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Grounghopping am Rhing: Aggerstadion schrieb Sportgeschichte

Grounghopping am Rhing : Troisdorfer Aggerstadion schrieb Sportgeschichte

Bierhoff, Kahn und Scholl trainierten einst vor Tausenden im Troisdorfer Aggerstadion. Drogba und die Elfenbeinküste bereiteten sich hier auf den Confed-Cup vor. Auch die Leichtathletik-Sportfeste lockten echte Hochkaräter an.

Die Fans im Troisdorfer Aggerstadion sind begeistert. Da treten im Jahre 1999 Oliver Kahn, Oliver Bierhoff, Mehmet Scholl und Jens Jeremies direkt vor ihnen vor den Ball und absolvieren ihre Übungseinheiten mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Zwei Jahre später sind die Anhänger nicht minder angetan, als sie neben Kahn und Bierhoff unter anderem auch einen gewissen Miroslav Klose aus nächster Nähe beim Training unter Coach Rudi Völler beobachten können.

Gerade Klose dürfte nach einer beispiellosen Karriere die Tage in Troisdorf noch immer in bester Erinnerung haben. Der  Jungspund stand vor seinem Länderspieldebüt, das er wenige Tage später in der Leverkusener BayArena beim 2:1 in der Weltmeisterschafts-Qualifikation gegen Albanien gab. Schütze des Siegtreffers: Miroslav Klose.

Die glorreichen Zeiten sind vorbei

Doch die glorreichen Zeiten des Aggerstadions sind längst Vergangenheit. Die Zeiten, da der sorgsam gepflegte Rasenteppich der deutschen Fußball-Nationalmannschaft als Trainingsplatz diente. Die Zeiten, da sich Hunderte, ja sogar Tausende auf der Tribüne tummelten, wenn die Stars der nationalen Kicker-Szene öffentliche Übungseinheiten abhielten.

Die Zeiten, da auch internationale Spitzenteams wie Argentinien und die Elfenbeinküste mit ihrem Superstar Didier Drogba zur Vorbereitung auf große Turniere wie Confed-Cup und Weltmeisterschaft an die Agger kamen. Nicht umsonst diente das Stadion als Fifa-WM-Quartier beim deutschen Sommermärchen 2006.

Und die Zeiten, da in schöner Regelmäßigkeit auch mit internationalen Top-Stars besetzte Leichtathletik-Sportfeste stattfanden. Noch heute weisen spezielle Tafeln vor dem Eingang zum Stadion auf die große Bedeutung dieser Veranstaltungen und auf klangvolle Namen hin. Da taucht gleich zweimal – über 110 Meter Hürden und über 200 Meter – der Olympia-Zweite von 1984 über die Hürden, Greg Foster (USA), auf, da ist auch der Name des späteren ZDF-Sportchefs Wolf-Dieter Poschmann zu lesen – als Aktiver des TV Wattenscheid über 5000 Meter.

Die ersten Trainingseinheiten im Kreis der Nationalelf absolvierte der spätere Weltstar Miroslav Klose im Aggerstadion. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Ex-ZDF-Sportchef Poschmann am Start

Zurück zum Fußball. Was kaum noch jemand weiß: Sogar DFB-Rekordnationalspieler Lothar Matthäus lief im Aggerstadion auf: nach seinem Wechsel vom FC Bayern München in die USA mit den New York/New Jersey MetroStars in seinem letzten Spiel im Jahr 2000 beim 1:2 in einem Freundschaftsspiel gegen den 1. FC Köln. Eine denkwürdige Pressekonferenz folgte, wobei der damalige Kölner Coach Ewald Lienen als Dolmetscher in die Bresche sprang, als die Übersetzung des Statements seines Kollegen Octavio Zambrano nicht so recht funktionieren wollte.

 Eröffnet wurde das Aggerstadion im Jahr 1977. Viele Jahre lang war es die Heimstätte des damaligen Verbandsligisten SSV 05 Troisdorf, dessen Derbys gegen den Nachbarn und Erzrivalen Siegburger SV 04 stets vor großer Kulisse stattfanden. So manches heiße Gefecht wurde ausgetragen, die Zuschauer strömten in die Sportstätte, bildeten eine stimmungsvolle Kulisse. Zudem diente das Stadion Profi-Teams wie Bayer 04 Leverkusen oder dem 1. FC Köln als Stätte für Testspiele. Selbst Länderspiele, so etwa ein internationaler Auftritt der deutschen Frauen-Nationalelf und die Partie der damaligen deutschen Olympia-Auswahlmannschaft gegen Polen am 25. Februar 1992 (2:1), standen auf dem Programm.

Lang ist’s her: Im Jahre 1994 war Bernd Schuster nach einem Gastspiel mit Bayer Leverkusen von Autogrammjägern umlagert. Foto: Max Grönert

Stadionkapazität beträgt 5000 Plätze

Das Stadion verfügt insgesamt über etwa 5000 Plätze; davon sind 2000 überdachte Tribünenplätze. Zur WM 2006 wurden umfangreiche Modernisierungsmaßnahmen durchgeführt. So wurde unter anderem der gesamte Umkleidetrakt mit dem angeschlossenen Sanitärbereich erneuert; die Tribüne erhielt eine hochmoderne Beschallungsanlage. Bei weiteren Modernisierungen von April bis Oktober 2015 wurde der Hauptrasen neu eingesät. Auch die leichtathletischen Anlagen wie Umlaufbahn, Weitsprunggrube und Stabhochsprunganlage wurden saniert.

Und heute? Die Vorzeige-Anlage ist quasi zur fußballerischen Diaspora verkommen. Der ruhmreiche SSV 05 existiert nicht mehr; die SF Troisdorf 05, mit denen der Traditionsverein fusionierte, dümpeln inzwischen in der Kreisliga A vor sich hin und sind nicht zuletzt zwecks besserer Atmosphäre bei den wenigen Zuschauern wieder auf die altehrwürdige „Heide“ beziehungsweise ins Sportzentrum Oberlar umgezogen.

Und die deutsche Nationalelf kommt schon längst nicht mehr, seit ihr Luxus-Domizil, das Waldhotel Grunge im benachbarten Siegburg, 2003 geschlossen wurde. Schade drum. Was bleibt, ist die Erinnerung.