Linie 66 Bonn-Siegburg bleibt Streitthema: „Unpünktlich und schmutzig“

Planungsausschuss im Rhein-Sieg-Kreis : „Linie 66 ist unpünktlich und schmutzig“

Im Planungsausschuss des Rhein-Sieg-Kreises kommt erneut Kritik an den Stadtbahnen auf. Die Linie 66 zwischen Siegburg und Bonn bleibt Dauer-Streitthema.

Seit Wochen üben Politiker des Rhein-Sieg-Kreises massiven Druck auf die Stadtwerke Bonn (SWB) aus. Streitpunkt ist und bleibt der unzuverlässige Betrieb der Stadtbahnlinie 66. Nun haben die SWB gemeinsam mit den Kölner Verkehrsbetrieben (KVB) Statistiken zur Betriebsqualität vorgelegt, die CDU und Grüne in einem Antrag gefordert hatten. Die Vorlage wurde am Dienstag im Ausschuss für Planung und Verkehr diskutiert.

Die Pünktlichkeit der Linie 66 hat sich laut Angaben der SWB in den vergangenen 24 Monaten leicht verschlechtert. Lag die Quote im ersten Quartal 2018 noch bei 87,4 Prozent, so lag sie im dritten Quartal 2019 bei 86,3 Prozent. Der Tiefststand wurde zwischen Oktober und Dezember 2018 erreicht. Dort lag die Pünktlichkeit bei 84,6 Prozent.

Ausfälle treten laut SWB indessen seltener auf. Aktuell fielen lediglich 2,5 Prozent aller Stadtbahnen auf der Linie 66 aus. Norbert Chauvistré (CDU) übte allerdings scharfe Kritik an dieser Statistik. „Hier wird herumgeeiert“, sagte der Abgeordnete. Die Ausfallquote sei weder nach Werktagen noch nach Uhrzeiten unterteilt worden. Er forderte detailliertere Angaben zu den Stoßzeiten zwischen sechs und neun Uhr morgens sowie 16 und 19 Uhr am Nachmittag. „Gerade dann sind Pendler doch auf Pünktlichkeit angewiesen“, sagte der Abgeordnete.

Ähnlich unzufrieden zeigte sich der Ausschuss mit den Angaben zur Personalreserve der SWB. So lautete die Antwort des Verkehrsunternehmens: „Die Personalreserve wird prozentual ermittelt und berücksichtigt die Krankenquote, Schulungen, Fortbildungen etc. Melden sich außergewöhnlich viele Mitarbeiter kurzfristig krank, reicht die Personalreserve nicht aus, um alle Dienste zu besetzen.“ Michael Schroerlücke, sachkundiger Bürger, bemängelte: „Hier bedarf es konkreter Zahlen.“ Die Antworten seien ungenau und „sehr dünn“.

Auch, dass die SWB angeben, die Fahrzeuge würden täglich durch einen Dienstleister gereinigt, stellte Schroerlücke in Frage: „Man kann beinahe zugucken, wie die Wagen immer weiter vergammeln.“ Er zweifele eine regelmäßige Reinigung an. Dietmar Tendler (SPD) warf hingegen relativierend ein, dass auch Fahrgäste in der Verantwortung stünden: „Wir müssen auch an die Pendler appellieren, dass sie sich in den Stadtbahnen verhalten sollten wie im eigenen Fahrzeug.“ Vandalismus könnten auch die SWB nicht vermeiden.

Dass Politiker im Kreis – ebenso wie in Bonn – unzufrieden mit dem Zustand der Stadtbahnen sind, zeigt sich ein ums andere Mal deutlich. „Die Linien 66/67 sind die einzigen akzeptablen Verbindungen zwischen Bonn und dem Bahnhof Siegburg/Bonn“, heißt es in dem Antrag von CDU und Grünen. Insbesondere die Linie 66 sei ein abschreckendes Beispiel für zunehmende Mängel im Stadtbahnverkehr im Rheinland.

Währenddessen sieht SWB-Geschäftsführerin Anja Wenmakers deutliche Verbesserungen bei der Pünktlichkeit. Wenmakers äußerte in der vergangenen Woche im Bonner Planungsausschuss, die Lage würde sich zunehmend entspannen. Sie bestätigte, dass Anfang Dezember die Ausbildung weiterer Fahrer beendet sei, sodass sie auf Strecken eingesetzt werden könnten. Ab Januar würden bereits ausgebildete Fahrer zusätzlich ihren Dienst bei den Stadtwerken antreten. „Zum Jahreswechsel haben wir so viel Personal, dass wir die in Auftrag gegebene Betriebsleistung zuverlässig erbringen können, wenn es keine besonderen Vorkommnisse wie Krankheitswellen gibt“, so die Geschäftsführerin.