RE9 und S12 auf Siegstrecke Köln-Siegen: Ausschuss lehnt Erweiterung erneut ab

Keine Erweiterung : Zweigleisiger Ausbau der Siegstrecke erneut abgelehnt

Der Ausschuss des Rhein-Sieg-Kreises für Planung und Verkehr spricht sich erneut gegen eine Erweiterung der Siegstrecke auf zwei Gleise aus. Zuletzt stand die Debatte im Juni 2015 auf der Tagesordnung.

Es war nicht das erste Mal, dass ein Ausbau der Siegstrecke von Politikern im Rhein-Sieg-Kreis diskutiert wurde. Zuletzt stand die Debatte im Juni 2015 auf der Tagesordnung – und blieb damals erfolglos. Das Ergebnis war auch in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Planung und Verkehr dasselbe: Mehrheitlich stimmten die Fraktionen gegen eine Erweiterung der Strecke. Sie lehnten damit einen Antrag von Linken, Piraten und Freien Wählern ab.

„Engstellen, die den Verkehr nur in eine Richtung zulassen, sind zu erweitern“, hieß es in eben jenem Antrag. Seit der letzten Entscheidung zur Siegstrecke seien vier Jahre vergangen. „Es müsste mittlerweile bei jedem angekommen sein, dass der Klimawandel fortschreitet und wir mehr Güter auf die Gleise bringen müssen“, sagte Anja Moersch (Piraten) im Ausschuss am Dienstagabend.

Dass der Klimaschutz tatsächlich eine veränderte Voraussetzung in der Diskussion sei, bestätigte Björn Franken (CDU) zwar. Jedoch ergänzte das Ausschussmitglied: „Wir glauben aber nicht, dass der Ausbau der Strecke das große Rad drehen wird.“ Im Gegenteil bestehe die Gefahr, dass das Siegtal durch eine solche Erweiterung durch zu viele Güterzüge überlastet werde, die vom Rheintal umgeleitet würden.

Strecke bis heute nur eingleisig genutzt

Die Siegstrecke führt von Köln über Troisdorf, Siegburg, Hennef und Windeck-Au nach Siegen. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie auf großen Teilen zerstört. Seit 1991 fahren S-Bahnen zwischen Troisdorf und Siegburg wieder auf zwei Gleisen über die Agger. Zwei Streckenabschnitte auf insgesamt fünf Kilometern Länge sind bis heute allerdings nur eingleisig in Betrieb. Dies betrifft die Abschnitte zwischen Hennef-Blankenberg und Merten sowie Windeck-Schladern und Rosbach. Genutzt wird die Verbindung unter anderem von der S12, S13 und dem RE9.

„Die Strecke ist marode und überlastet“, sagte Friedrich-Wilhelm Kuhlmann (FDP). Eine grundlegende Sanierung und ein wirksamer Schallschutz seien notwendig. „Die Strecke muss im Verkehrswegeplan des Bundes berücksichtigt werden“, sagte der Kommunalpolitiker.

Siegstrecke müsste Teil des Verkehrswegeplanes sein

Mit dem Verkehrswegeplan will der Bund in den kommenden Jahrzehnten 269,6 Milliarden Euro in die Infrastruktur auf Straßen, Schienen und Wasserwegen investieren. „Kernanliegen sind der Erhalt der Bestandsnetze und die Beseitigung von Engpässen auf Hauptachsen und in wichtigen Verkehrsknoten“, teilte das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur mit. In einer Erstbewertung war die Siegstrecke aus diesem Plan allerdings ausgeschieden, weil „die angestrebte Maßnahme nur in Verbindung mit dem Ausbau der anschließenden Dillstrecke nutzbringend ist“, begründete der Bund. Die Dillstrecke reicht von Siegen nach Wetzlar.

Franken bezweifelte im Planungsausschuss, dass die Siegstrecke im Verkehrswegeplan eine erneute Berücksichtigung finden könnte: „Das ist eine völlige Träumerei.“ Dennoch sagte der sachkundige Bürger Michael Droste (Die Linke) mit Blick auf den Klimawandel: „Wir müssen die vorhandene Strecke ertüchtigen.“ Dafür sprach sich auch Peter Kurth (AfD) aus: „Wenn man die Gelegenheit dazu hat, sollten eingleisige Strecken vollständig verschwinden.“

Dass der zweigleisige Ausbau nun abgelehnt wurde, stößt bei Moersch auf Unverständnis. „Was soll ich dazu sagen? Ich finde es schade“, äußerte sie nach dem Beschluss auf GA-Nachfrage. „Es gibt keine Alternative zum zweigleisigen Ausbau“, meint der Politiker. Sowohl für den Güterverkehr als auch für den Personennahverkehr. Erneut sei eine Chance vertan worden, den östlichen Rhein-Sieg-Kreis einzubinden: „Wer dort lebt, wird schlicht und ergreifend abgehängt.“

Der zweigleisige Ausbau der Siegstrecke ist noch nicht abschließend vom Tisch. Der Antrag von Linken, Piraten und Freien Wählern wird kommende Woche im Kreisausschuss diskutiert. Das allerletzte Wort hat am kommenden Donnerstag der Kreistag. Auch dort steht der Antrag auf der Tagesordnung.