So sieht das Goldene Buch der Stadt Sankt Augustin aus

Walter Scheel und der Dalai Lama : So sieht das Goldene Buch der Stadt Sankt Augustin aus

Es ist noch Platz im Goldenen Buch der Stadt Sankt Augustin. Rund 100 Seiten wurden gefüllt, seit Sankt Augustin die Stadtrechte bekommen hat und am 21. Oktober 1977 das eigene Gedenkbuch angelegt wurde.

Seit 42 Jahren wird das Buch mit seinen Seiten aus Büttenpapier, dem Band in den Sankt Augustiner Farben Silber und Blau und mit goldenem Druck vom Bürgermeister geführt und vom Stadtarchiv gepflegt. Vor Licht und Staub geschützt wird es in einem Karton im Archivmagazin im unteren Geschoss des Rathauses gelagert.

"Bei guter Lagerung hält so ein Buch 600 bis 700 Jahre", berichtet Michael Korn, der seit 16 Jahren im Stadtarchiv Sankt Augustin arbeitet.Korns Lieblingsseite ist die mit der Unterschrift des Dalai Lama. Zum Empfang anlässlich des Besuchs bei der Konrad-Adenauer-Stiftung und des Festvortrags zum Thema "Menschlichkeit und Weltfrieden" am 7. Dezember 1989 war der Dalai Lama im Ratssaal der Stadt zu Gast.

"Das war eine monatelange Planung", sagt Korn. Andere Termine sind da spontaner. Zahlreiche Politiker der Partnerstädte, aber auch Sportler und internationale Gäste haben sich im Goldenen Buch verewigt.

Der Bürgermeister entscheidet

Der letzte Eintrag stammt bereits aus dem Jahr 2016, es ist etwas ruhiger geworden. Die Stadt profitierte jahrelang von der Nähe zur Bundeshauptstadt Bonn, der Konrad-Adenauer-Stiftung und zahlreichen in der Nähe ansässigen Verbänden. "Das hat sich deutlich nach Berlin verlagert", sagt Korn. Allerdings sorgt die Ordensgemeinschaft der Steyler Missionare immer noch für internationale Prominenz in der Stadt.Wer letztlich im Buch unterschreiben darf, entscheidet der Bürgermeister nach eigenem Ermessen.

Aber auch Bürger können Vorschläge abgeben, welche Gäste für einen Eintrag infrage kommen. Voraussetzung ist, dass die Person zu Besuch in Sankt Augustin ist und einen überregionalen Bekanntheitsgrad hat.Können denn Personen herausgestrichen oder entfernt werden? "Das wäre sehr hypothetisch.Tatsächlich hat es so etwas wie Urkundencharakter", sagt Korn.

Die Seiten werden vorgeschrieben und mit Bleistift eingegrenzt. "Man weiß ja nie, wie die Leute dann schreiben", so Korn. Die Kalligrafie auf den Seiten macht eine Angestellte aus dem Rathaus, ihr Hobby. Und wenn sich jemand verschreibt? "Dann ist das halt so. Ungünstig wäre es allerdings bei der Kalligrafie", sagt Korn. "Der Buchrücken wurde vor etwa zehn Jahren ausgetauscht. Davor bestand er aus eher billigem Kunststoff, der lederartig wirkte. Jetzt ist er aus echtem Leder."

Das Buch soll ins Internet

In Zeiten der Digitalisierung versucht die Stadt Sankt Augustin mehr Material aus dem Archiv online zu stellen. Das ist allerdings aufgrund der Beschaffenheit der alten Objekte sehr arbeitsaufwendig. In Zukunft soll auch das Goldene Buch im Internet einsehbar sein. Doch digital fortgeführt werden soll es nicht: "Alles, was analog ist, sollte auch analog vollendet werden", sagt Korn.

Bei einem Notfall, beispielsweise einem Brand, hätte das Sankt Augustiner Stadtarchiv drei Kilometer Material zu retten. "Es gibt einen Notfallplan für das Archiv. Das Buch würden wir als erstes mitnehmen. Es gibt vier Prioritätsgrade für Notfälle. Das Buch gehört zu Priorität eins", so Korn.

Zugänglich ist das Goldene Buch für alle. Die Mitarbeiter des Stadtarchivs freuen sich über Besucher und das Interesse an der Geschichte der Stadt. Offene Besuchszeiten sind montags von 9 bis 12 Uhr und von 14 bis 18 Uhr sowie mittwochs von 9 bis 12 Uhr und von 14 bis 16 Uhr. Weitere Termine machen die Archivmitarbeiter gerne nach Vereinbarung unter 0 22 41/24 35 08 oder nach E-Mail an stadtarchiv@sankt-augustin.de.

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