„Fridays For Future“ in Bonn: Demonstration mit 4000 Teilnehmern

„Fridays For Future“ : Rund 4000 Teilnehmer bei Klimaschutz-Demo in Bonn

In Bonn haben am Freitag zum vierten Internationalen Klima-Aktionstag der Protestbewegung „Fridays for Future“ rund 4000 Teilnehmer in der Innenstadt demonstriert. Teilweise hatte die Demo auch Auswirkungen auf den Straßenverkehr.

Etwa 4000 Klimaschutz-Demonstranten waren am Freitag nach Angaben der Polizei in der Bonner Innenstadt unterwegs: Zum bereits vierten internationalen Klimaaktionstag hatten sich die Protestanten von „Fridays for Future“ am Vormittag zur Auftaktkundgebung auf dem Marktplatz versammelt. Auf dem Wege taten sie auch einige konkrete Forderungen an die Stadt kund, um dem Klimawandel entgegenzutreten: Tempo 30 innerhalb des Innenstadtrings, einen Ausbau von Radverkehrsanlagen und einen deutlich besser vernetzten Radverkehr bis 2030 mit Velorouten gehören zu.

Die Demonstranten trugen am Freitag Schilder mit Sprüchen wie „Rauchen ist tödlich. Atmen zurzeit auch!“ durch die Straßen. Unter ihnen waren auch Schüler der Gesamtschule Bonns Fünfte. Die Gesamtschule hatte nach Absprache mit den Schülern den Fortbildungstag für Lehrer so gelegt, dass die Schüler zur Demo gehen konnten, ohne den Unterricht zu versäumen. „An sogenannten Studientagen können die Schüler selbst entscheiden, wann sie ihre Lernaufgaben erledigen“, sagte Schulleiterin Ursula Dreeser.

Dass die Schule bei der Demo auch gut vertreten war, dafür haben sich Mina Fienemann (17), Hannah Bach (17), Ana Tamblyn (17) und Elisabeth Röcken (17) engagiert. „Wir waren in den Klassen und haben auf Fridays for Future aufmerksam gemacht“, berichtete Bach. „Wir wollen uns hier als gesamte Schule mobilisieren“, ergänzte Tamblyn.

Dafür haben die Schüler in ihren Pausen Fallschirme bemalt und auch Klima-Diskussionen geführt. Vier der bunten Fallschirme hatten die 60 Schüler auch mit zur Demo gebracht. In großen Kreisen spannten sie die Tücher über den Marktplatz. „Ich finde das gut, dass die Kinder protestieren gehen. – „Wir unterstützen das!“, sagte ein Vater. Für die Demo hatten sich die Veranstalter einiges einfallen lassen. „Dieses Mal liegt unser Schwerpunkt auf kreativen Aktionen“, sagte Pressesprecher Robert Müller-Uri (16) von Fridays for Future.

Schüler der Grundschule Bonns Fünfte mit ihren Fallschirmen bei der Demonstration von Fridays for Future. Foto: Niklas Schröder

So befestigten Teilnehmer am Poppelsdorfer Schloss ein etwa drei mal fünf Meter großes Protestplakat. Und auch eine Zwischenkundgebung vor dem Gebäude des CDU-Kreisverbands an der Carl-Troll-Straße wurde abgehalten – allerdings vor verschlossenen Türen. Dort platzierten die Demonstranten als Zeichen des Protests ein selbstgebasteltes Paket: „Wir wollen der CDU ihr mickriges Klimapacket zurückgeben“, erklärte ein Aktivist.

Der Tross zog durch die Innenstadt. Auf der Poppelsdorfer Allee, am Hauptbahnhof, legten die Demonstranten am Vormittag zeitweise den Verkehr lahm. Die Polizei sperrte umliegende Straßen ab. Die Straßenbahnlinien 61 und 62 wurden für kurze Zeit unterbrochen, teilten die Stadtwerke Bonn (SWB) mit.

Die ansonsten friedliche Demo wurde zum Schluss noch wild, denn das von Protestlern am Baugerüst Poppelsdorfer Schloss aufgehängte Plakat mit der Aufschrift „Unite behind the science“ hatten Dacharbeiter wieder abgehängt. Nach scharfen Diskussionen mit den Arbeitern sorgten die Veranstalter für Ruhe. „Die Gerüstbauer hatten uns die Plakat-Aktion erlaubt“, hieß es später. Eine kleine Gruppe erklomm wenig später das Gerüst erneut und hing das Plakat unter großen Jubel wieder auf.

Für den 13. Dezember ist eine neue Aktion angemeldet, berichtete Müller-Uri. „Wir haben uns gestern dazu entschlossen, dass es an dem Tag weitere Aktionen geben soll“, sagte er.

Rückendeckung von den Bonnern

Anlässlich der am 2. Dezember in Madrid stattfindenden UN-Klimakonferenz waren am Freitag überall auf der Welt Klimaschutz-Demonstranten auf die Straßen gegangen. „Letztes Mal war es unser Ziel, so viele Menschen wie nur möglich zum Demonstrieren aufzurufen“, erzählte Müller-Uri. „Mit 15.000 Teilnehmern wurden im September unsere Erwartungen bei weitem übertroffen. Es ist gut, von so vielen Bonnern hier Rückendeckung zu spüren.“

In Deutschland streiken seit fast einem Jahr jeden Freitag Tausende junge Menschen. Den Angaben Fridays for Future zufolge waren beim letzten internationalen Protesttag, am 20. September, rund 1,4 Millionen Menschen auf den Straßen. „Dies war die größte Aktion, die es in Deutschland je im Namen des Klimaschutzes gab.“ Das an diesem Tag von der Bundesregierung veröffentlichte Klimapaket sei laut Fridays for Future „eine politische Bankrotterklärung“.

Die Bewegung fordert die Regierung auf, „das Klimapaket grundlegend zu überarbeiten“. So soll das 1,5-Grad-Ziel aus dem Pariser Klimaabkommen und auch der Kohleausstieg bis 2030 sowie die Nettonull bis 2035 eingehalten werden.

Prominente Unterstützung in Köln

Auch „Fridays for Future Rhein Sieg“ hat für Freitag eine Demonstration angekündigt. Dort waren laut Polizeiangaben circa 200 Teilnehmer vor Ort, die ab 9.30 Uhr vor der Kreissparkasse am S-Carré in der Siegburger Innenstadt für den Klimaschutz demonstrieren wollten.

Zu einer Demonstration in Köln wurden rund 20.000 Teilnehmer erwartet, die durch die Innenstadt ziehen. Bei der Auftaktkundgebung sollen nach Angaben eines Sprechers Musiker der Bands Brings, Höhner, Bläck Fööss und Kasalla auf der Bühne stehen und zusammen spielen.

(Mit Material von dpa)