Spenden nicht angekommen: Betrugsvorwurf gegen Beueler Biker-Verein "Hexenreiter"

Spenden nicht angekommen : Betrugsvorwurf gegen Beueler Biker-Verein "Hexenreiter"

Das Amtsgericht Bonn hat ein Verfahren gegen den Biker-Verein "Hexenreiter" mit Auflagen eingestellt. Auf Benefiz-Veranstaltungen sollen die Motorradfahrer über Jahre hinweg Spenden gesammelt haben, die die Vereine aber nicht immer erreicht haben.

"Mit sofortiger Wirkung haben wir die Zusammenarbeit mit den "Hexenreitern" Bonn-Beuel eingestellt, da für uns gesammelte Spendengelder uns nicht erreicht haben." So ist es seit dem 8. Oktober vergangenen Jahres auf der Homepage des Sankt-Augustiner Vereins "Leben mit Krebs" zu lesen. Am Bonner Amtsgericht wurde nun ein Verfahren wegen Betrugs gegen die Beueler Bikertruppe gegen Zahlung von 1400 Euro vorläufig eingestellt.

Auf einer Vielzahl von Benefiz-Veranstaltungen sollen die Motorradfahrer über Jahre hinweg Spenden für mehrere Vereine gesammelt haben. Zumindest bei "Leben mit Krebs" ist aber der größte Teil der Zuwendungen wohl nie angekommen. Im August 2016 sei ein Ehepaar aus Beuel an sie herangetreten und habe angeboten, bei der Vereinstätigkeit Spenden für sie zu sammeln, erläuterte die Vorsitzende von "Leben mit Krebs", Ingrid Schürheck, dem GA.

Man veranstalte jährlich jeweils ein großes An- und Abgrillen sowie weitere Feiern, hätten ihr die Vereinsvorsitzenden erläutert. Und diese Veranstaltungen böten sich doch bestens an, um Spenden zu sammeln. Schließlich habe man sich bei der Gründung der "Hexenreiter" dem sozialen Engagement verschrieben.

Zunächst schien die neue Kooperation wohl auch erfolgversprechend: Bei einem Herbstfest mit 120 Gästen, unter denen auch der Sankt Augustiner Bürgermeister war, habe man einen symbolischen Scheck über 210 Euro übergeben bekommen. Und an dem habe sich ein kleines Jutesäckchen mit der genannten Summe in Münzen und kleinen Scheinen befunden. Auch in der Folge soll es weitere symbolische Scheckübergaben gegeben haben: An Beträge in Höhe von 347 und 180 Euro könne sie sich erinnern, so Schürheck. Nur dass es in diesen Fällen eben kein Säckchen mit Bargeld mehr gegeben habe. Stattdessen habe das Geld überwiesen werden sollen. Als sie nach einiger Zeit gefragt habe, wo die Beträge denn blieben, sei ihr beschieden worden, dass das Geld überwiesen wäre. Nachdem auch nach mehrmaligem Nachhaken weder Geld noch eine Auskunft gekommen sei, habe sie rechtlichen Rat eingeholt. Ihr Anwalt habe vor dem Bonner Amtsgericht Anzeige wegen Betrugs gegen das Paar erstattet.

Die Kammer hat nun das Verfahren gegen Zahlung einer Geldauflage vorläufig eingestellt: 1400 Euro müssen die beiden Angeklagten in Raten über ein halbes Jahr verteilt zahlen, bevor der Fall endgültig eingestellt werden kann: 500 Euro will die Frau an die Organisation "Deutschland hilft" zahlen; 900 Euro der einschlägig vorbestrafte Mann an "Leben mit Krebs". Unklar blieb, wieso das gesammelte Geld nicht bei den Empfängern ankam: Es habe Probleme mit der Überweisung gegeben, gab das Paar in der Hauptverhandlung an. Auch, ob wirklich nur die auf den Symbolschecks genannten Beträge oder möglicherweise noch mehr Geld zusammenkam, wurde nicht geklärt.

Die Hexenreiter sollen noch für mindestens zwei weitere Vereine Spenden gesammelt haben, von denen allerdings keine Klagen kamen: Man kooperiere nicht mit anderen Vereinen und sei ein reiner Spendenempfänger antwortete die Aktion "Lichtblicke" dem GA auf Nachfrage. Aus datenschutzrechlichen Gründen könne man nicht mitteilen, ob die "Hexenreiter" an "Lichtblicke" gespendet hätten. Und Manu Gardeweg von "Lohmar hilft" kann gar nichts Schlechtes über den Verein sagen: Der Vorsitzende habe des Öfteren Kleidung für sie gesammelt und sei ihr als engagierter Helfer bekannt. Auf Nachfrage erfuhr der GA von den Bikern, dass man die Vereinstätigkeit der "Hexenreiter" eingestellt habe. Zu den Vorwürfen wolle man sich aber nicht äußern.

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