werden jeweils neu gezählt. Die Daten sind unter www.hystreet.com kostenfrei abrufbar.

„Passantenfrequenzen sind ein wichtiger Indikator zur Beurteilung der Attraktivität von Einkaufs- und Stadtzentren“, hatte Bonns Wirtschaftsförderin Viktoria Appelbe nach der Einführung dieser Messmethode erklärt. Sie gäben wichtige Hinweise, wie man die Innenstadt noch attraktiver gestalten könne. Die Zahlen von Hystreet bestärken Claudia Justen von City-Marketing in ihrer Auffassung, dass Aktionstage wie Black Friday zur Stärkung des Standorthandels unverzichtbar sind.

Allerdings akzeptierten die Kunden auch, wenn nicht alle mitmachten, so die Beobachtung der Inhaberin des Mode- und Geschenkeladens „Wunderbar“ in der Friedrichstraße. Teilweise bis zu 50 Prozent Nachlass gewährten die Geschäftsleute ihrer Kundschaft an diesem Freitag. Und längst ist es auch nicht mehr nur dieser eine Tag, an dem die Preise teils drastisch herabgesetzt werden. An vielen Schaufenstern hängen bereits Plakate, die für Black Days oder gar eine Black Week werben. Seinen Ursprung hat der Black Friday (Schwarzer Freitag) in Amerika, wo er sich an den Feiertag Thanks Giving anschließt und als Brückentag gern zum Großeinkauf genutzt wird. Manche beziehen das schwarz auf „schwarze Zahlen“, die die Händler an dem Tag schreiben würden, andere sehen ihn als Anspielung an das Chaos auf den Straßen nach dem Börsencrash von 1929.

Einige wenige Läden in der Bonner City machten indes bei Black Friday nicht mit. Wie die Filiale von Contigo in der Wenzelgasse, wo fair gehandelte Produkte wie Lederwaren, Kunsthandwerk sowie Kaffee verkauft werden. Luis Abarca Toro leitet die kleine Filiale seit fünf Jahren und freut sich über einen wachsenden Kundenstamm. „Das hängt sicher auch mit dem gestiegenen Umweltbewusstsein und der Klimaschutzbewegung zusammen“, glaubt der 42-Jährige, der aus Peru stammt. Er hat auf dem Plakat an seiner Ladentür das Wort „Black“ durchgestrichen und durch „Green“ für grün ersetzt. Auf einem anderen Plakat steht „Auf Menschenrechte gibt es keine Prozente“. Uwe Schneider (53) ist Arzt und kauft mit seiner Frau gerne bei Contigo ein, sagt er. „Es müsste viel mehr solche Läden geben.“

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