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FVM: Verband will Fußball-Saison in den Amateurligen doch abbrechen

Kehrtwende im Amateurfußball : Fußballverband Mittelrhein will Saison nun doch abbrechen

Kehrtwende im Fußballverband Mittelrhein: Die unterbrochene Spielzeit soll nicht mehr aufgenommen werden. Das empfehlen Präsidium und Verbandsjugendausschuss des Fußballverbandes Mittelrhein.

Freud und Leid liegen im Sport bekanntermaßen nah beieinander. Laut Quotient im Fall der Bonner Kreisliga A genau 0,04 Punkte. Denn nach aktueller Lage reichen genau diese wenigen Zähler dem FV Endenich II aus, um im kommenden Jahr Bezirksliga zu spielen. Die Sportfreunde Ippendorf, in der vergangenen Saison bereits knapp am Aufstieg vorbeigeschrammt, müssten ein weiteres Jahr in der obersten Kreisklasse des Verbandes spielen. „Das ist fatal“, sagt dementsprechend Ippendorfs Vorsitzender Sebastian Grohs. „Ich komme mir schon ein wenig veräppelt vor.“

Grund für die Verbitterung ist die Empfehlung des Fußballverbandes Mittelrhein (FVM), die Saison nun doch vorzeitig abzubrechen. Nach der Idee des FVM wird es demnach nur einen Aufsteiger nach der Quotientenregelung sowie keine Absteiger geben. Ippendorf hatte zur Zeit der Corona bedingten Spielunterbrechung drei Punkte weniger als der Spitzenreiter aus Endenich auf dem Konto, allerdings auch noch ein Nachholspiel gegen Salia Sechtem zu absolvieren. Ein Sieg gegen den Tabellenzwölften hätte Ippendorf zur Tabellenführung und damit zum Aufstieg gereicht.

Besonders bitter: Bis vor wenigen Tagen hatten die Sportfreunde die Hoffnung, die aktuelle Spielzeit würde nach der Sommerpause zu Ende gespielt werden. Dafür hatte der FVM vehement geworben und vor drei Wochen ein Meinungsbild eingeholt, bei dem sich eine hauchdünne Mehrheit für die Fortsetzung ausgesprochen hatte. Der Verband war teils heftig kritisiert worden, weil er sogar noch unmittelbar vor Ende des Votings für den Vorschlag warb.

Entscheidung soll Mitte Juni bestätigt werden

Ein Hintergrund für die Kehrtwende ist der Erlass der NRW-Regierung, dass ab dem 30. Mai Kontakt- und Mannschaftssport wieder möglich seien. Das würde bedeuten, dass dem Auftakt einer neuen Spielzeit, eben zum 1. September, mit geregelter Saisonvorbereitung nichts mehr im Wege stehen würde. „Das hat die Gremien des FVM dazu bewogen, die ursprüngliche Empfehlung zur Fortsetzung der Saison zu überdenken und schließlich zu revidieren.

Darüber hinaus hatte ein zuvor vom FVM bei seinen Vereinen eingeholtes Meinungsbild zum weiteren Umgang mit der Saison zu keinem eindeutigen Ergebnis geführt“, heißt es in einem Statement des Verbandes. Ein Argument des FVM pro Fortsetzung der aktuellen Saison lautete, mindestens eine der beiden Spielzeiten bis zum Sommer 2021 komplett zu Ende zu bringen. Der Verband bevorzugte die aktuelle, weil nicht sicher sei, ob die kommende in voller Gänze gespielt werden könne.

Nun soll die Saison also doch vorzeitig beendet werden. Auf einem außerordentlichen Jugendverbandstag sowie Verbandstag am 20. und 21. Juni soll die Entscheidung bestätigt werden. „Der Vorschlag der Verbandsgremien sieht vor, dass es bei einer Beendigung der Saison einen Aufsteiger pro Staffel, aber keine Absteiger geben soll. Dies gilt für alle Meisterschaftsspielklassen auf Verbands- und Kreisebene der Herren und Frauen inklusive Futsal sowie im Jugendspielbetrieb. Die Aufsteiger sollen anhand der Quotientenregelung ermittelt werden“, heißt es weiter in der Mitteilung des FVM. Nach dieser Rechnung wäre der FV Endenich II Aufsteiger. „Wenn der Vorschlag bestätigt wird, freue ich mich für die Mannschaft, die Spieler und die Trainer“, sagt der sportliche Leiter, Hansi Langen. „Auf uns würde in diesem Fall aber auch viel Arbeit zukommen. Es ist nicht einfach, eine Landes- und eine Bezirksliga-Mannschaft zu betreiben. Mitgefühl habe ich für die Sportfreunde. Unterm Strich haben es sich unsere Jungs aber verdient.“

Abbruch der Spielzeit bedeutet ein erhöhtes Klagerisiko

Der Verband hatte indes immer wieder betont, dass der Abbruch der Spielzeit ein erhöhtes Klagerisiko mit sich führe. Vereine, die sich nach Entscheidungen am grünen Tisch benachteiligt fühlen, könnten gegen diese klagen. Auch daher war der Verband für die Fortsetzung der Saison. Dieses Risiko bleibt nun bestehen. Vor einem Jahr hatte es einen Rechtsstreitmarathon gegeben, der in die Verlegung des 1. Spieltags mündete. Auch der 1. FC Niederkassel war damals involviert, stieg letztlich in die Bezirksliga auf.

Sollte es zu dem anvisierten Abbruch kommen, würde Niederkassel trotz Abstiegsplatz die Klasse halten. „Die Freude war damals schon gedämpft“, sagt der 1. Vorsitzende, Marc Pfister. „Sie ist es dieses Mal auch. Seit zwei Monaten ruht der Ball, es ist eine merkwürdige Zeit. Aber natürlich sollten solche Entscheidungen auf dem grünen Rasen und nicht am grünen Tisch fallen.“ Der Vorsitzende aus Niederkassel befürchtet, dass es Klagen geben könnte. „Der FVM macht einen guten Job. Das hat er in der vergangenen Saison bewiesen, als er einen offenen Dialog gesucht hat“, so Pfister. „Jetzt möchte ich auch nicht den Job des FVM machen müssen. Ich hoffe, dass durch Gespräche viele Problemfälle wegfallen. Alle Vereine werden aber nicht zufrieden sein.“

Sollte die Empfehlung des FVM bestätigt werden, ist allerdings der Schwebezustand der Vereine vorerst beendet. Die Planung für die kommende Spielzeit kann beginnen, eine reguläre Saisonvorbereitung wäre denkbar. „Corona ist ja noch nicht vorbei“, warnt aber Pfister. Insofern könnte es schon bald die nächste Kehrtwende geben.