Tabea Zimmermann und Beethovens Bratsche

Tabea Zimmermann und Beethovens Bratsche

Das restaurierte Instrument erklang nach hundertjährigem Schweigen wieder im Kammermusiksaal des Bonner Beethoven-Hauses

Bonn. (nn) Nach hundertjährigem Schweigen wurde sie jetzt endlich wachgeküsst. Die Rede ist von einer Bratsche Ludwig van Beethovens, die er während seiner Zeit als Mitglied des Bonner Hoforchesters des öfteren gespielt haben dürfte. Zum Tauftag des Komponisten übernahm Tabea Zimmermann sozusagen die Rolle der Fee.

In einem Konzert, das sie gemeinsam mit dem Pianisten Hartmut Höll und der Cellistin Maria Kliegel im Kammermusiksaal des Beethoven-Hauses gab. Da der Dornröschenschlaf natürlich nicht spurlos vorübergegangen ist, musste der Geigenbauer Harald Mühsam das ursprünglich aus der Wiener Werkstatt des Geigenbauers Sebastian Dollingers stammende Instrument vor der "Premiere" mit großem Aufwand restaurieren.

Mühsam versetzte die etwa 220 Jahre alte Bratsche - die zwischenzeitlich einen Besitzer in Amerika hatte, bevor sie nach dem Ersten Weltkrieg wieder nach Bonn kam - jetzt wieder in den Zustand, den sie zur Zeit Beethovens hatte. Das heißt: Keine Stahlsaiten, sondern welche aus Darm. Natürlich verwendete Tabea Zimmermann beim Konzert auch einen zeitgenössischen Bogen, der das Instrument leichter ansprechen lässt.

Die Bratsche klingt, obwohl sie nicht aus der bedeutendsten Werkstatt kommt, erstaunlich gut. Das demonstrierte Tabea Zimmermann eindrucksvoll an Werken Beethovens und einigen seiner Zeitgenossen. Mit Hartmut Höll, der auf dem historischen Graf-Flügel aus dem Bestand des Beethoven-Hauses begleitete, spielte sie zu Beginn Beethovens "Notturno" op. 42, mit der Cellistin Maria Kliegel Beethovens "Duett mit zwei obligaten Augengläsern".

In zwei Solo-Etüden von Franz Anton Hoffmeister konnte man sich ganz auf den schönen, warmen Klang des Instruments konzentrieren, der auch in dem Hauptwerk des Abends, in der Bearbeitung von Schuberts "Arpeggione-Sonate", sehr schön zum Tragen kam.

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