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Projekt der Alanus-Hochschule: Studenten entwickeln Ideen für Bad Honnef

Ideen für Bad Honnef : Architektur-Studenten entwickeln Insel-Café auf Stelzen

Ob ihre Entwürfe realisierbar wären, spielte keine Rolle: Architektur-Studenten der Alanus Hochschule ließen ihrer Kreativität freien Lauf und entwarfen Bauwerke für Bad Honnef. Ihre Dozenten präsentierten die Ideen den Kommunalpolitikern.

Ein neues Insel-Café auf Stelzen, eine innovative Wohnsiedlung mit kleinen Häusern zum Selberbauen auf dem Post-Areal oder Einfamilienhäuser, die sich nördlich vom Stadtgarten mit Blick in den Grünzug an den Lärmschutz zur B42 anschmiegen: Architekturstudenten der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter ließen bei ihren Semester-, Bachelor- und Masterarbeiten ihrer Kreativität freien Lauf. Und genau das sollten sie sogar. „Als junger Mensch kann man sich diese Freiheit nehmen“, leitete Professor Benedikt Stahl seine Präsentation der studentischen Ideen ein. Mitgebracht hatten er und sein Kollege Swen Geiss eine Zusammenfassung all dessen, was gut 60 Studenten für Bad Honnef entwickelt hatten.

Im März vergangenen Jahres waren die angehenden Architekten und Architektinnen erstmals in Bad Honnef ausgeschwärmt, um Stoff für ihre Semester- und Abschlussarbeiten zu sammeln. Beteiligt waren alle drei Bachelor-Jahrgänge des Fachbereichs Architektur sowie Studenten des Master-Studiengangs. Auslöser war das im Januar 2019 verabschiedete „Integrierte Handlungskonzept (InHK) Stadterneuerung Innenstadt, Rheinufer, Rhöndorf“.

Alanus Hochschule fragte bei der Stadt an

 „Wir sind sehr froh und auch stolz, dass die Hochschule auf uns zugekommen ist“, so Fabiano Pinto, Geschäftsbereichsleiter Städtebau im Rathaus. Pinto, selbst von Haus aus Architekt: „Es tut auch uns Praktikern in der Verwaltung, in der Bauleitplanung den größten Teil einnimmt, ganz gut, mal den Kopf freizublasen und sich auf die Innovation der jungen Leute einzulassen.“

Auftakt am Bootshaus: Die Architektur-Studenten trafen sich auf dem Gelände des Wassersportvereins, um Bad Honnef zu erkunden. Foto: Claudia Sülzen

Das Handlungskonzept sei die perfekte Voraussetzung und wie ein roter Faden, sodass sich alle Jahrgänge auf eine Kommune konzentrieren könnten, hatten Stahl und Geiss schon beim Auftakttreffen festgestellt.

Studenten feilten gut drei Monate an ihren Arbeiten

Bei der Präsentation in der Sitzung des Planungsausschusses dankte Stahl der Stadtverwaltung erneut für die große Unterstützung des Projektes. „Noch nirgendwo sind wir derart herzlich empfangen worden.“

Gut dreieinhalb Monate habe jeder Student in seine Arbeit investiert, berichtete der Dekan des Fachbereichs Architektur, Lehrgebiet Architektur und Stadtraum, an der Alanus Hochschule. Verschiedene Standorte im Stadtgebiet standen dabei im Fokus, berichteten Stahl und Geiss. Die Studenten hätten aber völlig freie Hand gehabt, was sie planen wollten.

Auf Machbarkeit kam es nicht an

Dazu besuchten sie die Stadt mehrfach – die möglichen „Planungsareale“ wollten genau unter die Lupe genommen werden. Auch hätten die jungen Leute sehr viele Gespräche geführt. Sie fragten unter anderem Bewohner Bad Honnefs, was ihre Stadt für sie ausmache und welche Neuerungen sie sich vorstellen könnten.

Herausgekommen sind viele unterschiedliche Entwürfe. Oder besser gesagt: Visionen. Denn nicht die Machbarkeit, sondern die Idee, die Innovation stand an erster Stelle. Wie erwähntes Insel-Café auf Stelzen, das auch bei Hochwasser zu erreichen wäre, und Entwürfe für das Post-Areal, deren Bandbreite von einer Stadtvilla bis zu Häusern im Baukastenstil reicht, aus denen eine kleinteilige Siedlung, quasi ein Stadtteil im Miniaturformat, entstehen könnte.

Innovative Wohnformen in einer Kleinstadt

Innovative Wohnformen, bei denen wie im Fall des ehemaligen Quellengeländes der Wasserlauf integriert wird oder sich Wohnungen auf mehreren Ebenen um einen Innenhof gruppieren, haben die Studenten ebenso ersonnen wie einen hohen Turm, der als Solitär die anderen Gebäude überragt.

„Es wird nicht annähernd möglich sein, das kreative Wirken der Studenten, die Mühe, die sie investiert haben, hier abzubilden“, hatte Pinto vor der Präsentation bemerkt.

Interessant auch für die Architekturstudenten: Sie mussten sich auf die Besonderheiten einer Stadt in der Größenordnung Bad Honnefs einlassen. „Sexy ist erstmal Berlin oder Köln, nicht die Kleinstadt Bad Honnef“, sagte Stahl. Aber: „Auch das gehört zum Lernprozess des Architekten: Dass eben auch die Kleinstadt Raum lässt für Innovation und eigene Lösungen.“

Diese seien keine reinen Wolkenkuckucksheime, so Stahl: „Die experimentellen Ansätze sind gut, um den Kopf frei zu kriegen. Aber aus diesem Denken heraus entsteht oft auch sehr gute Architektur.“ Einige der Alanus-Entwürfe sind bereits preisgekrönt.