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Chinaschiff Bonn-Beuel: Restaurant hat Ärger wegen Koi-Karpfen-Haltung

Ärger auf dem Chinaschiff : Beueler Gastronom bekommt Probleme wegen seiner Koi-Karpfen-Haltung

Der Betreiber des Chinaschiffs liegt mit der Stadt im Clinch. Ein Kunde hat ihn wegen nicht artgerechter Haltung der Karpfen angezeigt.

Huan Fu Zhang sitzt kopfschüttelnd an seinem Schreibtisch und liest zum wiederholten Mal den Brief der Stadt Bonn. Er will nicht glauben, was dort geschrieben steht. Das Umweltamt fordert den Betreiber des China-Restaurants „Ocean Paradise“ auf, dass er umgehend eine neue Unterbringung für seine zehn Koi-Karpfen finden muss. Entweder muss das Becken an Bord des Schiffs deutlich vergrößert werden oder die Fische müssen umziehen. Ein Gast hatte die seiner Meinung nach nicht artgerechte Haltung der Kois bei der Stadt gemeldet. Eine Veterinärmedizinerin kam bei einem Ortstermin an Bord des Chinaschiffs zum selben Ergebnis: Das 3000-Liter-Becken ist für zehn Koi-Karpfen von einer Größe zwischen 50 und 80 Zentimetern Länge zu klein.

Gespräche mit der Stadt laufen

„Diese Fische gehören seit 23 Jahren zu meinem Leben und sind mehrfach mit mir umgezogen. Ich hänge an diesen Tieren. Ich pflege meine Kois vorbildlich, es geht ihnen gut bei mir“, erklärt Zhang dem GA. Koi-Karpfen sind nach Auskunft Zhangs Glücksbringer - vor allem für Chinesen. „Wenn ich mich von den Tieren trennen muss, bedeutet das für mich nichts Gutes“, sagt der Restaurant-Betreiber.

In seiner Hilflosigkeit wandte sich Zhang an den Stadtverordneten Reiner Burgunder. Der Politiker nahm Kontakt mit der Stadt auf und erhielt die Aussage: Das Becken entspreche nicht den tierschutzrechtlichen Mindestanforderungen. Es sei zu klein, es gebe keine Wassertemperaturmessung und Wasserwerte würden auch nicht gemessen. „Ich hoffe, dass wir noch eine einvernehmliche Lösung finden. Die Gespräche mit der Stadt verlaufen gut, aber ob die Fische an Bord bleiben können, ist derzeit fraglich“, sagte Burgunder, der die Situation sehr bedauert - „die Fische leben seit 2004 in diesem Becken und gehören einfach zum Restaurant“.

Experten sollen Gutachten erstellen

In diesem Zusammenhang ärgert Burgunder vor allem ein Aspekt: „Ich finde es sehr bedauerlich, dass ein Gast diese Situation zur Anzeige gebracht hat. Nur 150 Meter weiter lebt ein Obdachloser seit acht Wochen unter der Kennedybrücke. Und das, bei diesen winterlichen Nachttemperaturen. Das stört anscheinend niemanden, auch die Stadt nicht. Aber Hauptsache, man reklamiert die Situation der Koi-Karpfen, denen es nach meinem Eindruck hervorragend geht.“

Burgunder hat mittlerweile über die Fischereibruderschaft in Bergheim den Kontakt zu dem Aquarienbiologen Stefan Staas aufgenommen und ihn gebeten, ein Gutachten über das Koi-Becken zu verfassen. „Wir werden alles versuchen, damit die Fische an Bord bleiben können“, so der Stadtrat. Der Bau eines größeren, mindestens 10.000 Liter fassenden und ein Meter tiefen Beckens ist aus statischen Gründen auf der ehemaligen Fähre nicht möglich, so Burgunder.

Indoor-Haltung von Koi-Karpfen grundsätzlich möglich

Nach den Gesprächen mit der Stadt Bonn zeichnet sich laut Burgunder für den Fall, dass doch kein Verbleib der Fische an Bord möglich ist, ein neue Bleibe für die Kois ab: Sie können in das Koi-Becken im Japanischen Garten in der Rheinaue umziehen. Dazu sagt aber Zhang: „Meine Fische kennen keine Wassertemperaturschwankungen. Wenn ich sie jetzt im Winter in einen Teich im Freien setze, sind sie spätestens nach drei Tagen tot. Das werde ich nicht machen.“

„Die Indoor-Haltung von Kois ist möglich, erfordert aber mehr Aufwand als die Haltung in einer ausreichend großen Teich-Anlage. Die Umsetzung von Kois aus einer Indoor-Anlage in eine Teichanlage ist zu dieser Jahreszeit tierschutzrechtlich bedenklich. Auch muss eine Umsetzung planmäßig durchgeführt werden. Die Kois müssen in einer Art Quarantäne langsam an die Keimflora und Umgebungsbedingungen des neuen Teiches adaptiert werden“, teilte Markus Schmitz vom Presseamt der Stadt mit. Zhang faltet den Brief und ist traurig: „Sie haben es gut bei mir. Jeder kann sich davon überzeugen.“ Die Kois abzugeben, bedeute für ihn, Freunde zu verlieren. Außerdem hätten einige Exemplare einen Wert von rund 10 000 Euro.