Ganoven suchen sich ihre Opfer aus

Ganoven suchen sich ihre Opfer aus

Friedemann Geisler warnt Senioren in Menden vor den Maschen der Trickbetrüger

Rhein-Sieg-Kreis. Räuber, Diebe und Betrüger suchen sich ihre Opfer gezielt aus. Sie nutzen Schwächen und Unsicherheit aus, um mit immer neuen Varianten betrügerischer Tricks die Leute zu bestehlen. Häufig sind Senioren das Ziel der Verbrecher.

"Ich zeige Ihnen heute, worauf der Ganove in ganz alltäglichen Situationen achtet", sagte Friedemann Geisler. Alle Zuhörer schauten erwartungsvoll auf den Leiter des Kriminalkommissariats Prävention. Geisler referierte am Donnerstag beim Kontaktkreis der Pfarrei St. Augustinus in Menden vor Senioren zum Thema "Sicherheit im Alltag".

Mittels Videofilm erfuhren die Senioren, mit welchen Tricks die Diebe vorgehen. Die einen lauern der alten Frau auf, die gerade ihre Rente von der Bank geholt hat. Ein betrunkener Kneipengast wird überwältigt und ein Jugendlicher in der S-Bahn erpresst. Nach Ende der Vorführung berichten mehrere Teilnehmer des Kontaktkreises von eigenen Erlebnissen.

"Ich kam aus der Bank, und zwei Männer in einem Auto winkten mich heran. Sie behaupteten, mich über eine ehemalige Arbeitskollegin zu kennen und boten mir an, mich nach Hause zu fahren", berichtete Walter Hartwig. Er war aber mit dem Fahrrad unterwegs und lehnte ab.

"Die haben mich bis nach Hause verfolgt, und ein Mann kam mit Taschen an die Haustür", sagte Hartwig. Er rief seine Frau hinzu. "Ich war wütend, weil ich von meiner Arbeit im Keller geholt wurde. So habe ich mich von dem Mann gar nicht verwirren lassen", sagte Irmgard Hartwig. So wurde die den Mann los.

"Das war genau richtig", lobte Geisler. "Wichtig sind couragiertes Auftreten und Selbstbewusstsein", sagte der Präventionsexperte. Geisler warnte vor dem Glas-Wasser-Trick, mit dem sich Gauner Zugang zu Wohnungen verschaffen wollen. "Die suchen ihre Wohnung systematisch nach Wertgegenständen ab", sagte Geisler.

"Die Leute haben ihr Geld immer an bestimmten Stellen versteckt, das wissen die Ganoven. Wenn ich jetzt zu Ihnen nach Hause kommen würde, würde ich zunächst ins Schlafzimmer gehen", sagte Geisler, aber die Zuhörer winken ab: "Nein, da werden sie nichts finden." "Dann gehe ich ins Wohnzimmer", sagte Geisler. Die Zuhörer wurden schon leiser in ihrem Protest. "Und dann gehe ich in die Küche." Die überwiegend weiblichen Zuhörer verstummten schlagartig.

Geisler begegnete auch den Variationen des Tricks: "Verwahren Sie nur so viel Geld zu Hause, wie sie in den nächsten Tagen brauchen. Gehen Sie nie alleine zur Bank. Lassen Sie niemanden in die Wohnung, den Sie nicht kennen. Bezahlen Sie keine Nachnahme-Päckchen für andere. Unterschreiben Sie nichts, was Sie nicht hundertprozentig gelesen und verstanden haben. Lassen Sie sich von angeblichen Amtspersonen, Heizkostenablesern, Mitarbeitern von Kirchen, Sozialämtern oder Handwerkern immer den Ausweis zeigen."

Um auch unterwegs sicher zu gehen, empfiehlt der Polizist ein so genanntes Schrillalarm-Gerät beziehungsweise ein robustes, lautes Taschenalarmgerät mit einem Reißkontakt in der Handtasche.

Abschließend nahm der Polizist die Senioren mit auf eine gespielte Kaffeefahrt nach Holland. Seine mitreißende Art zu erzählen, fesselte die Zuhörer, die seinen Worten lauschten und am Ende sicherlich die allseits bekannte Rheumadecke gekauft hätten. "Der ist bühnenreif." Und: "In der Werbebranche könnten Sie viel mehr verdienen, als bei der Polizei", riefen die Senioren. Mit dem Rat "Essen Sie, soviel sie wollen, trinken Sie, soviel Sie möchten, aber unterschreiben Sie nichts", entließ Geisler seine Zuhörer in den Alltag.

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