Hochwasserschutz: So wird der Holzlarer See wieder renaturiert

Hochwasserschutz : So wird der Holzlarer See wieder renaturiert

Die Baumaßnahmen am Holzlarer See und Holtorfer Bach sollen den Hochwasserschutz verbessern, wie es eine europäische Richtlinie fordert. Dabei einerseits die Wasserqualität, aber auch den Naherholungswert zu erhalten, sei gar nicht so einfach gewesen.

Als im März 2013 bei der Jahreshauptversammlung des Bürgervereins Holzlar die Nachricht aufploppte, dass die Stadt Bonn den Holzlarer See zur Verbesserung des Hochwasserschutzes bis 2015 trockenlegen will, ging ein Ruck durch die Bürgerschaft. Unter Federführung des Bürgervereins formierte sich heftiger Protest gegen dieses Vorhaben. Etliche Gesprächsrunden und Ortstermine folgten, bis Fachverwaltung und Bürgerschaft sich angenähert haben. Sieben Jahre später, also bis Februar 2020, will die Stadt Bonn den Wasserspiegel des Holzlarer Sees abgesenkt haben.

In Kürze beginnt das Tiefbauamt mit den ersten Arbeitsschritten zur Renaturierung des Holtorfer Bachs und des Holzlarer Sees. Ziel ist die Verbesserung des Hochwasserschutzes und die Beseitigung ökologischer Defizite. Zunächst werden der Wasserspiegel des Sees abgesenkt und notwendige Baumfällungen ausgeführt. Fische werden dem See entnommen und umgesiedelt. Mit den eigentlichen Baumaßnahmen wird voraussichtlich nach der Laich- und Wanderzeit der Amphibien Ende Mai 2020 begonnen.

Umbau wegen EU-Richtlinie notwendig

Der Holzlarer See wurde laut Stadt 1975 in einer ehemaligen Tongrube als Hochwasserrückhaltebecken mit Dauerstau errichtet. Will heißen: Der See lockte mit einer sichtbaren Wasserfläche Spaziergänger an. Der Umbau ist laut Fachverwaltung zur Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie und der Hochwasser-Risikomanagement-Richtlinie erforderlich.

Zwischen dem Forstweg oberhalb des Hochwasserrückhaltebeckens und dem Bennerscheidweg soll der Holtorfer Bach ökologisch aufgewertet werden. Zur ökologischen Aufwertung sollen See und Bachlauf natürlich umgestaltet werden, um beispielsweise Wasserorganismen auch eine Wanderung bachaufwärts zu ermöglichen. Konkret heißt das: Der Holtorfer Bach wird ab dem Vorbecken in ein neues, offenes Bett rechts des Wegs verlegt und am See vorbeigeleitet. Bei Hochwasser sorgt eine Überlaufschwelle dafür, dass der Wasserüberschuss aus dem Bachbett in den Holzlarer See abfließen kann.

Besserer Hochwasserschutz: Wasserfläche wird auf Drittel verkleinert

Die Wasserfläche des Holzlarer Sees beträgt derzeit 0,4 Hektar; sie wird auf ein Drittel verkleinert und soll zusammen mit weiteren Wasserbaumaßnahmen die Funktion des Hochwasserrückhaltebeckens und damit den Schutz erheblich verbessern. Zusätzlich wird mit einer Absenkung des Dauerstaus im Holzlarer See eine Vergrößerung des Stauraumes geschaffen. Zusammen mit einer wasserstandsabhängigen Steuerung des Hochwasserrückhaltebeckens führt dies laut Stadt zu einer erheblichen Verbesserung des Hochwasserschutzes im gesamten Vilicher Bachsystem.

Der Rückstau des Hochwasserrückhaltebeckens in den Oberlauf des Holtorfer Baches soll künftig minimiert und die ökologische Durchgängigkeit des Baches wiederhergestellt werden. Hierzu wird ein Umgehungsgerinne für den Bachlauf geschaffen, damit das Fließgewässer aus dem Dauerstau herausgenommen wird und die Querbauwerke des technischen Hochwasserschutzes seine Durchgängigkeit nicht behindern. Das Umgehungsgerinne schafft eine Verbindung zwischen Ober- und Unterlauf vom Holzlarer See. Eine zusätzlich angelegte Niedrigwasserrinne ermöglicht demnächst eine eigendynamische Entwicklung des Baches, der laut Planer unmittelbar neben dem Weg eine Bereicherung des Landschaftsbildes bewirken wird.

Wasserqualität und Naherholungswert: Schwieriger Balanceakt

Konfliktpotenzial bestand darin, die von der Bezirksregierung Köln verlangten Anforderungen an den Hochwasserschutz und die Wasserqualität zu erfüllen, zugleich aber den Naherholungswert des Gebietes zu erhalten. In einem ersten Vorschlag sollte der Holzlarer See, der künstlich angelegt ist, verschwinden. Anwohner und Umweltschützer legten Einspruch ein. Der Kompromiss: Der See bleibt, wird aber verkleinert und der Wasserspiegel auf rund einen Meter abgesenkt.

Zwischen dem heutigen Drosselbauwerk des Holzlarer Sees und dem Bennerscheidweg soll das starke Geländegefälle mit mehreren sogenannten Sohlrampen überwunden werden. Eine Restwasserfläche des Dauerstaus im See wird als Amphibiengewässer erhalten bleiben.

Der Stadt zufolge wird der Umbau des Wassersystems Holzlarer See etwa eine Million Euro kosten. Das Tiefbauamt hat einen Förderantrag bei der Bezirksregierung gestellt. Erreichbar für die Verbesserung des Hochwasserschutzes ist eine 60-prozentige Förderung, für die Verbesserung der Durchgängigkeit nach Wasserrahmenrichtlinie (also Ökologie) ein 80-prozentiger Fördersatz möglich.

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