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Kirschessigfliege: Bauern in Bornheim mit Netzen gegen Schädling

Kirschessigfliege : Wie Bauern in der Region gegen einen nimmersatten Schädling vorgehen

Obstbauer Roland Schmitz-Hübsch schützt seine 2,5 Hektar große Plantage in Merten mit großem Aufwand gegen einen ganz besonderen Schädling. Die Larven fressen sich nämlich durch die reifen Früchte.

Eine durchsichtige Folie, darunter ein engmaschiges Netz, der Eingang mit einem Eisentor samt Schloss gesichert. Das Konstrukt zwischen den Feldern in Merten ähnelt einem alternativen Gewächshaus und riegelt die Süßkirschen auf der 2,5 Hektar großen Plantage hermetisch ab. Die Früchte sollen nicht etwa vor dem Zugriff von Obstdieben geschützt werden, die Sicherheitsvorkehrungen sollen die Kirschessigfliege abwehren.

Die eingeschleppten Insekten, deren Larven sich seit 2012 in Nordrhein-Westfalen durch Plantagen fressen, sind ausgesprochen heimtückisch. Drosophila suzukii ritzt mit einem sägeartigen Legebohrer ein Loch in die Haut und legt ihre Eier in die Frucht. Nicht nur in Kirschen, sondern sämtliches Obst mit weicher Schale. Die Larven fressen das Innere der Frucht, nach nur 14 Tagen ist die nächste Generation mit der Eiablage am Start.

Eingenetzte Plantage ist Teil  eines bundesweiten Projekts

Die Folgen des nimmersatten Schädlings sind ungenießbares Obst und sinkende Ernteerträge. Diese Gefahren hat Obstbauer Roland Schmitz-Hübsch schon früh erkannt. Schon 2008 hat der 45-Jährige Netze aufgestellt, um Kirschfruchtfliegen abzuhalten. Diese waren noch grobmaschig in einer Breite von 1,5 Millimeter. Als die Plantage 2014 dann von der Kirschessigfliege bedroht wurde, tauschte der Mertener die bisherigen durch engmaschigere 0,8- Millimeter-Netze aus. Die überlangen Netze wurden am Boden mit Ziegelsteinen beschwert.

Die Einnetzung wertet Schmitz-Hüsch als überaus erfolgreich, denn „der Befall durch die Kirschessigfliege hält sich in Grenzen“. Seit fünf Jahren ist seine Plantage Teil des bundesweiten Demonstrationsprojekts „Einnetzen von Obstkulturen zum Schutz gegen die Kirschessigfliege“ des Julius-Kühn-Instituts (Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen) und der Landwirtschaftskammern der beteiligten Bundesländer. Der Betrieb in Merten ist einer von nur sechs im südlichen Nordrhein-Westfalen und nördlichen Rheinland-Pfalz. Das Einnetzen soll als eine nicht-chemische Variante etabliert werden, um immer mehr einen nachhaltigen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft zu realisieren.

In Merten wurden Messstationen und Fliegenfallen installiert, wöchentlich wird der Erfolg der Einnetzung durch Probenentnahmen kontrolliert. „Mir ist das engmaschige Monitoring ausgesprochen wichtig. Per Whatsapp werde ich einmal in der Woche über einen Befall informiert. Sollte solch einer vorliegen, könnte ich diesen mit biologischen Insektiziden wie Spintor reduzieren“, sagt Schmjtz-Hübsch.

Seit Anfang Juni werden die Frühkirschen geerntet. Bei seinen Rundgängen durch die Plantage pflückt und probiert er hier und da mal eine „Bellise“ oder eine „Samba“, prüft die Qualität und wie aromatisch die Früchte schmecken. Zehn verschiedene Früh-, Mittel- und Spätsorten kommen in den Verkauf. Mit 7,50 Euro pro Kilo ist die Frühsorte „Bellise“ 60 Cent teurer als im vergangenen Jahr. Grund ist der schon jetzt absehbare geringere Ertrag, „wegen der Frostnächte während der Blütezeit Anfang April“, erklärte Seniorchef Elmar Schmitz-Hübsch. Sohn Roland ergänzt, dass mit einem Drittel besonders die Spätsorte „Kordia“ betroffen sei. Sie ist nicht nur des Chefs Liebling, sondern auch ausgesprochen empfindliche. „Die Blüten sind ungeöffnet erfroren.“

Saisonarbeiter pflücken die einzelnen Früchte samt Stiel und legen sie vorsichtig in einen Behälter. Für Malina Wachala ist die Arbeit Routine. Seit 20 Jahren reist sie von Polen nach Merten, um bei der Ernte zu helfen – trotz Corona. „Ich wollte unbedingt kommen, weil mir die Arbeit auch Spaß macht“, sagt die 42-Jährige. Sie und ihre drei polnischen Kollegen verbrachten die ersten 14 Tage in Quarantäne, seitdem wohnen sie zu zweit in bereitgestellten Zimmern auf dem Betriebsgelände. „Wir haben uns auf die Abstandsregeln eingestellt. Während der Quarantäne leben und arbeiten die Saisonarbeiter völlig getrennt. Für diese Zeit haben wir eigens ein Haus angemietet“, erläutert Schmitz-Hübsch.