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Bad Godesberg: "Rock'n'Rollator-Show" zieht in die Kammerspiele um

Bad Godesberg : "Rock'n'Rollator-Show" zieht in die Kammerspiele um

Es ist ein laszives Bild: Frauen, die, ihren Rücken eng an einen Mann gepresst, in die Knie gehen, sich verführerisch an dem anderen Körper reiben. Schubbern nennt Regisseur Michael Barfuß das bei der letzten Probe vor dem Umzug der in Beuel bereits überaus erfolgreichen "Rock'n'Rollator-Show" in die Kammerspiele Bad Godesberg.

Nach einem halben Jahr Pause soll dort, auf der doppelt so großen Bühne, erneut der Beweis angetreten werden, dass Menschen jenseits der 60 noch lange nicht zum alten Eisen gehören, sondern rocken wollen. Oder schubbern.

Also schubbern die Frauen, Seniorinnen ebenso wie junge Studentinnen, während ihre Bühnenpartner noch nicht so ganz zu wissen scheinen, wie sie auf diese lustvolle Choreografie, die zu einem extra für die Wiederaufnahme eingebauten zusätzlichen Stück gehört, reagieren sollen.

"Das ist doch ein gutes Gefühl. Genießt das!", fordert Barfuß die Männer auf und korrigiert immer wieder Feinheiten. Blickrichtung, Armhaltung, Position. Und wieder von vorn. Und noch einmal. Ganz fokussiert, unterbrochen nur von kleinen Anregungen und Begehrlichkeiten der Schauspieler.

"Ich will ja nicht, dass das wie im Altenheim aussieht", sagt eine der älteren Damen - und lässt sich von einer Studentin zeigen, wie sie mehr Sinnlichkeit in eine Pose legen kann. "Die Show ist für manche fast schon zu einer Art Lebensinhalt geworden", erzählt Barfuß lächelnd. Neben den Proben und Auftritten rühren die Senioren die Werbetrommel, waren am vergangenen Samstag etwa mit einem geschmückten Rollator in der Bonner Innenstadt unterwegs, um Flyer zu verteilen.

Dabei wäre das eigentlich gar nicht mehr nötig. Denn der Erfolg der Show spricht für sich. Die zehn Vorstellungen in Beuel waren alle innerhalb kürzester Zeit ausverkauft, für die Termine in Bad Godesberg läuft der Vorverkauf bereits sehr gut. Etwa einmal im Monat soll das Stück in den Kammerspielen zu sehen sein, "so lange, bis die Leute keine Lust mehr haben", so Barfuß.

Die Schauspieler und Sänger haben auf jeden Fall Lust. An der Gemeinschaft bei den Musical-Proben, aber auch an dem Aufbrechen von Klischees. "Die Alten sind alle gleich; ihre Stimme zittert, wie ihnen die Glieder zittern", zitieren sie den römischen Satiriker Juvenal, nur um ihn gleich darauf ad absurdum zu führen.

Die Rollstuhl-Rocker begehren für ihre "goldene Generation" auf, die das Wirtschaftswunder noch erlebt hat - und deren Mitglieder im selben Alter sind wie die Rolling Stones, Tina Turner oder Joe Cocker.

Also gibt es Rock statt Schunkelschlager, dazu Grunge, Rap und andere Musikstile. "Die harten Sachen, wie etwa Punk, funktionieren inzwischen am besten", erzählt Michael Barfuß. Einen neuen Song gibt es bei der Premiere am 9. Januar auch zu hören: "Die Frauen waren der Meinung, dass sie diesen Titel unbedingt singen müssten", sagt Barfuß. Das macht neugierig auf diesen Theaterabend.

Termine: 9. und 16. Januar, 4. Februar, jeweils 19.30 Uhr. Karten: in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen und bei bonnticket.de