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Abiball im Rhein-Sieg-Kreis: Abiturienten feiern ihren Abschluss trotz Corona

Abiball im Rhein-Sieg-Kreis : Abiturienten feiern ihren Abschluss trotz Corona

Die Abiturienten müssen in diesem Jahr auf große Abschlussbälle verzichten, manche bleiben auf den Kosten für geplante Partys sitzen. Die Absolventen im Rhein-Sieg-Kreis feierten dennoch einen würdigen Abschluss ihrer Schulzeit.

Am meisten dürfte die Abi­turienten der dank Corona sang- und klanglose Abschied von ihrer Schulzeit schmerzen, denn rauschende Feste verbieten sich. Damit dennoch ein bisschen Glamour zu spüren ist, sind viele kreativ geworden.

Ihre Highheels dürfen die Abiturientinnen des Gymnasiums Siegburg Alleestraße allenfalls in Händen, nicht aber an ihren Füßen tragen. „Das geht leider nicht“, sagt Schulleiterin Sabine Trautwein mit Blick auf Tartanbahn und Kunstrasen. Die bilden am Donnerstag die Kulisse für die Abiturfeier ihrer Schule: Statt in der Schulaula erhält ihre Abiturientia 2020 die Zeugnisse im Walter-Mundorf-Stadion.

„In diesem Jahr ist alles anders“, sagt Trautwein. Ihre 100 Abiturienten haben nicht nur unter außergewöhnlichen Bedingungen ihre Prüfungen absolviert, ihre lang geplante Motto-Woche fiel ebenso aus wie der Abiball. Geblieben sind 4000 Euro Stornokosten für den in Köln gelegenen Veranstaltungsort. Geld, das aktuell auf den Schülern, die den Ball selbst organisieren und finanzieren, lastet. Die Schule unterstütze wo möglich dabei, sie von dieser Last zu befreien.

Bis zu 400 Gäste in Siegburg

„Wir wollten unseren Schülern nach diesen schwierigen Zeiten wenigstens einen schönen Abschluss schenken“, sagt Trautwein. „Uns war es wichtig, dass auch die Eltern dabei sein können“, betont die Schulleiterin, die bis zu 400 Gäste erwartet. Die finden dort, wo sonst die Fußballer des Siegburger SV 04 spielen und die Leichtathleten des LAZ Puma Rhein-Sieg und des TV Kaldauen trainieren, ausreichend Platz. Bei Stadt und Stadionbetreiber seien sie mit ihrer Idee auf fruchtbaren Boden gestoßen. „Sie haben uns bei der Organisation sehr unterstützt“, sagt sie.

So gibt es etwa eine Bühne für die Zeugnisverleihung. Während im Innenraum 120 Stühle für Abiturienten, Lehrer und Ehrengäste bereitstehen, können die Verwandten auf der Tribüne sitzen. „Wir werden Plätze fest zuweisen, alle Kontaktdaten aufnehmen und überall die notwendigen Abstände einhalten“, gewährt die Schulleiterin Einblick in den Hygieneplan. Die Schulband spielt, und sie rollen ihren Schülern einen 30 Meter langen roten Teppich aus. „Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen.“

 Auf das setzt auch das Niederkasseler Kopernikus-Gymnasium, das seine Entlassfeier auf den Schulhof verlegt. Nach Bonn zog es hingegen die Abiturienten des Städtischen Gymnasiums Hennef, genauer ins dortige Autokino. Das Anno-Gymnasium und seine Abiturienten blieben in der Rhein-Sieg-Halle im engsten Kreis. Allerdings durften Geschwister, Großeltern und Freunde dann doch irgendwie dabei sein – via Livestream.

Abizeugnisse auf dem Sportplatz in Königswinter

Das Ende ihrer Schulzeit hatten sich auch die 135 Abiturienten an der CJD Christophorus Schule in Königswinter ganz anders vorgestellt. Doch für sie soll es am Freitag immerhin eine würdige Abschlussfeier geben, „von der wir hoffen, dass sie all die Entbehrungen wenigstens ein bisschen wettmachen kann“, so Schulleiter Wilhelm Meyer. Dank der neuesten Corona-Schutzverordnung darf jetzt sogar gemeinsam gefeiert werden. Den Anfang macht ein Gottesdienst aller Abiturienten in der nahe gelegenen Kirche.

Nach dem feierlichen Auszug und einem Fototermin auf dem Schulhof – „natürlich mit gebührendem Abstand, aber hoffentlich ohne Masken“ – findet dann die Verleihung der Abiturzeugnisse auf dem Sportplatz statt. Hierzu sind auch die Eltern eingeladen. Insgesamt rechnen die Organisatoren mit 450 Teilnehmern, für die - auf dem ganzen Sportplatz verteilt - Stehtische aufgebaut werden. Stadt und Ordnungsamt haben dazu ihr Okay geben.

