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Neuer Ärger über den Fußball-Verband Mittelrhein

Aufstiegsregelung : Es gibt neuen Ärger über den Fußball-Verband Mittelrhein

Einige zweitplatzierte Teams im Fußball-Verband Mittelrhein beklagen den Umgang der Verantwortlichen mit ihrer Idee für eine alternative Aufstiegsregelung. An diesem Wochenende soll sich in Hennef die Ligenstruktur und Fortsetzung des Spielbetriebs endgültig klären.

Dass die Corona-Pandemie auch den Sport fest im Griff hat, verdeutlichen die gähnend leeren Fußballstadien der Bundesliga. Dass auch der Amateurfußball betroffen ist, wird aktuell an einem ganz anderen Phänomen deutlich. Am Wochenende richtet sich der Blick der Fußballer im Verband Mittelrhein (FVM) gebannt Richtung Hennef. Per Videokonferenz wird von dort aus ein außerordentlicher Verbandstag abgehalten. Es geht um nicht weniger als den Abbruch der aktuellen Saison und die Modalitäten der kommenden Spielzeit.

Doch schon im Vorfeld schlägt die Veranstaltung hohe Wellen. Zunächst aufgrund des Sinneswandels des Verbandes, der die Saison zunächst um jeden Preis ab September fortführen wollte, dafür vehement warb, sich dann aber doch für den Abbruch aussprach. Vor allem, weil die Landesregierung Fußballspiele ab dem 30. Mai wieder für möglich hielt und damit einer regulären Saison 2020/2021 nichts mehr im Wege stünde. Vorausgesetzt, es gibt keine zweite Corona-Welle.

Komplizierte Auf- und Absteiger-Konstellationen

Aktuell beschäftigt einige Vereinsvertreter aber ein ganz anderes Problem. Der Verband spricht sich bei dem Abbruchszenario für keine Absteiger sowie jeweils nur einen Aufsteiger pro Staffel nach der Quotientenregelung aus. Das führt – wie berichtet – dazu, dass zum Teil Tabellenvierte plötzlich vor dem Aufstieg stehen, während einigen zweitplatzierten Teams aufgrund noch nicht ausgetragener Spiele nur wenige Zähler zum erhofften Gang in die höhere Liga fehlen.

So wie den Sportfreunden Ippendorf, die als Zweitplatzierter der Bonner Kreisliga A in die Röhre schauen würden. „In anderen Verbänden gehen die Tabellenzweiten mit hoch“, sagt Sebastian Grohs, Vorsitzender Seniorenfußball bei den Sportfreunden. Im Fußballverband Niederrhein steigen beispielsweise die ersten beiden Teams einer jeden Liga auf. „Ich verstehe nicht, warum das bei uns nicht möglich sein sollte“, sagt Grohs.

Der Ippendorfer holte ein Meinungsbild bei weiteren Tabellenzweiten ein. Gemeinsam erarbeiteten die Betroffenen Spielpläne und Staffeln. „Uns geht es dabei gar nicht um Kritik. Wir wollten eigentlich mit Ideen helfen.“ Gleich mehrere Vereinsvertreter schickten ihre Ideen an den FVM. „Im Wesentlichen wollen wir mehr Staffeln mit weniger Mannschaften“, erklärt Grohs. „Das hätte zum einen den Vorteil, dass es keine englischen Wochen oder Spiele an Feiertagen gäbe. Zum anderen würde eine zweite Corona-Welle bei einem Abbruch nicht zu einem ähnlichen Ausmaß wie jetzt führen.“ Schließlich stünden im schlimmsten Fall weniger Spiele aus als bei großen Staffeln.

