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Insel Grafenwerth in Bad Honnef: Eilverfahren - keine Entscheidung

Millioneninvestment in Bad Honnef : Neugestaltung der Insel Grafenwerth geht weiter

Die Umgestaltung der Insel Grafenwerth geht voran. Insgesamt 3,3 Millionen Euro sollen in den kommenden Jahren in die Insel in Bad Honnef investiert werden. Der BUND würde die Arbeiten gerne stoppen lassen.

Die Bäume tragen ein Korsett. „Der Schutz der Bäume ist aufwendig, aber wir nehmen ihn sehr ernst. Das betrifft auch den Wurzelschutz“, sagt Carolin Böhm, Leiterin des Fachdienstes Umwelt und Stadtgrün, beim Rundgang über die Insel-Nordspitze. Die Tage, in denen Grünzonen zum Schutz der Pflanzen gesperrt sind und Passanten nur aus der Ferne einen Blick erhaschen können, sind gezählt. Im Sommer soll Abschnitt eins auf Grafenwerth fertig sein. Ein Fragezeichen bleibt: Stand Dienstag gab es noch keine Entscheidung zum Eilverfahren des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der die Sache stoppen will.

„Grünes Juwel in neuem Glanz“, so hat die Stadt das Insel-Projekt überschrieben. Das fußt auf dem Gesamtkonzept für eine integrierte Stadtentwicklung, das der Stadtrat beschlossen hat. Ganz neu erfinden musste man das Rad nicht: Bereits 2015 hatte das Eiland im Fokus gestanden bei der Bewerbung zur Landesgartenschau. Der Zuschlag blieb aus, die Planungen stellten aber eine Basis für die jetzige Umgestaltung dar, die vom Stadtrat mit breitester Zustimmung auf den Weg gebracht wurde; SPD und Grüne meldeten nach der BUND-Klage Bedenken an. Wie berichtet, sollen auf der Insel Grafenwerth rund 3,3 Millionen Euro investiert werden. Gut zwei Millionen Euro steuert das Land NRW bei – aus Mitteln der Städtebauförderung im Programm „Zukunft Stadtgrün“.

Früher wurde hier Landwirtschaft betrieben

Die Insel gehörte zunächst den Löwenburger Herren, dann dem Herzogtum Berg. 1815 fiel sie an die Preußische Krone – und wurde landwirtschaftlich genutzt. So wurde Spargel angebaut, und im Grafenwerther Hof gab es auch sonst Produkte aus eigener Herstellung. Ende des 19. Jahrhunderts etablierte sich der Ausflugsverkehr, zunächst per Bötchen, ab 1900 per Fähre. Seit 1921 gehört die Insel der Stadt. 1875/76 war das alte Meiereigebäude abgerissen und ein Neubau errichtet worden. Der Bau wurde 1975 abgerissen; an seiner Stelle wird nun Boule gespielt. Auch entstanden ein Wohnhaus und eine Freilichtbühne. 1911/12 wurde die Brücke gebaut. Das Inselcafé folgte 1950 mit einer Schiffsagentur.

Jetzt stehen Änderungen an mit dem Ziel, den „Naturraum für alle Generationen zugänglich zu machen“, wie Böhm betont. „Nutzergerechtigkeit“, nennt das Fabiano Pinto, Geschäftsbereichsleiter Städtebau. Vorgesehen sind im ersten Bauabschnitt der teils nur 1,50 Meter breite Rundweg auf der Nordspitze, Spielinseln für verschiedene Altersklassen und Sitzelemente. Die Insel nicht „neu erfinden“, aber „sinnvoll nacharbeiten“, das gelte auch für den Aussichtspunkt auf Rhein und Drachenfels. So liegt der mit Natursteinböschung bewusst nicht am Wasser. Überraschungen barg der Untergrund, so Pinto: Kein Naturboden, sondern jede Menge Schutt fand man, „der Boden war sanierungswürdig“.

Die Brücke Grafenwerth soll saniert werden. Foto: Frank Homann

Nordspitze barrierefrei erreichbar

In weiteren Bauabschnitten soll unter anderem die Promenade umgestaltet werden, schmaler als heute und mit „Ausbuchtungen“ und Sitzgelegenheiten. Schließlich soll der Anschluss an den Brückenkopf neu gestaltet werden. Bereits installiert sind einige der neuen Fahrradständer am Anleger der Nonnenwerth-Fähre. Böhm: „Wir wollten, dass die Schüler sie alsbald nutzen können. Da konnte niemand wissen, dass die Schule so lange ausfallen würde.“ Eigentlich geplant war eine Fertigstellung des ersten Abschnittes bis Juni. Die vorgeschriebene europaweite Ausschreibung verzögerte dies, aktuell tut es Corona. So klemmt es bei der Lieferung von Fundamenten für eine Spielinsel, die wie alle Spielflächen nach Wünschen im Kinder- und Jugendforum entworfen wurden.

Besonders hebt Böhm hervor: Die Nordspitze wird über den – nicht betonierten, sondern mit einer sogenannten wassergebundenen Decke ausgeführten – Weg erstmals barrierefrei erreichbar sein. Um immer mögliche Hochwasser-Szenarien vorher abzuklären, sei ein Wasserbauingenieur ins Boot geholt worden. Böhm: „Wegschwimmen wird hier nichts. Und der Weg orientiert sich an den Trampelpfaden, die es gab. Aber die waren für Familien mit Kinderwagen oder Menschen mit körperlichen Einschränkungen nicht begehbar.“ Pinto: „Die Insel war Park und bleibt Park. Sie wird diesem wichtigen Wert für die Bürger nur besser angepasst.“