Sibylle Krüll ist seit Oktober im Amt: Familienzentrum in Niederkassel hat neue Chefin

Sibylle Krüll ist seit Oktober im Amt : Familienzentrum in Niederkassel hat neue Chefin

Sibylle Krüll ist seit Oktober 2019 die neue Leiterin der Familien-, Ehe- und Lebensberatungsstelle in Niederkassel. Die Bonnerin studierte Psychologie und lebte lange Zeit in Italien. Was sie nun in Niederkassel ändern will.

Führungswechsel in der Familien-, Ehe- und Lebensberatungsstelle. Sibylle Krüll leitet die städtische Beratungsstelle in Niederkassel seit dem 1. Oktober 2019. Damit folgt sie auf Andreas Renger, der seit fast 30 Jahren für Familienberatung zuständig war. Krüll ist genau wie ihr Vorgänger von Beruf Psychologin. Sie arbeitete zuvor in Reha-Kliniken und zuletzt zwei Jahre lang in der psychosomatischen Abteilung der ambulanten Sieg Reha in Hennef.

Studiert hat die Bonnerin in Rom, nachdem sie erste Kontakte nach Italien als Aupair-Mädchen geknüpft und dabei die italienische Lebensweise für sich entdeckt hatte. „Der Humor und die Lebensfreude der Menschen passten damals genau zu mir und so bin ich geblieben“, sagt sie.

Sibylle Krüll leitet die Familienberatungsstelle an der Annostraße seit Oktober 2019. Foto: Martina Welt

Insgesamt 27 Jahre lebte die Rheinländerin in Rom, wo sie nach ihrem Psychologie-Studium arbeitete und auch zwei Fachbücher schrieb. Besondere Beachtung fand ihr Buch zur Selbsthilfe für Trauernde. „Ich habe damals ein Trauerberatungszentrum in Rom geleitet“, ein Thema, mit dem sie Pionierarbeit in Italien leistete, denn im Gegensatz zu Deutschland gab es solche Angebote dort kaum.

Vor sieben Jahren kehrte Krüll nach Deutschland zurück

Seit sieben Jahren lebt die Rheinländerin wieder in Deutschland. „Als ich die Stellenanzeige las, wusste ich, dass ich sehr gerne nochmal eine neue Herausforderung annehmen würde“, beschreibt sie ihre Motivation, sich in Niederkassel für die Leitung der Familienberatungsstelle zu bewerben.

Besonders gefällt der 53-Jährigen die Vielschichtigkeit der Themen, mit denen sie sich auseinandersetzen muss. Beraten werden in dem eher unscheinbaren Haus an der Annostraße 1 alle Themen rund um das Leben und die Schwierigkeiten, die es zu bewältigen gilt.

Familien, Paare und Einzelpersonen können zu fast allen Fragen des Lebens um einen Termin bitten. Erstkontakte erfolgen grundsätzlich telefonisch oder über E-Mail. Dann gibt es innerhalb von 14 Tagen einen Termin zum Erstgespräch. Unterstützung gibt es in der Beratungsstelle bei Fragen zur kindlichen Entwicklung, etwa bei Unsicherheiten oder Uneinigkeit der Eltern zu Erziehungsfragen. Geholfen wird bei Konflikten in der Familie, bei Problemen im Kindergarten oder in der Schule, bei kindlichen Ängsten.

Die Beratungsthemen umfassen Fragen zu Partnerschaft und Sexualität, Probleme bei Lebenskrisen durch Gewalterfahrung oder Missbrauch, Probleme am Arbeitsplatz oder Fragen zur Lebensgestaltung im Alter. Auch Jugendliche und Kinder, die sich zum Beispiel selbst nicht mehr leiden können oder sich von ihren Eltern nicht mehr verstanden fühlen, bekommen Hilfe in der Beratungsstelle. Gesprochen wird gleichermaßen über Ärger in der Schule, in der Ausbildung oder am Arbeitsplatz. Es kann um Fragen zu Freundschaft, Beziehungen, Sexualität und Liebe gehen.

Beratung für jede Lebenskrise und bei allen Problemen

„Jede Lebenskrise ist Grund genug, um sich an die Beratungsstelle zu wenden“, betont Krüll. „Wir sind nicht nur für Familien da“, sagt sie. Dennoch seien Scheidungen oder Trennungen und die damit oftmals verbundenen Probleme die Themen, welche am häufigsten vorgetragen würden, sagt die Psychologin.

Aktuell gibt es Umstrukturierungen im Jugendamt, die der Beratungsstelle auch die sogenannten Frühen Hilfen für Neugeborene und Säuglinge und die Schulpsychologinnen zuordnen. „Wir haben bei der Beratung eine Schweigepflicht, die nur dann nicht eingehalten wird, wenn wir eine Kindeswohlgefährdung sehen“, sagt Krüll. Die müsse dem Jugendamt gemeldet werden, was aber immer noch nicht bedeuten müsse, dass die Kinder aus der Familie genommen werden. „Es steht im Gesetz, dass Kinder ein Recht auf Familie haben und auch das Jugendamt versucht immer, andere Hilfen, wie zum Beispiel eine Familienhilfe, zu installieren“, erklärt Krüll.

Auch Vernetzung mit anderen Stellen ist ein wichtiges Thema in der Beratungsstelle. „Wir können nicht alle Probleme lösen, und wenn jemand so krank ist, dass die Beratung nicht ausreicht, verweisen wir an die jeweils zuständigen Stellen.“ Das können zum Beispiel Therapeuten aber auch Ärzte oder das Jugendamt sein.

Das Konzept, welches aktuell erarbeitet wird, bestätigt vieles von dem, was es schon gibt. „Aber wir überprüfen die Bedarfe neu, denn in der Vergangenheit waren zum Beispiel die vielen Flüchtlinge ein großen Thema, das ist aktuell nicht mehr in dem Ausmaß der Fall“, so Krüll. Besonders positiv findet die neue Leiterin, dass viele Angebote vor Ort sind. Ein völlig neues Angebot startet etwa am Dienstag, 21. Januar, und findet dann immer dienstags von 18 bis 19.30 Uhr statt. „Glück ist keine Glücksache“ lautete der Titel der Gruppe.

Mit unterschiedlichen Übungen sollen die Teilnehmer lernen, achtsamer zu werden. „Viele Menschen haben die eher pessimistische Einstellung, zu schauen, was nicht funktioniert. Glück ist der Moment, der oftmals nicht so wahrgenommen wird.“ Das soll sich nach der Teilnahme an der Gruppe ändern. Eine der Übungen beschreibt Krüll wie folgt: „Die Teilnehmer stecken sich morgens drei Bohnen in die Tasche und immer dann, wenn sie Glück empfinden, wandert eine Bohne in die andere Tasche.“ Oftmals reichten die drei Bohnen den Tag über nicht aus und man werde einfach aufmerksamer für die schönen und damit glücklichen Momente.