Viele Kinder arbeitsloser Eltern haben kein dickes Sparbuch

Viele Kinder arbeitsloser Eltern haben kein dickes Sparbuch

Arbeitslosengeld II: Bisher wenig Anfragen zu Sparguthaben in Bonner Beratungsstellen

Bonn. Kinder müssen ihr Sparschwein schlachten, wenn der Vater arbeitslos wird - dieses Szenario als Folge von Hartz IV sorgte in den vergangenen Tagen bundesweit für Entrüstung. Die, die täglich in Bonner Beratungsstellen mit Arbeitslosigkeit und Sozialhilfe zu tun haben, betrachten die Anrechnung des Vermögens von Kindern differenzierter.

"Unser Klientel besteht zu über 90 Prozent aus Menschen mit geringem Einkommen, da haben die Kinder keine dicken Sparbücher", sagte Heidi Klose, Sachgebietsleiterin für Sozialberatung beim Bonner Caritasverband.

Für viele, die im nächsten Jahr Arbeitslosengeld II bekommen, ändere sich nichts: "Wer jetzt ergänzende Sozialhilfe bekommt, weil die Arbeitslosenhilfe nicht reicht, der hat den Kassensturz schon hinter sich."

Klose hält die Diskussion zurzeit für "sehr akademisch" und von der Realität entfernt. In Bonn werden, so die Agentur für Arbeit, etwa 11 000 Haushalte, die bisher von Arbeitslosenhilfe oder Sozialhilfe lebten, unter die neue Regelung fallen.

Kinder unter 15 Jahren dürfen bis zu 750 Euro sparen, die 15- bis 18-Jährigen 4 850 Euro. Besitzen Kinder mehr, bekommen die Eltern so lange kein Sozialgeld für deren Lebensunterhalt (maximal 207 Euro im Monat), bis die Reserven verbraucht sind. "Die Kinder hier haben ohnehin kein großes Vermögen", berichtete auch Tina Laux, Leiterin der Stadtteilbüros Tannenbusch und Dransdorf der Diakonie.

Aber: "Wir werden im kommenden Jahr eine ganz andere Klientel bekommen: nicht nur die typischen Sozialhilfeempfänger, sondern auch Leute, die einen guten Job und ein auskömmliches Leben hatten."

Bei den Beratungen des Bonner Kinderschutzbundes sind die Sparguthaben der Kinder bisher kein Thema. Der Kinderschutzbund ist aber dagegen, Gespartes anzutasten. "Eltern legen meist Geld für die Ausbildung zurück", sagte die Vorsitzende Henrike Schoeneich.

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