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Passagierzahlen gesunken: Wie die Corona-Krise die Deutsche Bahn beeinflusst

Passagierzahlen gesunken : Wie die Corona-Krise die Deutsche Bahn beeinflusst

Die Passagierzahlen bei der Deutschen Bahn sind stark gesungen. Die Züge bleiben auch rund um Ostern fast leer. Dafür transportiert die Bahn Schutzmasken, Klopapier und Nudeln.

Der letzte Passagierrekord liegt gerade einmal drei Monate zurück. 151 Millionen Fahrgäste zählte der Fernverkehr der Deutschen Bahn im vergangenen Jahr. In vielen Zügen mussten sich die Kunden drängen. Wenn Bahn-Chef Richard Lutz heute auf die Auslastung schaut, kann er vom nächsten Rekord nur träumen. „Die Nachfrage ist stark gesunken“, sagt Lutz. Im Fernverkehr liege die Auslastung derzeit zwischen zehn und 15 Prozent, im Regionalverkehr bei 15 Prozent des normalen Niveaus. Das wird sich auch rund um die Ostertage wohl nicht groß ändern. Lutz zufolge gibt es kein erhöhtes Buchungsaufkommen. Die Menschen würden sich an die Empfehlungen der Bundesregierung halten und auf Reisen verzichten.

Der Vorstandschef verteidigt aus der selbst auferlegten Vorsichts-Quarantäne heraus den immer noch weitgehend normalen Fahrplan. Nur jede vierte Verbindung im Fernverkehr wurde eingestellt, etwa Fahrten ins Ausland oder in touristische Zielgebiete. Das hatte die Lokführergewerkschaft GDL kürzlich scharf kritisiert und zum Schutz der Beschäftigten ein weiteres Herunterfahren des Angebots gefordert. „Wir sind überzeugt, dass wir eine besondere Verantwortung für die Aufrechterhaltung der Mobilität haben“, stellt Lutz klar. Es gebe eine Verantwortung für die heimkehrenden Urlauber, die nach der Landung an ihre Heimatorte gebracht werden müssen. Auch seien das Gesundheitspersonal, Polizisten oder Kassiererinnen auf den Bahnverkehr angewiesen.

Mittlerweile übernimmt der Güterverkehr der Bahn auch Teile der Grundversorgung der Bevölkerung. Die Konzerntochter Schenker transportiert Atemschutzmasken aus Asien und italienische Nudeln nach Deutschland. In Zügen von DB Cargo kommen Teigwaren, Mehl, aber auch das so rar gewordene Klopapier ins Land. „Was für uns derzeit nicht vorrangig zählt“, versichert der Vorstand, „sind Betriebsergebnisse oder Auslastungszahlen.“ Wie hoch der finanzielle Schaden durch Corona am Ende des Jahres sein wird, kann die Bahn noch nicht einschätzen. „Es wird uns sehr hart treffen“, vermutet Lutz, wohl härter als die Finanzkrise 2008.

Auch das Unternehmen selbst ist von Krankheitsfällen betroffen. Bei den Zugbesatzungen oder in Werkhallen und Stellwerken wird ein erhöhter Krankenstand registriert. Laut Laut ist die Anzahl der an Covid-19 erkrankten Beschäftigten jedoch nicht auffällig hoch. Es werde alles zum Schutz der Mitarbeiter unternommen, versichert er. Wohl auch deshalb will die Bahn ihr Angebot aufrechterhalten, auch wenn viele Züge fast leer durch das Land rollen. „Eine weitere Reduzierung ist nicht angedacht“, sagt Lutz.

Zum Schutz von Personal und Fahrgästen gelten in den Waggons die üblichen Abstandsregelungen. Auch reinigt und desinfiziert das Personal die Einrichtungen häufiger. Diese Maßnahme will der Vorstand auch beibehalten, wenn die Corona-Krise einmal vorbeigezogen ist.

Festhalten will die Bahn auch an den Sanierungsplänen. Die Bauarbeiten entlang der Trassen sollen wie geplant durchgeführt werden. Auch für das Mammutprojekt Stuttgart 21 sieht Lutz momentan keinen Zeitverzug durch die Corona-Krise. Die Zeit mit einer schwachen Nachfrage für zusätzliche Bauarbeiten zu nutzen, ist nicht möglich. Dafür ist einerseits der Planungsvorlauf zu lang, andererseits fehlt der Bauwirtschaft die notwendige freie Kapazität.