Stadtrundfahrt durch Bonn: Diesen VW-Bulli lieben die Bonner Touristen

Stadtrundfahrt durch Bonn : Diesen VW-Bulli lieben die Bonner Touristen

Christoph Nettekoven und Daniel Friesen bieten in Bonn Stadtrundfahrten in einem alten VW-Bus an. Der Oldtimer stammt aus den USA - Nettekoven restaurierte ihn in der Einfahrt seines Bruders.

So wie Christoph Nettekoven sitzen nur die wenigsten Autofahrer am Steuer. Selbst bei fünf Grad hängt er den linken Arm aus dem Fahrerfenster und streichelt an jeder roten Ampel den verchromten Seitenspiegel. Die Beziehung zu seinem alten VW-Bus ist eine besondere. Nettekoven, Baujahr 1953, fuhr einst mit so einem Modell durch Marokko. „Ich war das, was man heute einen Hippie nennt“, erzählt er. Der T1-Bulli, Baujahr 1966, fuhr als Exportwagen durch die USA. Bei Stadtrundfahrten durch Bonn bringt er in seinem Bulli Gäste an Orte, die Touristen bei herkömmlichen Bustouren nicht sehen.

Es gibt fast nichts, was Nettekoven und seinen Bulli aufhalten kann. Der Achtsitzer passt durch die Gassen der Altstadt, kann in den engen Räumen zwischen den Südstadt-Altbauten wenden und am Straßenrand halten, ohne den ganzen Verkehr lahmzulegen. Auch die Absperrpoller der Stadt Bonn sind kein Hindernis. „Normale Autos kommen da nicht durch, der Bulli ist aber viel schmaler“, erzählt Nettekoven, während er sich durch die grauen Stangen am Alten Rathaus manövriert.

Und plötzlich steht der türkisblaue Bus neben kaffeetrinkenden Studenten und einer jungen Mutter mit Kinderwagen, die an der Fußgängerampel bei Rotlicht warten. Jeder andere hätte ob der Dreistigkeit jetzt wahrscheinlich wütende oder zumindest genervte Blicke geerntet. Der Bulli zaubert den Menschen dagegen ein Lächeln ins Gesicht. Es folgen Komplimente: „Schönes Auto!“, „Darf ich mitfahren?“ oder „So einen wollte ich auch immer haben“.

Alleinstellungsmerkmal ist das Faltdach

„Es ist ein Fahrzeug, das noch Charakter hat. Wenn man davorsteht, lachen einen die großen runden Scheinwerfer an“, sagt Nettekoven. Damit der Wagen durch Bonn rollen konnte, musste er allerdings einiges investieren. Am Anfang stand der Import aus den USA, dann folgte die aufwendige Restaurierung. In der Einfahrt seines Bruders in Endenich schraubte er monatelang am VW-Bus, stets unter Beobachtung von Passanten und Nachbarn. „Dabei ist das, was ich gemacht habe, teilweise amateurhaft“, gesteht Nettekoven. So hätten die türkis-weißen Sitze sicherlich originalgetreuer bezogen oder die Gardinen sauberer genäht werden können. „Dafür habe ich es aber selbst gemacht.“ Stolz klingt mit. Nettekoven versuchte, so viel Patina wie möglich zu erhalten – nicht nur aus Kostengründen. Denn eine beauftragte perfektionistische Revision liegt schnell bei mehreren Zehntausend Euro.

„So, wie es jetzt ist, sieht man dem Auto seine Geschichte an“, sagt er. Auf dem Armaturenbrett klebt eine verblasste Plakette mit einer Friedenstaube. Die abgewetzten Haltegriffe zeugen von wilden Fahrten und abenteuerlichen Geschichten. All jene hört man aus Nettekovens Mund, wie die von den Großdemos in den 80er Jahren im Bonner Hofgarten. „Da war was los. 300.000 Menschen, aber kaum Polizisten. Das kann man sich gar nicht vorstellen.“

Dass man es sich dennoch vorstellen kann, was einmal in Bonn passierte, dafür sorgt auch Daniel Friesen. Der Historiker bietet mit „Bonn City Tours“ schon länger Touristenführungen an – seit Neuestem auch auf Nettekovens Beifahrersitz. „Anfangs haben wir das gegen eine Spende gemacht, das war aber nicht wirtschaftlich“, erzählt er. Zwei bis drei Stunden geht es kreuz und quer durch die Bundesstadt. Wenn auf dem Kopfsteinpflaster die Blattfedern krachen, wird entweder die Musik lauter gedreht oder lauter gesprochen. Vor allem internationale Gäste steigen ein. Friesen schwenkt dann auf akzentfreies Englisch um.

Das eigentliche Alleinstellungsmerkmal ist aber das Faltdach des Bullis, das ihn auch so selten und begehrt macht. Rund 100.000 Euro ist das Modell mittlerweile wert. „In der Kirschblütenzeit ist das Cabrio besonders toll“, sagt Friesen, der dann viele Anfragen aus dem asiatischen Raum hat. Selbst im Winter, wenn es eigentlich zu kalt für ein offenes Verdeck wird, wünschen es sich die Gäste. Wie so vieles am Bulli gibt es dafür eine pragmatische Lösung: warme Wolldecken, die dann stets an Bord sind, und ein heißes Getränk.

Mehr von GA BONN