„Maximal dürfen sich Personen aus zwei Haushalten an einem Tisch aufhalten“, erläutert Meyer. Er verrät, dass es bei der Übergabe der Zeugnisse dann ein bisschen zugehen soll, wie auf einer Siegerehrung bei den Olympischen Spielen. Als „Treppchen“ wird dafür die Sportplatztribüne festlich herausgeputzt. Meyers großes Lob gilt den Eltern und der Schulpflegschaft, die alle tatkräftig mithelfen, damit für die jungen Leute dieser allerletzte Tag an ihrer Schule ein unvergesslicher wird – im positiven Sinne.

Feier unter freiem Himmel in Bad Honnef

Auch am Siebengebirgsgymnasium in Bad Honnef findet am Freitag eine „Open-Air-Abschlussfeier“ statt. In drei Gruppen werden die Schüler auf dem Schulhof nacheinander ihre Abiturzeugnisse in Empfang nehmen. Eltern oder Geschwister dürfen ebenfalls mit dabei sein, „erlaubt sind zwei Begleitpersonen“, berichtet Abiturient Lorenz Gaupp, der als einer der Stufensprecher die Feier mitorganisiert. Statt dem Abiball im Forum in Windhagen soll es dann abends ein Treffen von Abiturienten und Lehrern auf dem Schulhof geben.

„Lange Zeit wussten wir nicht, ob wir überhaupt etwas machen können“, so Gaupp. Keine Mottowoche, kein Abiball, „wir konnten ja noch nicht mal richtig Lebewohl sagen“ — die Enttäuschung unter den Schülern sei da schon sehr groß gewesen. „Die Feiern sind ja das Schönste an der Abizeit. Aber jetzt denken wir nicht mehr darüber nach, was gewesen wäre, sondern schauen nach vorne.“

Immerhin sind die Schüler nicht auf Stornokosten für ihren abgesagten Abiball sitzen geblieben. „Wir haben unsere Anzahlung ohne Diskussionen zurückerhalten“, sagt Gaupp. Das Geld wird nun in die Abschlussfeier auf dem Schulhof investiert werden, „zum Beispiel für Deko und Musik. Wir werden es uns richtig schön machen“. Auch ein kleines Bühnenprogramm mit Musik, Sketchen und Spielen soll es geben. „Aber das Wichtigste ist, dass wir alle noch mal zusammen sein können. Einige habe ich schon seit drei Monaten nicht mehr gesehen.“

Mit Flammenwerfer im Autokino Rheinbach

Stilecht konnten die Abiturienten des Meckenheimer Konrad-Adenauer-Gymnasiums (Kag) im Autokino Rheinbach ihren Abschluss feiern. Wo in den vergangenen Wochen Filmfans saßen, reihten sich am Freitagabend Absolventen und ihre Familien in Autos nebeneinander auf. Die Firma Wotec, die das Autokino mitveranstaltet, hatte 2019 die Technik am Abiball des Kags gestellt. „Wenn man jetzt Abi­tur macht, will man auch jetzt feiern“, findet Wotec-Mitarbeiter Maximilian Oldenettel. So habe die Firma den Kontakt zur Schule erneut aufgenommen, um das Autokino als Location anzubieten. Ein Drei-Gänge-Menü mit Fingerfood gab es am Einlass in Snacktüten. Ein DJ sorgte für Musik. Nach Reden und Musikaufführungen durften die Schüler einzeln auf die geschmückte Bühne, um ihr Zeugnis in Empfang zu nehmen. Auf dem Weg schritten sie in Anzug oder Abendkleid über einen roten Teppich, flankiert von zwei Flammenwerfern, die für den passenden Glamour sorgte.

Die Bilder mehrerer Kameras wurden live auf zwei LED-Wänden an der Bühne übertragen, der Ton gelangte per UKW ins Autoradio. Am Mittwoch wird laut Oldenettel auch das Städtische Gymnasium Rheinbach im Autokino feiern. Statt für eine große Veranstaltung entschied sich die Europaschule in Bornheim für sechs kleinere Feiern. Aufgeteilt nach Leistungskursen feiern die rund 120 Abi­turienten am Freitag in der Aula mit ihren Familien, berichtet Schulleiter Eike Brandt, „so dass das Ganze einen würdigen Rahmen hat“.

Auf Musik und Chor müsse man leider verzichten, auch der traditionelle Sektempfang müsse ausfallen. Dafür könne sich jeder Absolvent über eine Piccoloflasche Sekt an seinem Platz freuen. Probleme bei der Stornierung des bereits geplanten Abiballs gab es laut Brandt nicht. Gleiches gilt für das Kag, wie Sekretärin Cornelia Schlagwein bestätigte. So haben die Absolventen das beste aus der Krise gemacht.