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Kommentar: Finderfrust, Finderglück

Kommentar : Finderfrust, Finderglück

Für das Schweigen der Findungskommission für die neue Führung der Bundeskunsthalle kann es zwei Gründe geben. Einen schlechten und einen guten.

Schlecht wäre, wenn die Bundeskunsthalle nach einigen Turbulenzen derart von ihrem einmal guten Ruf eingebüßt hätte, dass sich niemand aus der ersten Reihe mehr fände, der Lust auf den Job in Bonn hätte. Ein guter Grund wäre, wenn es so viele erstklassige Kandidaten gäbe, dass die Kommission Zeit zum Abwägen bräuchte.

Es steht viel auf dem Spiel. Nach dem Finanzskandal 2007 und der Ablösung des damaligen Intendanten Wenzel Jacob, nach Christoph Vitalis kurzer Interims-Intendanz und einem Robert Fleck, der nach etwas über zwei Jahren amtsmüde wurde und dann den Ring verließ, sind eine Frau oder ein Mann mit Perspektive, Visionen und Stehvermögen gefragt.

Einen Fehlgriff kann sich die exzellent besetzte Findungskommission nicht leisten. Das wäre fatal für die Zukunft der Bundeskunsthalle. Denn die Institution hat längst nicht mehr den Glanz, den sie einmal hatte. Den ihrem Anspruch und ihrer finanziellen Ausstattung entsprechenden Spitzenplatz ist sie los.

Mit der neuen Leitung alleine ist es aber nicht getan. Die Bundeskunsthalle braucht ein Konzept, das über das zwanzig Jahre alte, sehr erfolgreiche, aber doch dringend renovierungsbedürftige Gründungskonzept hinausgeht. Schon Fleck hatte größte Mühe, den Dampfer Bundeskunsthalle auf einen neuen Kurs zu bringen. Halten konnte er den neuen Kurs dann nicht.