VW Bulli: Florian Kalff restauriert in Bonn-Beuel eine Autorarität

Restaurierung von VW Samba : Beueler restauriert VW-Bulli aus dem Jahr 1951

Am 27. August 1951 lief der inzwischen zum Kultmodell avancierte VW-Bus von Florian Kalff in Wolfsburg vom Band. Der Beueler Autoteilehändler und VW-Experte fand das Fahrzeug – oder vielmehr das, was von ihm übrig geblieben war. Unser Autor hat mit dem „Automobil-Archäologen“ gesprochen.

Er ist möglicherweise der älteste erhaltene Samba überhaupt: Am 27. August 1951 lief der inzwischen zum Kultmodell avancierte VW-Bus von Florian Kalff in Wolfsburg vom Band. Der Beueler Autoteilehändler und VW-Experte fand das Fahrzeug – oder vielmehr das, was von ihm übrig geblieben war – über einen Bekannten: „Ein Kunde von mir hat eine Wiese in der Eifel gekauft und bei der Mahd stieß er auf die verrosteten Bleche“, erinnert sich Kalff an die Entdeckung. Dass aus dem „achtsitzigen Sondermüll“ jemals wieder ein Samba-Bus entstehen könnte, glaubten bei der Vorstellung des Fundes im Mai 2017 außer Kalff selbst wohl nur wenige: Inzwischen fuhr der VW-begeisterte Restaurateur aber bereits höchstpersönlich eine Ehrenrunde mit seinem Bus. Vor Kurzem war das Fahrzeug mal wieder in Bonn – große Teile der Restaurierungsarbeiten finden und fanden nämlich im ebenfalls „Samba-verrückten“ Großbritannien statt. Leif Kubik nutzte die Zwischenstation und sprach mit dem „Automobil-Archäologen“:

Herr Kalff, wann reifte Ihr Entschluss, aus den gefundenen Teilen wieder einen fahrtüchtigen Bus entstehen zu lassen?

Florian Kalff: Der Wunsch, den Samba wieder zum Leben zu erwecken, war von Anfang an da. Dass angesichts dieses traurigen Schrotthaufens die meisten Leute sagten, dieses Projekt sei nicht realisierbar, hat mich erst recht angestachelt. Unmögliches möglich zu machen, ist schließlich mein Beruf und es macht mir Spaß. Allerdings war auch von Beginn an klar, dass ich das nicht alleine machen kann, wenn der Bus noch zu meinen Lebzeiten fertig werden soll. Es galt also das Projekt aufzuteilen unter Europas VW-Fachleuten: Einer macht den Motor, einer das Getriebe, einer den Tank und so weiter. Meine Aufgabe ist es, das zu koordinieren, die Ersatzteile zu beschaffen, das Puzzle zusammenzubauen und natürlich die ganze Sache zu bezahlen. Meine eigenen Fähigkeiten als „Schrauber“ sind sehr überschaubar, ich habe nur die Vorderachse, die Bremsen und die Elektrik des Bullis instand gesetzt.

Warum schicken Sie das Fahrzeug immer wieder nach Großbritannien?

Kalff: Dort lebt Mark Spicer, der wohl beste Karosseriebauer der VW-Welt. Mark ist der wichtigste Mann des Projekts, er hat selber einen `54er Bulli aus einer Müllkippe in Österreich geborgen, der war karosserieseitig nur unwesentlich besser als meiner, und Mark hat den Wagen binnen drei Jahren fahrbereit gemacht. Als ich diesen Bus im Sommer 2017 sah, wusste ich: Das ist mein Mann, der tickt genau wie ich.

Wie lange sollen die Arbeiten denn dauern?

Kalff: Zu Beginn des Projekts habe ich mit zehn bis 15 Jahren gerechnet, nie hätte ich gedacht, dass der Bus nach einem Jahr schon wieder fährt – zwar nur als Gerippe, aber immerhin. Inzwischen gehe ich davon aus, dass ich den Samba in zwei Jahren zum TÜV fahre. Fertig ist er aber noch lange nicht! Gewisse Komponenten der Innenausstattung zum Beispiel sind als Originalteile derart selten, dass die Beschaffung zum Glücksspiel wird und sich noch lange hinziehen kann. Und ein schnöder neuer Nachbau kommt natürlich nicht infrage.

Fabrikneu wird das Endprodukt also nicht aussehen?

Kalff: Definitiv nicht! Vorbild der Restauration ist die Dresdner Frauenkirche, wo die Restauratoren jeden originalen Stein, der den Bombenangriff 1945 überstanden hatte, wiederverwandten. Man steht heute vor dem Gebäude und kann genau die neuen, hellen Steine von den verbrannten, dunklen Originalsteinen unterscheiden. Dadurch wird klar, was Originalsubstanz ist und was Nachbau. So wird auch der Samba aussehen, ein wilder Mix aus alt und neu. Im makellosen Lack wird nur das erstrahlen, was neu konstruiert wurde. Alles, was beim Fund geborgen wurde, bleibt äußerlich wie es war: rostig und verrottet. Das wird seltsam aussehen, es ist eher ein archäologischer Ansatz, der in der Automobilwelt so bislang nicht realisiert wurde.

Und finanziell? Derartige Fahrzeuge erzielen ja immer wieder Rekordpreise, aber lohnt sich die Arbeit überhaupt?

Kalff: Da ein Verkauf nicht zur Debatte steht, ist die wirtschaftliche Seite für mich uninteressant. Hier geht es um ein Stück Automobilgeschichte und um ein Stück Lokalgeschichte. Der Bus ist ja als Vorführwagen an das Autohaus Fleischhauer geliefert worden. Und ich gebe zu, ich will ganz simpel diesen Samba-Bus haben, die frühen Modelle sind einfach todschick, ich kann es deshalb kaum erwarten, damit durch Bonn zu fahren.

Sambas sind derzeit beliebter denn je. Was macht die besondere Faszination dieses Fahrzeugtyps aus?

Kalff: Der Samba, damals hieß er „Achtsitzer Sondermodell“, war beim Erscheinen 1951 der mit weitem Abstand luxuriöseste und teuerste Wagen in der VW-Palette. Viel teurer noch als ein Käfer-Cabriolet. Mit seiner Dreifarbenlackierung, der Dachverglasung, dem üppigen Chromschmuck und dem riesigen Faltschiebedach war er schlicht eine Sensation und das ist er immer noch. Mag er unter Sicherheits- und Leistungsaspekten auch heute geradezu mangelhaft erscheinen, sein Design ist zeitlos schön. Er zählt neben dem Mercedes 300 SL und dem VW Karmann-Ghia zu den schönsten Autos aller Zeiten.

Ist eigentlich bekannt, wie der Bus auf der Wiese in der Eifel landete?

Kalff:  Leider gibt es keinerlei Hinweise darauf, was mit dem Samba nach der Zeit als Vorführwagen geschah, die Spur verliert sich schon sehr früh. Durch puren Zufall fand ich ein Bild, das den Bulli am Bonner Rheinufer zeigt, auf der Rückseite steht „November 1951“. Der Bus ist also durch Bonn gefahren! Vielleicht weiß ein Leser ja etwas?