Verband vermisst in den vorgetragenen Ideen ein klares Konzept

Die Ideen stoßen beim FVM indes auf wenig Gegenliebe. In einer E-Mail von Seiten des Verbandes heißt es, dass sie ein klares Konzept vermissen ließen, wie der angestrebte vermehrte Aufstieg in Zukunft „aufgelöst“ werden solle. Alle Vereinsvertreter erhielten offenbar denselben Textbaustein als Antwort. „Das passte zum Teil gar nicht auf meine Anfrage“, erzählt Grohs. „In den aufgezeichneten Vorschlägen gab es natürlich auch Ideen zu einer Rückkehr in den Normalbetrieb. Allerdings nicht in einem Jahr, sondern auf zwei Jahre begrenzt.“

Zum weiteren Austausch traf sich Grohs mit mehr als 30 weiteren Vertretern aus allen FVM-Kreisen in einer Videokonferenz und später in Euskirchen. „Es geht hier um die Meinung einiger Vereine und die sollten doch Gehör finden“, meint Grohs. Dementsprechend haben die Clubs Anträge für den außerordentlichen Verbandstag an ihre Delegierten weitergegeben.

Bestmögliche Lösung für die Mehrheit der Vereine finden

Ob diese vorgetragen werden, ist aber fraglich. Eine E-Mail, die dem GA vorliegt, sorgt für Unmut. In dieser beschreibt der Spielleiter Szenarien, dass zu viele Teams in wenigen Staffeln zu einer Dauerbelastung führen und den regulären Saison-Abschluss gefährden würden. Diese Bedenken bittet der Spielleiter die Kreisvorsitzenden bei der „Überlegung, ob man Wünsche, Vorschläge oder Anträge von Vereinen zum Aufstieg der Zweitplatzierten als Kreis einbringen möchte, zu berücksichtigen“. „Von unserem Vorschlag mit wenigen Mannschaften in vielen Staffeln ist keine Rede“, ärgert sich Grohs. „Im Grunde werden die Kreisvorsitzenden aufgefordert, sämtliche Anträge abzulehnen.“

Der Verband schreibt dazu auf GA-Anfrage: „Es hat zu keinem Zeitpunkt eine Aufforderung an Kreisvorsitzende gegeben, gegen einzelne Anträge zu stimmen. Es trifft auch nicht zu, dass die Kreisvorsitzenden die Delegierten entsprechend ‚briefen‘ sollten. Es ist allerdings Aufgabe und Pflicht der für den Spielbetrieb verantwortlichen Präsidiumsmitglieder, Vorschläge zu erarbeiten, die die aus ihrer fachlichen Sicht bestmögliche Lösung für die Mehrheit der Vereine darstellen. Dazu gehört auch, mögliche Konsequenzen von Anträgen für einen Verbandstag aufzuzeigen.“

Tatsächlich schreibt der Spielleiter in Bezug auf die Bitte an die Kreisvorsitzenden in der internen Mail, dass die Delegierten für die bedeutsame Problematik zu sensibilisieren seien. „Die Delegierten und Kreisvertreter müssen doch frei in ihrer Meinung sein. Hier werden sie ganz klar in eine Richtung gelenkt“, sagt Grohs.

Eine Vielzahl von Szenarien in der Diskussion

Auf eine weitere GA-Anfrage, ob es sich bei der Bitte des Spielleiters um ein übliches Vorgehen handelt und die Sensibilisierung eines demokratischen Meinungsbildes entspricht, geht der FVM nicht mehr ein. Dafür schreibt er: „Für den Abbruch einer Saison sind grundsätzlich mehrere Modelle im Hinblick auf Wertung und Umsetzung möglich. Es ist selbstverständlich im Verbandsspielausschuss eine Vielzahl an möglichen Szenarien, darunter auch eine Erhöhung der Staffeln, ausführlich diskutiert worden. Aufgabe des Verbandes ist es, eine gute Lösung für die größtmögliche Zahl seiner Vereine zu finden. Auch andere Vorschläge werden selbstverständlich respektiert und auf dem Verbandstag diskutiert.“

Nach GA-Informationen sind einige Delegierte und Kreisvorsitzende für die Vorschläge der Zweitplatzierten durchaus offen. Auch die Mail des Spielleiters soll laut Insidern verbandsintern zum Teil äußerst kontrovers diskutiert worden sein. Ob sie auf dem Verbandstag angesprochen wird, ist unklar. So oder so erfährt der Verbandstag in diesen Corona-Zeiten eine ungeahnte Aufmerksamkeit.