Von Zug erfasst: Trauer um 13-Jährigen am Bahnübergang Rüngsdorf

Von Zug erfasst : Trauer um 13-Jährigen am Bahnübergang Rüngsdorf

Nach dem Tod eines 13-Jährigen in Rüngsdorf herrscht große Trauer. Der Junge war am Donnerstagabend von einem Zug erfasst worden, nachdem er über die geschlossenen Bahnschranken kletterte. Auch der Lokführer wurde von Seelsorgern betreut.

Der starke, kalte Wind weht die Kerzen immer wieder aus. 15 Stück stehen auf dem kleinen Vorplatz am Bahnübergang des Rüngsdorfer Kapellenwegs. Jemand hat eine Plastiktüte mit Teelichten hingestellt, damit jeder, der möchte, eins anzünden kann. Die sonst so belebte Stelle, an der am Mittwochnachmittag ein 13-Jähriger von einem Zug erfasst und getötet wurde, ist ein Ort der Stille geworden. Autofahrer, die vor der Bahnschranke warten, halten inne. Fahrradfahrer steigen ab, starren auf die Markierungen, die die Polizei auf der Straße gemacht hat und beten. Viele Menschen, die den Jungen kannten, kommen vorbei.

„Das ist einfach nicht zu glauben, ein paar Stunden vorher habe ich ihn noch beim Einkaufen gesehen“, erzählt eine junge Mutter mit Tränen in den Augen. „Er war ein fröhlicher und aufgeweckter Junge.“ Die Frage nach dem „Warum“ will sie nicht stellen, kann es vielleicht auch nicht. „Es ist einfach nur traurig. Es war eine Dummheit, über den gesperrten Bahnübergang zu rennen.“ Zwei Schulkameraden des 13-Jährigen sind mit ihren Eltern da und hören der Frau zu. Die beiden Jugendlichen sagen kaum etwas. Ihre Gesichter sind bleich. Sie wollten unbedingt vorbeikommen, um eine Kerze anzuzünden.

Der Wind weht eine kleine Blumenvase um. „Ich komme nachher noch mal und schütte da wieder Wasser rein“, sagt eine Rentnerin. Sie findet, dass die Schutzmaßnahmen an den Gleisen besser werden müssen. „Ich sehe ständig Jugendliche und Kinder, die noch schnell über die Schranke klettern oder sich durch die Metallstäbe darunter zwängen, um rüberzukommen.“ Direkt neben dem Übergang, der für viele Kinder und Jugendliche auf dem Schulweg liegt, versperrt ein hoher Jägerzaun den Weg, 50 Meter weiter fehlt er. „Wer will, kommt rüber“, sagt sie. In diesem Moment rast ein Intercity vorbei. „Die sind so schnell und leise, die sieht und hört man nicht.“

Lokführer erlitt einen Schock

Was genau gegen 15.20 Uhr passiert ist, untersuchen Ermittler der Polizei. Wie der General-Anzeiger von Zeugen erfuhr, war der 13-Jährige mit zwei Freunden unterwegs. Sie warteten zunächst auf der Pennenfelder Seite des Bahnübergangs vor den Schranken. Laut Polizeisprecher Simon Rott war der 13-Jährige über die Schranke geklettert und hatte versucht, die Gleise in Richtung Rhein zu überqueren. Ob es eine Mutprobe war oder er noch schnell auf die andere Seite wollte – das weiß momentan niemand. Der Junge wurde von einem Intercity getroffen und tödlich verletzt. Rettungsdienst und Notarzt schafften es nicht mehr, ihn zu reanimieren.

Pater Jürgen Langer kümmerte sich mit drei speziell ausgebildeten Notfallseelsorgern und einer Notfallbegleiterin um die Augenzeugen, die das Unglück mit ansehen mussten. Dazu gehörte auch der Lokführer, der einen Schock erlitt. „Zunächst hieß es nur, dass er Betreuung bräuchte. Vor Ort wurde aber deutlich, dass noch mehr Menschen Hilfe benötigten“, sagt Langer. Eine muslimische Notfallbegleiterin, die türkisch spricht, betreute die Familie des 13-jährigen Jungen. Die Angehörigen, die in der Nähe wohnen, waren sofort zur Unfallstelle gekommen, als sie von dem Unglück erfuhren.

Mehrfach haben in den vergangenen Jahren in Bonn schwere Unfälle an Bahnübergängen Diskussionen über die dortige Sicherheitslage ausgelöst, obgleich die Übergänge in allen Fällen ordnungsgemäß gesichert waren. Im Fokus standen dabei zuletzt vor allem die Überwege der Stadtbahn. Die Stadtwerke appellieren deshalb regelmäßig an die Verkehrsteilnehmer, sich an die geltenden Regeln zu halten.

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