Deutsche Bahn: Fahrgäste bleiben in Sechtem, Brühl und Roisdorf häufig auf der Strecke

Deutsche Bahn : Fahrgäste bleiben in Sechtem, Brühl und Roisdorf häufig auf der Strecke

33 Grad Celsius im Schatten. Wenn Schulkinder noch Handtuch und Badehose packen, heißt es für die meisten Erwachsenen auch bei diesen Temperaturen: auf zur Arbeit. Für viele Sechtemer kommt dieser Weg jedoch einem Saunagang gleich.

Richtung Köln oder Bonn sind sie immer wieder in völlig überfüllten Zügen unterwegs - vorausgesetzt, sie passen überhaupt noch hinein und müssen nicht unverrichteter Dinge zurückbleiben und auf den nächsten Zug warten.

Bei einer Umfrage des General-Anzeigers am Donnerstagmorgen zur Berufsverkehrszeit auf dem Sechtemer Bahnhof berichteten nahezu alle Befragten, dass regelmäßig Fahrgäste auf dem Bahnsteig zurückbleiben - verärgert, gestresst, verschwitzt.

"Die Türen gehen auf, damit ein wenig Luft in die Wagen kommt, aber mit Einsteigen ist Fehlanzeige", berichtet Inge Schimmelpfennig aus Hemmerich.

"Wenn es dann mit Quetschen und Rempeln doch klappt, stehen alle wie die Sardinen in der Konserve", bestätigt auch die Sechtemerin Ute Falkenbach. Höchster Platzmangel herrsche vor allem, wenn nicht wie üblich zwei, sondern nur ein Triebwagen in Sechtem ankommt. "Das ähnelt dann einem Viehtransport", beschreibt Hansjörg Bucher aus Waldorf seine Fahrten bis Bonn.

Das Auto sei jedoch keine Alternative, erklärte er: "Bis nach Godesberg brauche ich in der Regel, wenn alles gut geht, mit der Bahn 20 Minuten, mit dem Auto im Berufsverkehr über eine Stunde." Wenn nicht ein überfüllter Zug einen Strich durch die Zeitrechnung macht und 40 Minuten Wartezeit bis zur nächsten Bahn dazu kommen.

Das Leid teilen die Sechtemer mit ihren Haltestellen-Nachbarn: Je nach Fahrtrichtung sind oft auch die Brühler oder die Roisdorfer die Gelackmeierten, wenn die Sechtemer die letzten Plätze unter sich aufteilen konnten.

"Uns wurde einmal erklärt, dass die kürzeren Züge manchmal wegen Unfällen oder Vandalismus eingesetzt werden müssen - da frage ich mich, wie oft das hier wohl passiert", meint Hanno Schiffer aus Bonn. Ein- bis zweimal pro Woche heißt es außerhalb der Ferienzeiten "Zusammenrücken!", berichten die Fahrgäste.

"Manchmal flüchten einige mit Platzangst in die Erste Klasse", so Bahnkundin Tanja Duval aus Wesseling. "Dort werden sie aber sofort wieder hinausgeworfen, denn der Platzmangel interessiert die Schaffner nicht." Und bei der Enge allein bleibt es nicht: Ortsvorsteher Horst Braun-Schoder berichtet von hermetisch abgeschlossenen Triebwagen, in denen die Klimaanlagen nicht liefen. "Die Fenster hätten sich nur mit einem Vierkantschlüssel öffnen lassen. Das ist eine Zumutung seitens der Bahn."

"Die Klimaanlagen laufen, sind aber bei der großen Hitze momentan nicht leistungsstark genug", sagt Karl-Josef Bales, Pressesprecher der Deutschen Bahn AG, zu diesem Problem. "Wir sind bereits dabei, im Interesse unserer Kunden viele Wagen aufzurüsten und umzubauen - das ist auch der Grund, weshalb wir auf dieser Strecke derzeit nicht mehr Triebwagen zur Verfügung stellen können", erklärt er.

Das Problem sei bekannt und in einigen Monaten aus der Welt geschafft. "Für diese Zeit der Erschwernis bitten wir unsere Kunden um Verständnis."

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