Drüsiges Springkraut nimmt die Ufer in Besitz

Drüsiges Springkraut nimmt die Ufer in Besitz

An Sieg und Agger wird die aus Asien stammende Pflanze immer mehr zur Plage - Die zuständigen Behörden reagieren gelassen

Rhein-Sieg-Kreis. Die bis zu drei Meter hohe "Impatiens glandulifera Royle" - besser bekannt als Drüsiges Springkraut - ist hübsch anzusehen. Trotzdem sind viele Menschen an Sieg und Agger seiner längst überdrüssig: Die Pflanze hat sich vor allem an den Flussufern explosionsartig vermehrt.

Beschwerden von Anliegern haben jetzt den Eitorfer Kreistagsabgeordneten Dietmar Tendler auf den Plan gebracht. Tendler forderte jetzt das für die Unterhaltung der Siegufer zuständige Staatliche Umweltamt (StUA) Bonn zum Handeln auf. Die Bonner Behörde fühlt sich nicht zuständig für die Bekämpfung der aus Asien stammenden Pflanze.

Alfred Schmitz ist sauer: "Ich kann nicht verstehen, dass niemand das Zeug weg macht." Der Ärger des Hobbygärtners konzentriert sich aufs Drüsige Springkraut. Das rückt seinem zweieinhalb Morgen großen Kartoffelacker, der direkt neben der Sieg liegt, bedrohlich nahe. Mittlerweile seien zahlreiche Klagen von Gartenliebhabern bei ihm eingegangen, sagte Tendler. Die fürchteten wegen des aggressiven und rasanten Wachstums des Springkrautes um ihre Gärten. Wo das Kraut wuchert, verdrängt es alle anderen Pflanzen.

Tendler verweist auf das Siegufer in Eitorf. Dort hat sich das Springkraut an zahlreichen Stellen auf Dutzenden Metern breit gemacht. Sehr zum Verdruss von Anglern und Wasserratten. "Die Kommen überhaupt nicht mehr ans Wasser. Die Sieg muss Lebensraum für Pflanzen, Tier und Menschen bleiben." Tendler sieht das StUA in der Pflicht: "Es muss sofort gemäht werden, sonst bekommen wir das nicht mehr in den Griff."

Beim StUA in Bonn sieht man das anders. Bis 2003 habe man als Service für die Kommunen durch den in Eitorf beheimateten StUA-Betriebshof große Flächen an der Sieg gemäht, erklärte Mitarbeiter Karl-Heinz Wick. "Diesen Service können wir wegen der Haushaltslage nicht mehr durchführen." Die leeren Kassen haben dazu geführt, dass das Personal des Betriebshofes von 13 auf sechs Mann reduziert wurde.

Es gebe dennoch Möglichkeiten, dem Wildwuchs Einhalt zu gebieten. Das gehe aber nur auf öffentlichen Flächen, die im Sinne des Siegauen-Konzeptes als "bedeutsam" gelten. Das Abmähen des Springkrautes könnte dann gefördert werden. Allerdings gebe es bei "nicht bedeutsamen Flächen" keine Förderung. Daher ließen sich für die Mäharbeiten kaum Landwirte gewinnen.

Grundsätzlich anders gestaltet sich laut Wick die Handhabung des Uferbewuchses. "Auf fünf bis 30 Metern Breite wollen wir dort keine Bewirtschaftung." Aus ökologischen Grünen soll die Natur an den Flussufern sich selbst überlassen bleiben. Prinzipiell gelte: "Es ist nicht unsere Aufgabe dafür zu sorgen, dass kein Springkraut wächst."

Auch für den Kreis besteht kein Grund zum Einschreiten gegen den "übelriechenden chinesischen Einwanderer", wie die Pflanze schon vor Jahren von einem Kommunalpolitiker bezeichnet wurde. Es sei denn, so Wolf Lopata von der Unteren Landschaftsbehörde, "das Springkraut gefährdet Pflanzen, die auf der roten Liste stehen oder selten sind."

Das Springkraut sei auch nützlich, liefere Bienen und Hummeln Nahrung und dem Sumpfrohrsänger Deckung. Zudem werde es eines Tages von den Ufergehölzen zurückgedrängt. Anders als der "unduldsame und äußerst resistente" japanische Knöterich. Lopata: "Der ist eine viel größere Gefahr."

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