1. Sport
  2. 1. FC Köln

1.FC Köln gegen Mainz 05: So erlebte unser Reporter das Geisterspiel beim 1. FC Köln

Gegen Mainz 05 : So erlebte unser Reporter das Geisterspiel beim 1. FC Köln

Zum Spiel des 1. FC Köln gegen den 1. FSV Mainz 05 im Rheinenergiestadion sind nur wenige Journalisten zugelassen, dazu gehört auch unser Reporter. Ein Erfahrungsbericht.

Die Vertreter des Bundesliga-Fußballs haben mit ihrem Konzept zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs den erhofften Erfolg erzielt. Im Ausland mehr noch als hierzulande werden die Maßnahmen gefeiert, will man ihnen nacheifern. Dabei wurde vielfach darüber hinweggesehen, wie widersprüchlich manche Vorgaben sind. Immerhin fragte man sich in der französischen Sportzeitung „L’Equipe“, warum die Fußballer im Spielertunnel Abstand halten müssen, um auf dem Platz bei Eckbällen „fast aufeinanderzuklettern“.

Unverständlich ist so manches bei diesen Corona-Spielen, wie diese persönlichen Erfahrungen von Sonntagnachmittag im Rheinenergie-Stadion zeigen. Bis zum März war es üblich, dass wir Journalisten am Stadioneingang unsere Akkreditierung vorzeigten, uns einer Taschenkontrolle und Leibesvisitation unterzogen. Beim Betreten des Pressebereichs wurde nochmals auf die Pressekarte geschaut. Das war’s.

Diesmal fand die erste Kontrolle mit Namens-Überprüfung schon beim Verlassen des Parkplatzes statt. Die zweite folgte beim Betreten des Stadionumfeldes. Da die Dauerakkreditierung keine Gültigkeit mehr hat, durfte der Presseeingang zunächst nicht benutzt werden. Die Türen eines neuen Einlasses öffneten sich wie von Geisterhand, dahinter wurde die Journalisten-Temperatur gemessen: 36,4 Grad, die nächste Hürde war genommen.

Dann war ein zuvor zugemailter, ausgedruckter und ausgefüllter zweiseitiger Fragebogen abzugeben, und ein Abgleich mit dem Personalausweis wurde vorgenommen. Alles hatte seine Richtigkeit, weshalb die nächste Mitarbeiterin ein gelbes Armband „verlieh“. Aufdruck: der ursprüngliche Spieltermin; 14. März. Damals war das Bändchen für Vip-Gäste bestimmt. Die jetzige Bedeutung erschloss sich nicht. Zwei Meter dahinter gab es die Tagesakkreditierung.

Mit der ging es wieder aus dem Stadion, zwanzig Meter zurück zum Medieneingang. Bei den aus der Vor-Corona-Zeit bekannten Mitarbeitern des Wachdienstes Luchs folgten die Kontrollen sieben und acht einschließlich der Begutachtung der Arbeitsutensilien. Nach der neunten Überprüfung öffnete sich die Tür zum Pressebereich.

Verschlossener Presseraum

Diesmal aber gab es kein Abbiegen in den Presseraum. Der war für die insgesamt nur zehn zugelassenen schreibenden Journalisten, die ebenso vielen Fernseh- und Rundfunkreporter sowie drei Fotografen verschlossen. Der Mindestabstand sollte gewahrt bleiben. Deshalb ging es nach Kontrolle Nummer zehn sofort zum Arbeitsplatz auf der Pressetribüne. Wo sonst neun Kollegen in einer Reihe arbeiteten, durften nun je zwei Journalisten drei Meter voneinander entfernt sitzen.

„Das ist schon grotesk. Auf der Fahrt zum Stadion sah man die Menschen in den Straßen-Cafés und Lokalen ohne Atemschutz essen und trinken oder beim Spaziergehen. Und hier muss man die störenden Masken tragen, obwohl man sich ebenso an der frischen Luft aufhält“, ärgerte sich ein Spielbeobachter.

Nur die 22 Spieler auf dem Platz, die Trainer, Schieds- und Linienrichter waren von der Atemschutzpflicht befreit. Grotesk wurde es nach dem Abpfiff. Da mussten während der Partie ausgewechselte Spieler, die zum Verabschieden von Gegner und Unparteiischen auf den Rasen kamen, dies nun mit Mundschutz tun. Dabei hatten sich alle während der vorangegangenen zwei Wochen vier- bis fünfmal einem Corona-Test unterzogen, der jeweils negativ ausgefallen war.

Wie in früheren Zeiten bildete auch diesmal die Pressekonferenz den Abschluss des offiziellen Teils des Spiels. Dabei sitzen die Trainer in Köln rund vier Meter weit auseinander, zwischen ihnen die FC-Pressesprecherin Lil Zercher. Diesmal reichte das nicht. Die Trainer mussten einzeln Platz nehmen und Antworten auf Fragen der zehn Journalisten geben, die diese virtuell via Laptop von der Tribüne aus stellten.

Nach viereinhalbstündigem Aufenthalt durfte beim Verlassen des Stadiongeländes der Atemschutz abgenommen werden. Nebenan, auf der Beachvolleyball-Anlage, wurde noch gespielt – mit Körperkontakt und ohne Schutz für Mund und Nase. Man kam sich vor wie in einer anderen Welt.