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Bonner SC setzt künftig auf junge Spieler aus der Region

Fußball-Regionalliga : Bonner SC setzt künftig auf Nachwuchs aus der Region

Der sogenannte #bonnerweg als Ziel zum Profifußball nimmt eine Abzweigung: In Zeiten der Corona-Pandemie will und muss der Fußball-Regionalligist Bonner SC auf junge Spieler aus der Region setzen.

Auf dem fest geplanten und häufiger propagierten geraden Weg zum Profifußball muss Regionalligist Bonner SC nicht ganz freiwillig eine Abfahrt nehmen. Eine vollkommene Abkehr vom eigentlichen Ziel sei der sogenannte #bonnerweg allerdings nicht. „Es ist richtig, dass wir einen Umbruch vollziehen und verstärkt auf junge Spieler aus der Region setzen wollen“, sagt Dirk Mazurkiewicz. „Wir sind uns in Vorstand, Aufsichtsrat und sportlicher Leitung zu 100 Prozent einig, dass dieser Umbruch notwendig ist. Die aktuelle Ungewissheit in Zeiten von Corona verlangt von uns wirtschaftlich mehr Vorsicht“, fügt der BSC-Vorstandsvorsitzende hinzu.

Die Kosten für den Kader der Regionalligamannschaft seien zunächst einmal 25 Prozent geringer als vor dieser Spielzeit. „Damit haben wir alle Risiken eingepreist“, sagt Mazurkiewicz. „Aber bei uns müssen und sollen weiterhin Spieler zum Einsatz kommen, die Ambitionen haben, Profi zu werden.“ Dagegen wäre es kein Fortschritt, mehrheitlich mit gestandenen Regionalliga-Fußballern zu arbeiten.

Auch das Umfeld muss laut Mazurkiewicz professionell bleiben und sich deutlich von Mannschaften unterscheiden, die zum Beispiel in der Mittelrheinliga spielen. So betont der BSC-Vorstandsvorsitzende, dass angesichts der zu erwartenden vielen englischen Wochen Spieler gebraucht werden, die auch tagsüber verfügbar sind. Auch die gesundheitliche Betreuung der Spieler soll sich angesichts der Belastungen, die in einer Liga mit womöglich 24 Mannschaften zu erwarten sind, von Profiteams kaum unterscheiden. Der Trainingsauftakt, den BSC-Cheftrainer Thorsten Nehrbauer nach einem Leistungstest Mitte Juli für Anfang August plant, wird demnach mit der neuen Mannschaft erfolgen.

Neue Spielzeit wird eine „enorme Herausforderung“

Der derzeitige Kader ist über den bevorstehenden Abbruch der aktuellen Saison informiert. Eine entsprechende Entscheidung soll auf dem Verbandstag des Westdeutschen Fußballverbandes (WDFV) am 20. Juni erfolgen. Der Saisonstart 2020/2021 ist für Anfang September geplant.

Mit dem „#bonnerweg“ und dem heterogenen Sponsorenpool sieht Mazurkiewicz den BSC für die Zeit während und nach der Corona-Pandemie gut aufgestellt. „Wir sind unabhängiger als manche Vereine, die auf ihre große Zuschauerzahl oder finanzkräftige Mäzene angewiesen sind.“ Dank der laut Mazurkiewicz unglaublichen Solidarität von Trainerteam und Regionalliga-Mannschaft, aber auch dank der Unterstützung der Jugendabteilung, der Fans, der Mitglieder, Gönner und Sponsoren ist der BSC bislang mit einem blauen Auge durch die Corona-Krise gekommen.

„Die neue Spielzeit wird dennoch eine enorme Herausforderung. Wir planen im Sponsoring aktuell mit Rückgängen von etwa 20 bis 30 Prozent und wissen auch nicht, wie es mit den Zuschauereinnahmen weitergeht“, sagt der BSC-Vorsitzende. „Insgesamt spiegelt der #bonnerweg das Verhalten der Liga wider.“ Auch andere Vereine müssten den Spagat zwischen wirtschaftlicher Notwendigkeit und sportlichen Ambitionen schaffen.

Was die Kaderplanung betrifft, spricht der BSC-Aufsichtsratsvorsitzende Michael Pieck in einer Pressemeldung des Vereins auch von schmerzlichen Entscheidungen. „Die Trennung von Mario Weber tut richtig weh. Das hätten wir mit aller verbundenen Wertschätzung für Mario und seinen Einsatz für die Rheinlöwen besser kommunizieren müssen – trotz Corona und der sich daraus ergebenden schwierigen Rahmenbedingungen. Dafür entschuldige ich mich persönlich im Namen des Vorstands und Aufsichtsrates.“

Nehrbauer und Mario Neunaber, der Sportliche Leiter des BSC, unterstützen die neue Marschrichtung. „Mit dem #bonnerweg setzen wir in Zukunft konsequent auf unsere Jugendarbeit und wollen junge, talentierte Spieler aus Bonn und der Umgebung fördern und fordern“, sagt Neunaber: „Leider gehört es in der Konsequenz auch dazu, Personalentscheidungen zu treffen, bei denen es zu Härtefällen kommt.“