Schuldner-Atlas Rhein-Sieg-Kreis: Schuldnerquote sinkt, Kaufkraft steigt

Schuldenatlas im Rhein-Sieg-Kreis : Verschuldung im Kreis geht erstmals seit Jahren zurück

Weniger Schulden, mehr Kaufkraft: Erstmals seit Jahren ist die Schuldnerquote im Rhein-Sieg-Kreis gesunken, gleichzeitig stieg die Kaufkraft. Das geht aus dem aktuellen Schuldneratlas der Creditreform hervor.

Die Überschuldung im Rhein-Sieg-Kreis ist 2019 im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgegangen. 43.480 Einwohner über 18 Jahre konnten zum Stichtag am 1. Oktober ihre Gesamtausgaben bereits über einen längeren Zeitraum nicht mehr durch Vermögen oder Einkommen decken. Das sind zwar ebenso viele Personen wie im Vorjahr. Weil aber im gleichen Zeitraum die Einwohnerzahl im Kreis zugenommen hat, sank die Schuldnerquote von 8,84 auf 8,81 Prozent. Dies geht aus dem aktuellen Schuldneratlas hervor, den der Inkassodienstleister Creditreform jetzt veröffentlicht hat.

Die höchste Verschuldung im Kreis liegt in Windeck vor (14,48 Prozent). Auch in Eitorf und Siegburg liegt die Quote mit 12,97 und 11,52 Prozent deutlich über dem Durchschnitt. Hingegen weisen Wachtberg und Alfter mit 6,06 und 6,9 Prozent die geringste Verschuldung aller 19 Kreiskommunen auf. Auch Lohmar (7,12), Bornheim (7,16) und Swisttal (7,33) sind vergleichsweise gut aufgestellt.

Grafik Schuldnerquote Rhein-Sieg-Kreis. Foto: Benjamin Stöß

In vielen der Städten und Gemeinden des Rhein-Sieg-Kreises sank die Schuldnerquote zwischen 2014 und 2019 kontinuierlich. Besonders deutlich in Much (-1,07 Prozent), Hennef (-0,46) und Bornheim (-0,41). Einen prägnanten Anstieg gab es währenddessen in Swisttal. Dort stieg die Schuldenquote in den vergangenen sechs Jahren um 0,53 Prozent.

Nach Angaben von Kreiswirtschaftsförderer Hermann Tengler lassen sich die regionalen Unterschiede unter anderem anhand von Arbeitslosigkeit und Kaufkraft erklären. So lägen in Eitorf und Windeck die höchsten Arbeitslosenquoten im Kreis vor, in Wachtberg und Alfter die niedrigsten. Wo die Erwerbstätigkeit also besonders hoch ausfällt, ist die Verschuldung niedriger.

Ähnlich verhält es sich mit der Verteilung des Einkommens im Rhein-Sieg-Kreis. Dieses ist laut Tengler in Wachtberg und Bad Honnef überdurchschnittlich hoch. Hingegen falle die Kaufkraft in Windeck und Eitorf besonders niedrig aus. Auch dies spiegelt sich im Schuldneratlas wider.

 „Ein Hauptgrund für Verschuldung ist die Arbeitslosigkeit“, bestätigt auch Alexa Fierlings, Fachbereichsleiterin Schuldnerberatung beim Katholischen Verein für soziale Dienste im Rhein-Sieg-Kreis (SKM). Weitere Faktoren seien zudem Trennungen, Scheidungen und familiäre Verhältnisse. Hinzu kämen ansteigende Wohn- und Mietpreise.

Sowohl bundesweit als auch mit Blick auf den Rhein-Sieg-Kreis gilt: Besonders Senioren und junge Erwachsene sind von Überschuldung gefährdet. „Für immer mehr Menschen reicht die Rente nicht mehr aus“, sagt Tengler. Dies wird sich seiner Einschätzung nach in Zukunft weiterhin verschärfen. Bei den unter 30-Jährigen im Rhein-Sieg-Kreis seien besonders jene von einer Verschuldung bedroht, die entweder gar keine Ausbildung absolviert oder diese vorzeitig abgebrochen haben, ergänzt Fierlings. Gleichzeitig fielen oftmals jüngere Menschen auf die vermeintlichen Angebote im Einzelhandel herein. Der Konsum übersteige das Einkommen. „Häufig sammeln sich bei den jungen Erwachsenen dadurch Schulden im geringfügigen Bereich bis 5000 Euro an“, so die Schuldnerberaterin.

Nichtsdestotrotz ist der Rhein-Sieg-Kreis im Vergleich zu anderen Städten und Landkreisen in der Region vergleichsweise gut aufgestellt. „Die Arbeitslosigkeit ist aktuell so niedrig wie seit Jahren nicht mehr“, erklärt Tengler. Linksrheinisch liege die Quote bei 3,6, rechtsrheinisch 5,0 Prozent. Und auch die Schuldnerquote im Kreis ist die zweitniedrigste in der Metropolregion Köln/Bonn. Der Kreis Ahrweiler mit 8,79 und Bonn mit 8,84 Prozent liegen fast gleichauf. Seit 2015 hat sich die Schuldnerquote im Rhein-Sieg-Kreis laut Creditreform leicht, aber kontinuierlich verbessert. Dies kann auch Fierlings vom SKM bestätigen. „Die Anfragen bei uns sind im Jahr 2019 leicht zurückgegangen“, sagt die Schuldnerberaterin auf Anfrage. Dennoch sei ein Bedarf an Beratungen in der Region weiterhin gegeben.

Bundesweit sind aktuell 6,92 Millionen Einwohner verschuldet. Die Quote liegt in Deutschland bei 10 Prozent, in Nordrhein-Westfalen bei 11,71 Prozent. Dem Schuldneratlas zufolge hat sich die Überschuldung im Bundesdurchschnitt in den vergangenen zwölf Monaten nicht grundlegend verändert. Zwar sei die Zahl überschuldeter Personen erstmals seit 2013 wieder gesunken. Der Rückgang falle jedoch nur geringfügig aus. „Möglicherweise ist der positive Trend nur von kurzer Dauer“, erklärt Creditreform. Denn: Die Konjunktur schwächele nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. „Trotz vorübergehender Entspannung bleibt die Schuldenampel weiterhin auf Rot“, heißt es im Schuldneratlas.